Das Bauamt bedauert: Wewder das Gebäude Schlachthausstraße 1 (links), noch 2 würde sich für die Stadtkapelle eignen. Foto: gg

Die Stadt­ka­pel­le Rott­weil sucht seit lan­gem einen Pro­beaum, der aus­rei­chend Platz für alle Musi­ker bie­tet. Am Fried­richs­platz ist das nicht der Fall. Immer wie­der kommt da die Schlacht­haus­stra­ße ins Spiel – mit dem ehe­ma­li­gen WKD-Gebäu­de, in dem zuletzt Flücht­lin­ge unter­ge­bracht wor­den sind, und jetzt auch der leer ste­hen­den alten Feu­er­wa­che. Doch wenn’s nach der Ver­wal­tung geht, geht die Suche nach geeig­ne­ten Pro­be­räu­men wei­ter.

Wenn Sie mit Prunk und guter Lau­ne auf­tritt, dann sieht man es ihr und ihren Mit­glie­dern nicht an: Die Stadt­ka­pel­le Rott­weil probt am Fried­richs­platz unter drang­vol­ler Enge. Seit Jah­ren hofft der Ver­ein auf ein neu­es Domi­zil. Wobei die­ser Begriff viel zu hoch­tra­bend wäre – eine aus­rei­chend gro­ße Unter­kunft, ein gro­ßer Pro­be­raum und ein Dach überm Kopf täten’s auch. Doch seit Jah­ren tut sich nichts.

2014 lau­te­te die Fra­ge noch: Wäre das Gebäu­de Schlacht­haus­stra­ße 2 für die Stadt­ka­pel­le even­tu­ell geeig­net? Die Frei­en Wäh­ler hat­ten damals, unter­stützt von der noch exis­tie­ren­den Frak­ti­on FFRund­PRo­Fi, einen Prüf­an­trag gestellt.

Damals kämpf­te noch Wal­ter Steg­mann für bes­se­re Pro­ben­be­din­gun­gen für die Stadt­ka­pel­le. Heu­te genießt er sei­nen Ruhe­stand und hat nach eige­nen Anga­ben gegen­über der NRWZ gro­ßen Abstand gefun­den zur Gemein­de­rats­ar­beit. Die Musi­ker aber, sie sit­zen sich immer noch am Fried­richs­platz gegen­sei­tig auf der Pel­le. Denn der Plan mit dem WKD-Gebäu­de, der wur­de nichts. Viel zu auf­wän­dig, so die Ver­wal­tung damals, wäre eine Sanie­rung. Oder „Ertüch­ti­gung”, wie man das auf dem Bau­amt nennt.

Jetzt das­sel­be in Grün. Jetzt will die SPD wis­sen, ob die nach dem Umzug der Feu­er­wehr leer ste­hen­den Räu­me der alten Feu­er­wa­che von der Stadt­ka­pel­le genutzt wer­den könn­ten. „Das Gebäu­de leer ste­hen zu las­sen hal­ten wir für kei­ne gute Opti­on”, so Arved Sass­nick, Spre­cher der SPD-Frak­ti­on im Stadt­rat.

Doch die Stadt­ver­wal­tung sagt wie­der „Noi.” Und wei­ter: „Eine Ertüch­ti­gung bezie­hungs­wei­se Moder­ni­sie­rung wür­de Kos­ten ver­ur­sa­chen, die einem Neu­bau­vor­ha­ben ent­spre­chen wür­den.” Nur ein Bei­spiel: Um ein Ein­frie­ren der Was­ser­lei­tun­gen im Win­ter zu ver­hin­dern, müss­te laut Bau­amt zumin­dest im Bereich der künf­tig leer­ste­hen­den Räu­me, in denen Lei­tun­gen ver­lau­fen, die Behei­zung fort­ge­führt wer­den.

