AMG: Theater-AG spielt „Die Nashörner“

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ROTTWEIL. „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco, einem der bedeutendsten französischen Dramatiker der Nachkriegszeit und führenden Vertreter des absurden Theaters, 1959 uraufgeführt, thematisiert die Bedrohung der bürgerlichen Gesellschaft durch Nashörner und schließlich die Verwandlung rechtschaffener Bürger in ebendiese Tiere. Nun hat sich die Theater-AG des Rottweiler AMGs des Stücks angenommen. Update: Wegen Erkrankung der Hauptdarstellerin müssen die Aufführungen vom 17. und 18. November auf den 1. und 2. Dezember verschoben werden. 

Die Interpretation bleibt offen, eine wahrscheinliche Deutungsmöglichkeit ist die Kritik an totalitären Regimen und am Verhalten der Menschen, die als einheitliche Masse großteils aus Angst widerstandslos folgen.

Gezeigt werden Personen, die in der Passivität und Bequemlichkeit ihrer zivilisierten Gesellschaft gefangen sind und die auf sie einwirkenden Entwicklungen nicht oder zu wenig hinterfragen, stattdessen dazugehören und lieber im Strom mitschwimmen wollen. Ort der Handlung ist eine mittelgroße Stadt in der Provinz. Was dort passiert, könnte in aller Welt geschehen. 

Die unterschiedlichsten Charaktere der Handlung, der zum Alkohol neigende lebensuntüchtige kleine Angestellte Behringer, dessen unsympathischer und überkorrekter Freund Hans oder der den anderen kulturell überlegen scheinende „Logiker“ sowie Wisser, ein völlig rational wirkender Arbeitskollege Behringers, suchen Antworten auf die Frage, ob die „Vernashornung“ der Gesellschaft nachzuvollziehen, zu begreifen oder gar zu rechtfertigen sei. Nur die Hauptfigur Behringer kommt zu einem eindeutigen Fazit: „Ein Mensch, der sich in ein Nashorn verwandelt, das ist unbestritten nicht normal.“

Der Beobachter registriert eine immer größer werdende Bereitschaft der Stadtbewohner, die zunehmende Zahl von das Stadtbild prägenden Nashörnern und deren zerstörerisches Treiben zu verharmlosen und zu verleugnen. Nicht wenige tun dies wohl, um sich selbst gegenüber den immer wahrscheinlicher werdenden Schritt der eigenen Verwandlung zu rechtfertigen. Die Handelnden stehen vor der schwierigen Entscheidungsfrage: Bleiben sie standhaft oder fallen sie um? Gilt es Werte zu verteidigen, oder muss man, wie Hans sagt, „die Grundlagen unseres Lebens erneuern“?

„Die Nashörner“ sind nach wie vor aktuell, heißt es in einer Mitteilung der AMG-Theater-AG. Trotz möglicher inhaltlicher Anknüpfungspunkte will deren Inszenierung aber nicht modernisieren. Vielmehr soll es dem Publikum überlassen bleiben, solche überzeitlichen Zusammenhänge zu erkennen. 

Die Aufführungen finden statt am Donnerstag, 01.12, und Freitag, 02.12.2022, jeweils um 19.30 Uhr im Festsaal der Gymnasien. Der Eintritt ist frei. 

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