Applaus für ThyssenKrupps Multi

Die erste Fahrt des ersten seillosen und seitwärts fahrenden Aufzugssystems

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Der entscheidende Moment: ThyssenKrupp-Elevator-Chef Schierenbeck startet den Multi. Foto: mm

Am Don­ners­tag hat thyssenkrupp Ele­va­tor der Welt sei­nen Mul­ti prä­sen­tiert. Den Auf­zug, der nach oben, unten, rechts und links fah­ren kann. Ohne Sei­le. Mit mehr als zwei Kabi­nen in einem Auf­zugs­schacht, unab­hän­gig von­ein­an­der. Das alles im Auf­zug­test­turm auf dem Rott­wei­ler Ber­ner Feld, der der Ent­wick­lung des Mul­ti bis hin zur Seri­en­rei­fe dient.

Ein locke­rer thyssenkrupp Ele­va­tor-Boss Andre­as Schie­ren­beck ohne Kra­wat­te aber mit Sport­schu­hen und sein Team zeig­ten den gela­de­nen Gäs­ten und vor allem der Welt­pres­se das „revo­lu­tio­nä­re Pro­dukt”, wie der Kon­zern den Mul­ti nennt.

Von Kame­ras beglei­tet und unter den Klän­gen einer Urwald­trom­mel mach­ten sich Schie­ren­beck und Co. auf, den Mul­ti per Druck auf einen thyssenkrupp-blau­en But­ton zu star­ten. Das gab Applaus. Auch der TKE-Mit­ar­bei­ter. Erst­mals konn­ten Jour­na­lis­ten den Mul­ti besich­ti­gen. Fahr­ten waren nicht mög­lich. Es han­del­te sich um einen Pro­to­ty­pen in der Erpro­bungs­pha­se.

Drei Jah­re lang hat thyssenkrupp Ele­va­tor am Mul­ti bis­lang gear­bei­tet und die Pro­jekt­ma­na­ger zeig­ten sich froh und glück­lich, das Sys­tem nun live vor­stel­len zu kön­nen. TKE sieht im Mul­ti die Zukunft der Auf­zugs­par­te des Kon­zerns.

Foto: Det­lef Berndt

Die erste Fahrt – ThyssenKrupp im Wortlaut

Mit der ers­ten Fahrt des ers­ten seil­lo­sen und seit­wärts fah­ren­den Auf­zugs­sys­tems Mul­ti prä­sen­tier­te thyssenkrupp heu­te eine der weg­wei­sends­ten Inno­va­tio­nen der Indus­trie seit dem 19. Jahr­hun­dert. Statt eine Kabi­ne pro Schacht auf- und ab fah­ren zu las­sen, bie­tet der Mul­ti die Mög­lich­keit, vie­le Kabi­nen unab­hän­gig von­ein­an­der zir­ku­lie­ren zu las­sen, ver­gleich­bar mit einem U‑Bahn-Sys­tem im Gebäu­de. Ein mehr­stu­fi­ges Brems­sys­tem schützt die seil­lo­sen Kabi­nen, die über ein red­un­dan­tes, kabel­lo­ses EDV- und Ener­gie­ma­nage­ment ver­fü­gen. Lan­ge erwar­tet wird das Kon­zept nun Rea­li­tät, indem thyssenkrupp die ers­te voll funk­ti­ons­fä­hi­ge Ein­heit im neu errich­te­ten Test­turm im baden- würt­tem­ber­gi­schen Rott­weil vor­stellt.

Anläss­lich der Welt­pre­mie­re des Mul­ti stell­te thyssenkrupp mit dem Immo­bi­li­en­ent­wick­ler OVG Real Esta­te bereits den ers­ten Kun­den des neu­en Auf­zugs­sys­tems vor. OVG wird zusam­men mit thyssenkrupp im neu­en East Side Tower in Ber­lin ver­schie­de­ne Mul­ti-Sys­te­me instal­lie­ren. Das Gebäu­de ver­spricht schon jetzt, eine der archi­tek­to­ni­schen Attrak­tio­nen der deut­schen Haupt­stadt zu wer­den.

Andre­as Schie­ren­beck, CEO von thyssenkrupp Ele­va­tor begrüß­te auf der fei­er­li­chen Ver­an­stal­tung zur Pro­dukt­vor­stel­lung rund 200 aus aller Welt ange­reis­te Gäs­te und Reprä­sen­tan­ten der Gebäu­de­in­dus­trie, dar­un­ter Archi­tek­ten, Pla­ner und Ent­wick­ler. Unter ihnen Coen van Oostrom, CEO von OVG Real Esta­te und Antho­ny Wood, geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Coun­cil on Tall Buil­dings and Urban Habi­tat (CTBUH).

Wäh­rend unse­re Städ­te wach­sen und Gebäu­de grö­ßer und höher wer­den, sehen sich Pla­ner und Archi­tek­ten mit der zuneh­men­den Her­aus­for­de­rung kon­fron­tiert, eine stei­gen­de Anzahl von Men­schen bequem und schnell an ihr Ziel zu brin­gen. Mul­ti hilft, die­ses Pro­blem zu lösen: Trans­port­ka­pa­zi­tä­ten kön­nen um bis zu 50 Pro­zent gestei­gert wer­den, gleich­zei­tig kön­nen die bei kon­ven­tio­nel­len Auf­zugs­sys­te­men auf­tre­ten­den Spit­zen beim Ener­gie­ver­brauch um bis zu 60 Pro­zent abge­senkt wer­den. Allein die­se bei­den Fak­to­ren sor­gen für dra­ma­ti­sche Ver­bes­se­run­gen bei der

Mobi­li­tät in Hoch­häu­sern. Im Gegen­satz zum seil­ge­bun­de­nen Auf­zug unter­liegt die neue Tech­no­lo­gie kei­ner­lei Beschrän­kun­gen in der Höhe. Hin­zu kommt die Mög­lich­keit, mit Mul­ti sowohl ver­ti­kal als auch hori­zon­tal zu fah­ren. All dies bie­tet bis­lang bei­spiel­lo­se archi­tek­to­ni­sche Mög­lich­kei­ten und Gebäu­de­de­signs.

