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Dienstag, 10. Dezember 2019
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Aquasol: Keine Gucklöcher für Spanner – neuerdings aber Drohungen gegen den Vater, der alles ins Rollen gebracht hat

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ROTTWEIL, 11. Okto­ber (gg) – Das wirkt wie ein „End­lich sagt es mal jemand.“ Ein jun­ger Vater, Sascha Freu­den­berg, hat einen Vor­fall öffent­lich gemacht, bei dem ein älte­rer Herr im Kin­der­be­cken des Aqua­sols begon­nen haben soll, sich zu befrie­di­gen. Der jun­ge Vater bekommt im Netz viel Zuspruch, der älte­re Herr bekam es mit der Poli­zei zu tun. Und der Bad­be­trei­ber muss sich mit unan­ge­neh­men Fra­gen aus­ein­an­der­set­zen. Zugleich aber berich­tet wie­der­um der jun­ge Vater von anony­men Droh­brie­fen.

Das ist eine der Fra­gen an den Aqua­­sol-Betrei­ber: Gibt es Span­­ner-Guck­­lö­cher im Bereich der Umklei­de­ka­bi­nen im Aqua­sol? Die NRWZ stell­te die­se Fra­ge dem Spre­cher des Bad­be­trei­bers Ener­gie­ver­sor­gung Rott­weil, Dr. Jochen Schicht. Sei­ne Ant­wort ist ein­deu­tig. Er bezieht sich auch gleich auf ein wei­te­res Gerücht, das online Ver­brei­tung fin­det: „Uns sind weder Span­­ner-Guck­­lö­cher bekannt, noch befin­den sich in den Umklei­den, an der Decke oder der Sau­na Web­cams. Kame­ras sind aus­schließ­lich in den Gän­gen und im Bad ange­bracht, zum einen aus Sicher­heits­grün­den (Dieb­stahl­prä­ven­ti­on), zum ande­ren aus Grün­den der Über­wa­chung des Bade­be­triebs.“ Even­tu­ell feh­len­de Decken­plat­ten resul­tier­ten aus einem Ablauf­de­fekt im Bereich der Sau­na, „dem nicht so ohne wei­te­res bei­zu­kom­men ist. Hier muss der Tech­ni­ker immer wie­der Decken­plat­ten öff­nen, um das Was­ser abzu­lei­ten“, so Schicht.

Das Aqua­sol steht der­zeit im Ruf, ein Tum­mel­platz für Pädo­phi­le und Span­ner zu sein. Jeden­falls ist das der Tenor, den jedes Gespräch und vie­le Online-Kom­­men­­ta­­re über einen Vor­fall an einem Sep­tem­ber­sonn­tag unlängst bekommt. Ein älte­rer Herr soll da im Nicht­schwim­mer­be­reich gezielt eine Kin­der­ver­an­stal­tung abge­war­tet haben – um sich dann ange­sichts der Klei­nen selbst zu befrie­di­gen. Nach­dem offen­bar der Bade­meis­ter, von Zeu­gen ange­spro­chen, nicht adäquat reagiert hat, mach­te ein Besu­cher, der jun­ge Vater, den Vor­fall öffent­lich.

Die ENRW als Betrei­be­rin des Bades bestä­tig­te das Gesche­hen auf Nach­fra­ge der NRWZ umge­hend und ohne Aus­flüch­te. Sie bat „für die feh­ler­haf­te Reak­ti­on des Mit­ar­bei­ters“ um Ent­schul­di­gung. Unter­neh­mens­spre­cher Schicht schrieb vor ein paar Tagen wei­ter: „Wir sind gera­de dabei, die­sen schlim­men Vor­fall, der auch uns ent­setzt, auf­zu­ar­bei­ten. Es gibt eine Dienst­an­wei­sung, nach der in einem sol­chen Fall sofort die Poli­zei zu alar­mie­ren ist.“

