Ansturm auf den Testturm, doch die wenigsten gehen in die Stadt

Eröffnung: Flair und Aufbruchstimmung des Turmfests wie weggeblasen

Die offizielle Eröffnung der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands am vergangenen Wochenende lässt die Sogwirkung des thyssenkrupp-Testturms erahnen: Turm-Manager Michael Klein registrierte an den ersten drei Tagen rund 4600 Besucher. Einen ersten Rekord gab es am Sonntag mit 1900 Gästen. Das führte zu Wartezeiten von bis zu einer Stunde. „Aber alle waren glücklich”, versichert Klein. Insgesamt sei die Premiere reibungslos verlaufen.

Eigentlich hatte er mit einer Obergrenze von 1500 pro Tag kalkuliert. „Aber das hängt auch immer von der jeweiligen Verweildauer ab”, sagt er. Es dürfen sich nicht mehr als 199 Menschen gleichzeitig auf der Plattform aufhalten.

Auch Hans Keller, Senior-Chef der Firma Hauser-Reisen, die einen gebührendpflichtigen Parkplatz mit 250 Stellplätzen betreibt, zeigt sich zufrieden. „Wir hatten am Wochenende 500 Autos auf dem Berner Feld”, berichtet er, „bisher hatten wir das in einem ganzen Monat. Die Besucher kommen aus den Nachbarkreisen (TUT, BL, VS, SIG, TÜ), aber auch von weiter her wie Böblingen, Stuttgart, Emmendingen bis Trier und aus der Schweiz. Allerdings wirkte sich der Ansturm nicht auf die Innenstadt aus. Kaum einer verirrte sich dahin.

Es tut sich ein ziemlicher Gegensatz auf an diesem, ja man muss sagen historischen Herbstsonntag: Unter dem Turm viele Menschen, die mit dem Auto ankommen, sich in die Schlange stellen, warten, in 242 Meter hochfahren, die Aussicht genießen, runterkommen, sich ins Auto setzen und wieder davonfahren. Allerdings nicht in Richtung Stadt, sondern stadtauswärts. Wieder weg.

Das könnte auch daran liegen, dass es am Turm keinerlei Hinweise gibt, was die Stadt an Kultur und Gastronomie aktuell zu bieten hat. Selbst auf den Aussichtshügel – ebenfalls nicht sichtbar ausgeschildert – gehen nur wenige, an der Wurstbude stehen zwei Leute.
Und so herrscht in der Innenstadt Normalbetrieb. Keine Spur, dass an diesem Tag ein neues Zeitalter in Rottweil beginnt mit vielen neuen Tagestouristen, keine speziellen Angebote, kein Turm-Gebäck, keine Turm-Torte, keine Turm-Wurst. Nichts zu spüren vom Zauber und Flair des Turmfests, die noch eine Woche zuvor die Innenstadt erfüllte hatten.

Es gibt den einen oder anderen Rottweiler, der sich darüber wundert. „Jetzt liegt das Geschenk auf dem Präsentierteller, jetzt muss man zugreifen – oder diese Chance halt verpassen”, heißt es da beispielsweise.

Tobias Hermann, Sprecher der Stadt, berichtet, die Touristik-Information sei am Wochenende im Turm mit einer Mitarbeiterin präsent gewesen, allerdings unten im Empfangsbereich, was sich als unvorteilhaft erwiesen habe, denn die Menschen wollten zunächst so schnell wie möglich hoch. Und wieder unten angekommen, sei thyssenkrupp daran interessiert, die Besucher so schnell wie möglich hinauszuschleusen, um Platz für die Neuankömmlinge zu schaffen.

Deshalb sei beabsichtigt, so Hermann, die Mitarbeiterin der Tourist-Info künftig auf der Aussichtsplattform zu platzieren, wo sie mit den Gästen ins Gespräch kommen, ihnen Hinweise und Tipps geben könne.

Einen regelmäßigen Busverkehr zwischen Stadt und Berner Feld gibt es, allerdings nur an Wochentagen. Man könne mit dem normalen Linienverkehr von der Saline, vom Bahnhof oder von der Stadtmitte regelmäßig zum Turm kommen, berichtet Busunternehmer Hans Keller. Am Wochenende, wenn die Plattform geöffnet ist, sei das auch möglich, allerdings nur mit einer Anmeldung eine Stunde vorher. „Aber wir passen uns an, wenn Bedarf besteht”, verspricht Keller.

Noch ist unklar, welche Struktur rund um den Turm entsteht. Es gibt Pläne von privaten Investoren für einen Park mit Gastronomie oder auch für ein Parkhaus. Aber das hängt von der Änderung des Bebauungsplans ab. Wie lange das dauert, ist derzeit nicht absehbar. Hinzu kommt, dass Oberbürgermeister Ralf Broß erst beim Turmfest erklärt hat, man wolle möglichst wenig Gastronomie auf dem Berner Feld, um die Innenstadt zu stärken.

 

 

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