Auf den Spuren jüdischen Lebens in Rottweil

Joachim Pfeiffer und Martina van Spankeren-Gandhi bei der Montage der Gedenktafeln in der Innenstadt. Foto: pm

ROTTWEIL — Ein Rundweg durch die Innen­stadt soll an jüdis­ches Leben in den Häusern der Stadt Rot­tweil und an die Opfer des NS-Regimes erin­nern. Dazu wur­den Gedenk­tafeln an 16 ehe­mals jüdis­che Häuser ange­bracht, sowie eine Gedenkstätte im Näge­les­graben errichtet. Der Gedenkp­fad wird am Dien­stag, 12. Dezem­ber, um 15 Uhr im Fest­saal des Alten Gym­na­si­ums offiziell eingewei­ht und vorgestellt.

Nach­dem die erste, mit­te­lal­ter­liche Rot­tweil­er Judenge­meinde beim Pest-Pogrom 1348/49 ver­nichtet wor­den war, siedel­ten sich erst am Beginn des 19. Jahrhun­derts wieder Juden in Rot­tweil an. Allmäh­lich entwick­elte sich eine neue jüdis­che Gemeinde, die in ihren besten Zeit­en über 100 Ange­hörige zählte. Die jüdis­chen Han­dels- und Geschäft­sleute waren im Laufe der Zeit selb­stver­ständlich­er und wichtiger Teil des Rot­tweil­er Wirtschafts- und Gesellschaft­slebens gewor­den. Als Deutsche kämpften und star­ben sie im Ersten Weltkrieg.

Seit  1933 wur­den die Juden aber auch in Rot­tweil von den Nation­al­sozial­is­ten und teil­weise der oppor­tunis­tis­chen Konkur­renz zunehmend aus dem Geschäft­sleben und an den Rand der Gesellschaft gedrängt; schließlich ver­trieben und ver­nichtet. Min­destens 23 Juden aus Rot­tweil haben den Holo­caust nicht über­lebt.

Die ehe­ma­lige Syn­a­goge und der Jüdis­che Fried­hof sind als Erin­nerung­sorte erhal­ten geblieben. Daneben gibt es aber eine ganze Rei­he von Bürg­er- und Geschäft­shäusern in der Rot­tweil­er Innen­stadt, die sich einst in jüdis­chem  Besitzer befan­den und in denen jüdis­ches Leben stat­tfand, bis der Nation­al­sozial­is­mus diesem ein bar­barisches Ende set­zte.

An eben diese jüdis­chen Rot­tweil­er erin­nern nun Info-Tafeln an den ehe­mals jüdis­chen Gebäu­den. 16 Häuser kon­nten mit der Zus­tim­mung der heuti­gen Besitzer aus­geschildert wer­den. Ergänzt wer­den sollen die Info-Tafeln noch durch QR-Codes, durch die man dann auf eine eigens angelegte Web­seite gelangt (derzeit in Vor­bere­itung). Dort find­et man kün­ftig zu jed­er Tafel und somit jedem Haus aus­führliche Infor­ma­tio­nen und Bild­ma­te­r­i­al zu den jüdis­chen Vorbe­sitzern.

Gedenk­tafeln wur­den an 16 ehe­mals jüdis­che Häuser in Rot­tweil ange­bracht. Foto: pm

Zusam­men ergeben alle Tafeln einen Stadtrundgang auf den Spuren jüdis­chen Lebens in Rot­tweil. Dazu gehört eben­falls eine Gedenkstätte im Näge­les­graben. Sie beste­ht aus einem Baum­feld und ein­er Gedenk-Stele, auf der die Namen der 23 nach­weis­lich ermorde­ten Rot­tweil­er Juden zu find­en sind. Außer­dem kön­nen sich Inter­essierte und Besuch­er durch einen Fly­er genauer über die Route und die Hin­ter­gründe des Rundwegs informieren. Die Fly­er sind ab dem 12. Dezem­ber in der Tourist-Info erhältlich.

Am 12. Dezem­ber wird dieser Rundweg im Rah­men eines kleinen Fes­tak­ts im Fest­saal des Alten Gym­na­si­ums eingewei­ht. Um 15 Uhr wird diese mit ein­er Begrüßung durch Ober­bürg­er­meis­ter Ralf Broß begin­nen. Anschließend wird Stadtarchivar Ger­ald Mager den Rundweg durch die Innen­stadt von Rot­tweil virtuell in Form ein­er Präsen­ta­tion vorstellen. Danach beg­ibt man sich gemein­sam zur neugeschaf­fe­nen Gedenkstätte im Näge­les­graben. Dort wird Johan­na Knaus, Vor­sitzende des Vere­ins ehe­ma­lige Syn­a­goge, die Namen der 23 Opfer auf der Stele ver­lesen. Anschließend sprechen Pfar­rerin Esther Kuhn-Luz und Pfar­rvikar Jür­gen Rieger gemein­sam christliche Gebete. Zum Abschluss wird Rab­bin­er Levi Yitzhak Hefer das Kad­disch-Gebet sprechen.

INFO: Ein­wei­hung Gedenkp­fad „Auf den Spuren jüdis­chen Lebens in Rot­tweil – ein Stadtrundgang“, am 12. Dezem­ber um 15 Uhr im Fest­saal des Alten Gym­na­si­ums.