Dies wäre sehr unwirt­schaft­lich. Das Gebäu­de eig­net sich somit schlecht für die ange­dach­te öffent­li­che Teil­nut­zung”, so das Fazit der Ver­wal­tung. Sie glaubt, dass das Haus nicht zugleich bewohnt sein kann, wenn die Stadt­ka­pel­le ein­zieht. „Neben dem als Pro­ben­raum ange­dach­ten Saal gibt es im heu­ti­gen Zustand noch Woh­nun­gen im Gebäu­de. Eini­ge stün­den bereits leer, eini­ge wür­den der­zeit durch Umset­zun­gen geräumt. Soll­te ein Pro­be­raum ver­wirk­licht wer­den, schei­de eine par­al­le­le Wohn­nut­zung künf­tig aus.

Außer­dem gilt laut Bau­amt für die Schlacht­haus­stra­ße 1, die alte Feu­er­wa­che, wie für die Schlacht­haus­stra­ße 2, das alte WKD-Gebäu­de: Die Stadt­ent­wick­lungs­maß­nah­me „Näge­les­gra­ben“ sol­le eine Ent­wick­lungs­ach­se über die Schlacht­haus­stra­ße bis zum Schwar­zen Tor Rich­tung Innen­stadt fort­zu­set­zen. Ein Bau­stein an die­ser Ent­wick­lungs­ach­se sei das Pro­jekt „Jugend­her­ber­ge“. Die För­der­mit­tel, die damals für die Jugend­her­ber­ge geflos­sen sei­en, wären aller­dings nicht als Objekt­för­de­rung bewil­ligt wor­den, son­dern als För­der­bau­stein für die Stadt­ent­wick­lung ent­lang der Ach­se. Als Gebiets­för­de­rung.

Die Stadt hat sich damals im Rah­men der För­der­an­trag­stel­lung ver­pflich­tet, die­ses städ­te­bau­li­che Ziel wei­ter­zu­ver­fol­gen und die Ent­wick­lungs­ach­se pro­jekt­wei­se bezie­hungs­wei­se Zug um Zug wei­ter zu bear­bei­ten”, so die Ver­wal­tung. Ein­fach mal einen Pro­be­raum ein­rich­ten, das könn­te die für die Jugend­her­ber­ge geflos­se­nen Gel­der in Gefahr brin­gen, impli­ziert die Vor­la­ge für die Gemein­de­rats-Aus­schuss­sit­zung am Mitt­woch.

Die Stadt sehe aller­dings wei­ter­hin die Not­wen­dig­keit eines geeig­ne­ten Pro­be­rau­mes für die Stadt­ka­pel­le. Das Gebäu­de Schlacht­haus­stra­ße 1 sei für die­se Nut­zung aber nicht geeig­net.

Info: Seit vie­len Jah­ren ist die Stadt­ka­pel­le sehr beengt im Gebäu­de des Alten Kauf­hau­ses am Fried­richs­platz unter­ge­bracht. Die Stadt­ka­pel­le erhielt nach Aus­zug des Büro-/ Lager­raums des Forums Kunst ab 2016 einen Raum zur eige­nen Nut­zung dazu, der auch her­ge­rich­tet wor­den ist. Ins­ge­samt befin­den sich damit neben dem grö­ße­ren Pro­ben­raum (85 qm + Neben­raum 15 qm) noch vier wei­te­re Räu­me 8/ 11/ 32/ 62 qm), die für Unter­richts­zwe­cke, Pro­ben und Lager genutzt wer­den. „Die Situa­ti­on stellt sich als leicht ver­bes­sert, wei­ter­hin jedoch beengt und schwie­rig dar”, so das Bau­amt. Der Pro­ben­raum sei bei vol­ler Beset­zung zu klein, die akus­ti­schen Ver­hält­nis­se sei­en pro­ble­ma­tisch. Unter der Beengt­heit im Alten Kauf­haus lit­ten auch alle wei­te­ren Kul­tur­ein­rich­tun­gen, wie Stadt­bü­che­rei, Zim­mer­thea­ter und Forum Kunst.