Älte­rer Herr iden­ti­fi­ziert

Der jun­ge Vater, er heißt Sascha Freu­den­berg, war damit zufrie­den. Er erzählt auf Face­book, dass er „eine Mail mit einer Ent­schul­di­gung für den Vor­fall“ bekom­men habe, „aber jetzt kommt‘s: der Per­ver­se“ – er meint den älte­ren Herrn im Kin­der­be­cken – „wur­de iden­ti­fi­ziert! Mei­ne Daten wur­den an die Poli­zei wei­ter­ge­lei­tet, damit ich als Zeu­ge aus­sa­gen kann. Klas­se. Gute Arbeit, Aqua­sol, mein ganz gro­ßes Lob, Respekt!“ Als Wie­der­gut­ma­chung für die Unan­nehm­lich­kei­ten habe er fünf Tages­kar­ten fürs Aqua­sol ver­spro­chen bekom­men. Auf Nach­fra­ge der NRWZ bestä­tigt der Spre­cher der ENRW, Schicht: „Die ver­däch­ti­ge Per­son konn­te ermit­telt wer­den und wird nun zur Anzei­ge gebracht.“

Dem Mann dro­hen nun Ermitt­lun­gen wegen exhi­bi­tio­nis­ti­schen Hand­lun­gen, even­tu­ell auch wegen Erre­gung öffent­li­chen Ärger­nis­ses. Ob er bereits Haus­ver­bot erhal­ten hat für das Aqua­sol, ist nicht bekannt. Auf die Fra­gen, was mit dem genann­ten Bade­meis­ter gesche­hen soll und wie das Unter­neh­men ähn­li­che Fäl­le ver­mei­den will, ant­wor­tet Schicht: „Gemein­sam mit dem gan­zen Bäder­team wer­den wir das Fehl­ver­hal­ten auf­ar­bei­ten und zusam­men mit der Poli­zei ent­spre­chen­de Schu­lun­gen durch­füh­ren.“

Droh­brie­fe gegen den Vater, der allen ins Rol­len gebracht hat

Freu­den­berg, der jun­ge Vater, der die Sache ins Rol­len gebracht hat­te, will nun dran­blei­ben. Für ein Bad sor­gen, das kei­ne Per­ver­sen und Pädo­phi­le dul­det, wie er sagt. Denn er betrach­tet die Geschich­te im Nicht­schwim­mer­be­cken nicht als einem Ein­zel­fall.

Aller­dings sieht er sich neu­er­dings Repres­sa­li­en aus­ge­setzt. ‘Zuge­ge­ben, ich habe den gan­zen Rum­mel und die Wel­le der Kon­tro­ver­se dar­über total unter­schätzt, war dies­be­züg­lich viel zu naiv’, schreibt er der NRWZ. Und: ‘Dabei woll­te ich doch nur Zivil­cou­ra­ge zei­gen und ein Zei­chen für NULL Tole­ranz gegen sowas set­zen.’

Das ist gesche­hen: Freu­den­berg glaubt, in ein ‘Wes­pen­nest gesto­chen’ zu haben, wie er sagt, ‘denn zuletzt wur­de ich sogar anonym oder unter Pseud­onym beläs­tigt und denun­ziert.’ Er geht jetzt davon aus, dass ‘die­se Geschich­te nur die Spit­ze des Eis­bergs war. Trau­rig.’

Er meint, dass die Pöbe­lei­en gegen ihn dadurch aus­ge­löst wor­den sei­en, ‘dass ich man­chem Per­ver­sen sei­nen Spiel­platz ver­saut habe.’ Und er zeigt sich den­noch resi­gniert: ‘Dadurch wird sich aber kein Pädo­phi­ler abhal­ten las­sen, ein­zig sein Ziel­ge­biet wird even­tu­ell ver­la­gert.’

Der Zeu­ge Freu­den­berg denkt nun dar­über nach, künf­tig den Mund zu hal­ten. ‘Wenn ich … nun beden­ke, dass der Preis hier­für Belei­di­gun­gen, Angst um mei­nen Sohn und vor hin­ter­häl­ti­gen Atta­cken ist, der Lohn dafür fünf Tages­kar­ten sind, wer­de ich mir in Zukunft lei­der noch mehr über­le­gen müs­sen, ob ich das Glei­che noch mal tun wür­de. ’ Doch: ‘Aber dann hät­ten sol­che Per­ver­sen ja gewon­nen.’

 

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