Andre­as Schie­ren­beck sagt dazu: „Wir sind davon über­zeugt, dass Mul­ti die Art und Wei­se, wie sich Men­schen in ihrer gebau­ten Umwelt bewe­gen, wie sie leben und arbei­ten, fun­da­men­tal ver­än­dern wird. Er kann War­te­zei­ten deut­lich ver­rin­gern und sorgt für einen erheb­li­chen Gewinn an Nutz­flä­che in Gebäu­den. Mul­ti ist der Schlüs­sel zum Umbruch in der Auf­zugs­in­dus­trie.“

Die neue Tech­no­lo­gie benö­tigt weni­ger und klei­ne­re Schäch­te als kon­ven­tio­nel­le Sys­te­me und kann so die nutz­ba­re Flä­che in Gebäu­den um bis zu 25 Pro­zent erhö­hen. Die gewon­ne­ne Flä­che kann ver­mie­tet wer­den und sorgt so für zusätz­li­che Ein­nah­men. Das bie­tet einen kla­ren Vor­teil gegen­über seil­ge­bun­de­nen Auf­zugs­sys­te­men, da die­se, abhän­gig von der Gebäu­de­hö­he, bis zu 40 Pro­zent der Geschoss­flä­che für Schäch­te und tech­ni­sche Aus­stat­tung benö­ti­gen.

Ein wei­te­rer Vor­teil des Mul­ti ist ein gleich­mä­ßi­ger Ener­gie­ver­brauch ohne erheb­li­che und kos­ten­trei­ben­de Aus­schlä­ge nach oben. Auf die­se Wei­se ist ein effi­zi­en­te­res Ener­gie­ma­nage­ment mög­lich, das auch die Inves­ti­ti­ons­kos­ten für die Strom­ver­sor­gungs­in­fra­struk­tur kon­se­quent sen­ken kann.

Der ers­te Mul­ti wird in einem neu­en, von OVG Real Esta­te geplan­ten Gebäu­de in Ber­lin instal­liert. OVG erlang­te glo­ba­le Auf­merk­sam­keit durch das als ‚welt­weit nach­hal­tigs­tes Büro­ge­bäu­de‘ bekannt gewor­de­ne Pro­jekt ‚The Edge‘. Coen van Oostrom, CEO OVG Real Esta­te, erläu­tert: „Wir freu­en uns, als Part­ner von thyssenkrupp die ers­ten Mul­ti-Auf­zü­ge in unse­rem neu­en Pro­jekt, dem East Side Tower in Ber­lin, zu instal­lie­ren. Das Gebäu­de ent­steht nahe der Mer­ce­des-Benz-Are­na und der War­schau­er Stra­ße und hat das Poten­zi­al, ein neu­er Ori­en­tie­rungs­punkt der Ber­li­ner Sky­line zu wer­den. Wir beschäf­ti­gen uns kon­se­quent mit intel­li­gen­ten Tech­no­lo­gi­en und Nach­hal­tig­keit, und sind dadurch ande­ren stets einen Schritt vor­aus. Die zukunfts­wei­sen­de Tech­no­lo­gie, für die der MULTI steht, passt her­vor­ra­gend zu uns.“

Ant­o­ny Wood, geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des CTBUH sagt: „Dies ist viel­leicht die bedeu­tends­te Ent­wick­lung seit der Erfin­dung des Sicher­heits­auf­zugs vor gut 165 Jah­ren. Der ‚hei­li­ge Gral‘ der Auf­zugs­in­dus­trie war immer, die seil­ge­bun­de­ne und auf die Ver­ti­ka­le beschränk­te Bewe­gung durch ein Sys­tem abzu­lö­sen, das auch geneig­te oder hori­zon­ta­le Fahr­ten ermög­licht. Mul­ti weist den Weg zu die­sem Ziel, mehr als alle ande­ren bis­her vor­ge­stell­ten Lösun­gen. Hier­in liegt die Chan­ce, die Indus­trie in gro­ßem Maß­stab zu trans­for­mie­ren und die Art und Wei­se, wie gro­ße Gebäu­de kon­zi­piert wer­den, kom­plett zu ver­än­dern. Mul­ti erlaubt effi­zi­en­te­re Kern­des­gins genau­so wie bes­se­re Ver­bin­dun­gen in Gebäu­den.”

Die ers­te Fahrt des Mul­ti fand im neu­en 246 Meter hohen Test­turm von thyssenkrupp in Rott­weil statt, der gleich­zei­tig das deut­sche For­schungs- und Ent­wick­lungs­zen­trum beher­bergt. Die Kon­zep­ti­on des Turms weist in die Zukunft urba­ner Mobi­li­tät: thyssenkrupp tes­tet und zer­ti­fi­ziert hier die Auf­zugs­lö­sun­gen von mor­gen. Mit zwölf Schäch­ten bie­tet der Test­turm opti­ma­le Mög­lich­kei­ten für Tests und Ver­su­che jeder Art, bis hin zu Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­gen, die mit bis zu 18 Metern pro Sekun­de durch den Schacht rasen. Für die Erpro­bung und Zer­ti­fi­zie­rung des Mul­ti sind drei Schäch­te reser­viert.

Mehr Infor­ma­tio­nen zum Mul­ti gibt es hier: https://multi.thyssenkrupp-elevator.com/de/

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