Kein Nar­renkarten­verkauf am Fas­netsmon­trag und -dien­stag mehr. Der Umzug am Son­ntag soll wieder eine Brauch­tumsver­anstal­tung für Kinder wer­den – und nicht eine für voll­trunk­ene Erwach­sene. Gegen diese will die Nar­ren­zun­ft hart durch­greifen. Und die Kinder­rössle sollen zu ihren Ursprün­gen zurück kehren. Das sind die wesentlichen Änderun­gen, die die Nar­ren­zun­ft Rot­tweil an der kom­menden Fast­nacht umset­zen möchte. Wir veröf­fentlichen dazu ein Inter­view mit Nar­ren­meis­ter Christoph Bech­told und Zun­ftschreiber Frank Huber.

Herr Bech­told, in der Mit­gliederver­samm­lung im ver­gan­genen Jahr haben Sie angekündigt, dass sich die Nar­ren­zun­ft nach dem Nar­rentag wieder ver­stärkt der Zukun­ft der Rot­tweil­er Fas­net wid­met. Gibt es schon Ergeb­nisse?

Christoph Bech­told: Ja, der Nar­rentag hat alle Auss­chuss-, Ehren- und Vor­stand­mit­glieder stark in Anspruch genom­men. Wir woll­ten ein­fach alle das Beste geben, damit sich unser Brauch­tum in unser­er Stadt von sein­er schön­sten Seite zeigen kann und unsere Fre­unde vom Viererbund sich in Rot­tweil wie zu Hause fühlen. Im Ehre­namt eine solche Großver­anstal­tung zu stem­men, brachte uns an die Gren­zen des Mach­baren. Seit März 2017 wid­men wir uns nun aber wieder stärk­er unser­er Fas­net und sehen da Entwick­lun­gen, die wir mit ersten Maß­nah­men zu unterbinden ver­suchen.

Welche Maß­nah­men ent­fal­ten an der Fas­net 2018 zum ersten Mal ihre Wirkung?

Frank Huber: Die wichtig­ste Änderung als erstes – es wird am Fas­netsmon­tag und -dien­stag in den Stem­pel­lokalen keinen Nar­renkarten­verkauf mehr geben. Für diese Maß­nahme gibt es mehrere Gründe. Beim Stem­peln der Karte des Nar­ren im Stem­pel­lokal kann die Nar­ren­zun­ft einen Teil ihres Brauch­tum­sauf­trages erfüllen. Brauch­tum­sauf­trag heißt hier konkret, dass Mit­glieder des Auss­chuss­es der Nar­ren­zun­ft im Stem­pel­lokal kon­trol­lieren, ob der Narr nicht etwas vergessen hat. Außer­dem leis­ten sie Hil­festel­lung, wenn die Glock­en nicht richtig sitzen oder ein Hose­nende beim Gschell herun­ter­hängt.

Die Nar­ren­zun­ft ver­sucht im Stem­pel­lokal also dem Narr mit Rat und Tat zur Seite zu ste­hen. Entspricht der Narr dann den Vor­gaben eines Orig­i­nal Rot­tweil­er Nar­ren­klei­des, erhält er die Berech­ti­gung zur Teil­nahme am Sprung durch die Über­gabe des Sprung­bän­dels.

Bei allein 4300 aktiv­en Nar­ren am Fas­netsmon­tag kön­nen die Wadelkap­pen diesen Auf­trag aber nur noch eingeschränkt erfüllen. Vor allem auch deshalb, weil mit­tler­weile in jedem Stem­pel­lokal ein Zün­ftler auss­chließlich den Nar­ren die Karten verkauft. Auss­chlaggebend für die aus unser­er Sicht neg­a­tive Entwick­lung im Stem­pel­lokal ist, dass etwa 15 Prozent der Nar­ren erst am Fas­netsmon­tag ihre Karte kaufen. Ten­denz seit Jahren steigend.

Christoph Bech­told: Ein weit­er­er Grund, weshalb wir uns zu diesem Schritt entschlossen haben, ist der, dass sich in den ver­gan­genen Jahren ver­mehrt Fam­i­lien­väter über die zu lan­gen Warteschlangen bei uns beschw­ert haben. 20 Minuten Wartezeit sind keine Sel­tenheit. Das aber ist für einen Nach­wuch­snar­ren eine gefühlte Ewigkeit. Es fühlt sich auch deshalb für die Jung­nar­ren wie eine Ewigkeit an, weil die Kleinen per­ma­nent geschub­st, gedrückt und gezo­gen wer­den.

Etliche Eltern haben die Nar­ren­zun­ft auf diesen Miss­stand hingewiesen. Wir hof­fen, dass durch die Maß­nahme bei den Kle­in­st­nar­ren nun keine Trä­nen mehr fließen und die Jun­gen und Mäd­chen ohne Blessuren ihre Fas­net ganz beseelt feiern kön­nen.

Führt diese Maß­nahme dann aber nicht zu Ein­nah­mev­er­lus­ten bei der Zun­ft?

Frank Huber: Wir hof­fen nicht, da wir in der Vor­fas­net­szeit zusät­zlich zu den bekan­nten Nar­renkarten­verkauf­sstellen noch an zwei Woch­enen­den auf dem Wochen­markt mit einem Stand präsent sein wer­den. Da beste­ht dann zusät­zlich die Möglichkeit, eine Nar­renkarte zu erwer­ben.

Was haben sie dieses Jahr noch für Aktio­nen geplant?

Christoph Bech­told: Ein weit­eres großes Ziel, das wir uns für die näch­sten Jahre geset­zt haben, ist, dass der Fas­netsson­ntag wieder stärk­er den Charak­ter eines Kinderumzuges bekommt.

Um dies zu gewährleis­ten, laden wir Vertreter der Abiturs-Klassen in unser Zun­fthaus ein. Den jun­gen Erwach­se­nen soll mit Bild- und Text­ma­te­r­i­al erk­lärt wer­den, dass der Fas­netsson­ntag nicht als eine när­rische Love-Parade, son­dern als eine Brauch­tumsver­anstal­tung für Kinder zu sehen ist. Wir appel­lieren hier an die Vor­bild­funk­tion der Abi­turi­en­ten für die Kleinen.

Zudem wer­den wir als Ver­anstal­ter des Son­ntag­sumzuges uns erlauben, stark alko­holisierten Erwach­se­nen die Sprungteil­nahme zu ver­weigern. Seit eini­gen Jahren stellen wir fest, dass Bajass­grup­pierun­gen mit hoch­prozenti­gen Alko­ho­li­ka in Leit­er­wä­gen zum Schwarzen Tor ziehen und diesen vor dem Umzugs­be­ginn reich­lich, einige zu reich­lich kon­sum­ieren.

Jed­er erwach­sene Bajass sollte ver­ste­hen, dass wir den Son­ntag­sumzug speziell für die Kinder organ­isieren, die an der Fas­net vielle­icht kein Nar­ren­kleid haben. Damit diese Kinder trotz­dem d’Stadt nab juck­en kön­nen, ver­anstal­ten wir diesen Umzug. Der Son­ntag sollte also nicht zum Schaulaufen für Erwach­sene wer­den, die ihren unsachgemäßen Umgang mit Alko­hol vor sich her­tra­gen.

Heißt das, Sie kon­trol­lieren erwach­sene Bajasse mit einem Alko­holmess­gerät?

Christoph Bech­told (lacht): Nein, das auf keinen Fall. Wir appel­lieren an die Ver­nun­ft und die Vor­bild­funk­tion jedes einzel­nen Umzug­steil­nehmers, wer­den aber bei Betrunk­e­nen hart durch­greifen. Wir sind humor­voll und selb­stkri­tisch genug, dass es uns fern liegt, die Morala­pos­tel zu spie­len, aber wenn es begin­nt, ein­fach nicht mehr lustig zu sein, son­dern nur noch unsin­nig, dann wer­den wir uns erlauben, einzu­greifen.

Gibt es noch weit­ere Änderun­gen am Fas­netsson­ntag?

Frank Huber: Ein weit­er­er Aspekt, auf den uns unsere Mit­glieder und Zuschauer hingewiesen haben, ist die Machart der Kinder­rössle. In den 50er Jahren gab es wohl ein Kinder­rössle mit geschnitzten Lar­ven, die den erwach­se­nen nachemp­fun­den sind. Mit­tler­weile haben wir davon zwölf. Hier treibt wohl der Ehrgeiz der Väter und Großväter seine Blüten.

Nach­dem wir ver­gan­ge­nes Jahr auch schon die ersten Kinderfeder­hannes am Son­ntag gese­hen haben, ver­suchen wir, auch hier an die Ver­nun­ft der Eltern zu appel­lieren.
Kinder­rössle waren Jahrzehnte lang immer Eige­nan­fer­ti­gun­gen der Kinder, sie waren das Resul­tat dessen, was man im Kinder­garten oder der Grund­schule im Kun­stun­ter­richt her­stellte.

Ger­ade die Phan­tasie und Kreativ­ität der Kinder war es, die die Kinder­rössle zu etwas ganz Beson­derem machte. Dies wollen wir wieder fördern. Wir nehmen deshalb mit den Besitzern der Kinder­rössle Kon­takt auf, die holzgeschnitzte Lar­ven haben und weisen darauf hin, dass ab 2019 diese im Umzug nicht mehr erwün­scht sind.

Woran arbeit­en Sie derzeit außer­dem?

Christoph Bech­told: Im Moment nehmen wir zudem mit den Wirten der Lokale in der Innen­stadt Kon­takt auf. Ziel ist es, wie am Nar­rentag so viele Gas­tronomen wie möglich von der Ein­rich­tung ein­er Nar­ren­stube oder ein­er zuschauer­freien Zone zu überzeu­gen.

Jed­er Narr hat nach dem Umzug Hunger und Durst. Häu­fig set­zen sich die Nar­ren dann aber ins Wirtshaus und lüften ihre Larve. Die Nar­retei lebt aber ganz entschei­dend davon, dass der Narr unerkan­nt bleibt. Deshalb braucht es Rück­zugszo­nen. Im Gasthaus Apfel, Bech­er, Rädle und in der Jugend­her­berge wird es Räume oder abge­tren­nte Zonen geben, die es dem Narr erlauben, etwas zu trinken, ohne dass er von anderen Wirtshaus­be­such­ern erkan­nt wird. Das ste­ht bere­its fest. Wir ver­suchen nun, die Zahl der Nar­ren­stuben zu erhöhen. Die Lokale, die eine Nar­ren­stube oder -zone anbi­eten, wer­den von außen gekennze­ich­net.

Worauf freuen Sie sich an dieser Fas­net am meis­ten?

Frank Huber: Ich würde mich freuen, wenn die Rot­tweil­er Nar­ren diese ersten Maß­nah­men, die wir ergreifen, um den Kern unser­er Fas­net zu bewahren, mit­tra­gen und nicht gle­ich wieder alles zerre­den. Unsere Fas­net muss sich behut­sam ändern, den eigentlichen Kern aber wollen wir bewahren.

Weit­ere Änderun­gen wer­den in den näch­sten Jahren fol­gen. Trotz­dem soll und wird die Rot­tweil­er Fas­net eine der schön­sten Volks­fast­nacht­en in Europa bleiben. Auf diese unbändi­ge Far­ben­pracht und die vie­len kom­menden Fas­net­sanek­doten freue ich mich bere­its heute schon.