Die Baustelle am Abend: ein Bild der Webcam auf dem Berner Feld. Foto: TKE
Die Baustelle am Abend: ein Bild der Webcam auf dem Berner Feld. Foto: TKE

Rott­weil (gg). Der Auf­zug­test­turm wird nicht nur unvor­stell­bar hoch und soll nicht nur beein­dru­ckend beleuch­tet wer­den – er bringt auch erstaun­lich vie­le Arbeits­plät­ze. Das und eini­ges mehr wur­de am Mitt­woch bekannt.

Bis­lang waren sei­tens des Tur­m­er­bau­ers thyssenkrupp Ele­va­tor (TKE) drei, viel­leicht fünf Arbeits­plät­ze in Rott­weil ange­kün­digt. Am Mitt­woch nun über­rasch­te TKE-Euro­pa­chef Alex­an­der Kel­ler mit dem Ver­spre­chen, dass auf dem Ber­ner Feld eine For­schungs- und Ent­wick­lungs­sta­ti­on für 25 Inge­nieu­re und fünf Mit­ar­bei­ter ent­ste­hen wür­de. Unter­des­sen beeilt sich die Stadt­ver­wal­tung einer­seits ein Mar­ke­ting­kon­zept vor­zu­be­rei­ten und ande­rer­seits der zuneh­men­den Zahl von Bau­stel­len­tou­ris­ten ein Ange­bot zu machen. Und ein Stadt­rat sorgt sich schon um schi­cke Bau­plät­ze für die ankom­men­den Wis­sen­schaft­ler.

In einem stark hoch­for­ma­ti­gen Fly­er bewirbt thyssenkrupp jetzt den eben­falls im End­aus­bau stark hoch­for­ma­ti­gen Test­turm. Unter dem Titel „Test­turm Rott­weil – Neue Hori­zon­te. Made by thyssenkrupp” steht da was von „Wahr­zei­chen des Fort­schritts”, „Besu­cher­ma­gnet für die Regi­on” und „Rott­weil – Stadt der Tür­me.” Es ist eine hübsch hand­li­che Bro­schü­re von einem Mega­pro­jekt – dem Test­turm für künf­ti­ge Auf­zugs­sys­te­me, der bereits Mit­te 2015 sei­ne end­gül­ti­ge Höhe erreicht haben, 246 Meter, und spä­tes­tens Anfang 2017 betriebs­be­reit sein soll.

Mit dem Turm wer­den 25 Inge­nieu­re erwar­tet, die in einer For­schungs­sta­ti­on das neue Auf­zugs­sys­tem Mul­ti zur Markt­rei­fe brin­gen sol­len. Die­se 25 gibt es schon, sie arbei­ten andern­orts an einem Mul­ti im Maß­stab 1:5, wobei Mul­ti das TKE-Sys­tem beschreibt, nach­dem meh­re­re Auf­zü­ge von­ein­an­der unab­hän­gig in einem Schacht betrie­ben wer­den sol­len, um so Platz und Ener­gie­kos­ten ein­zu­spa­ren, gegen­über heu­ti­gen Sys­te­men jeweils um die 50 Pro­zent.

Die­se Inge­nieu­re wol­len viel­leicht in Rott­weil woh­nen, even­tu­ell hier sogar bau­en, mut­maß­te am Mitt­woch schon der CDU-Stadt­rat Gün­ter Pos­selt. „Dann wer­den wir mal schau­en, dass wir das Bau­ge­biet Spi­tal­hö­he vor­an­brin­gen”, ver­sprach er augen­zwin­kernd.

Rott­weil will auch sonst bereit sein für den Turm. Hin­ter den Kulis­sen wer­de inten­siv an einem Ver­mark­tungs­kon­zept gear­bei­tet, erklär­te Bür­ger­meis­ter Wer­ner Guhl. Zustän­dig dafür ist Wirt­schafts­för­de­rer André Lom­sky. Er sag­te zu, in 14 Tagen ein ers­tes Kon­zept vor­zu­le­gen.

The­ma dar­in auch: die Bau­stel­len­ver­mark­tung. thyssenkrupp plant in Zusam­men­ar­beit mit der Stadt­ver­wal­tung, an der Bau­stel­le und aktu­ell das 30 Meter tie­fe Turm­loch – die ver­bots­wid­rig aber ganz ein­fach mit dem Auto erreich­bar ist – sozu­sa­gen tou­ris­tisch zu erschlie­ßen. Ein Info­punkt, meh­re­re Infor­ma­ti­ons­ta­feln, eine Besich­ti­gungs­platt­form, das sind die aktu­el­len Stich­wor­te. Alle im Hin­blick auch auf die Bau­stel­len­si­cher­heit. Doch hat sich zudem für den April die ers­te offi­zi­el­le Besu­cher­grup­pe ange­mel­det, hieß es.

Bildergalerie von der Testturmbaustelle: Bitte klicken Sie hier. Fotos: nrwz
Bil­der­ga­le­rie von der Test­turm­bau­stel­le: Bit­te kli­cken Sie hier. Fotos: nrwz

Der­weil hat­te thyssenkrupp ande­re Sor­gen bezie­hungs­wei­se an ande­ren Din­gen zu knab­bern: am Ori­gi­nal Rott­wei­ler Fel­sen. Die­ser erwies sich auf dem Ber­ner Feld als so wider­spens­tig, dass die Bau­stel­le im Zeit­plan drei Wochen in Ver­zug geriet, wie TKE-Pro­jekt­lei­ter Har­dy Stim­mer am Mitt­woch erklär­te. Doch der Fel­sen ist gebohrt, das Loch ist gegra­ben, das Fun­da­ment ist gegos­sen – allein dies eine zwei Meter dicke Beton­plat­te samt einer Umman­te­lung, in die 2000 Fels­na­deln ein­ge­las­sen sind, wel­che wie­der­um drei­ein­halb Meter in den Fels ragen -, der Turm­bau schrei­tet fort. Bald mit einer Geschwin­dig­keit von 3,6 Metern. Pro Tag. In die Höhe.

TKE hat es näm­lich eilig. „Wir sind im Wett­be­werbs­druck, wol­len unse­re Pro­duk­te so schnell wie mög­lich an den Markt brin­gen”, sag­te Euro­pa­chef Kel­ler.

Gewiss­heit in Sachen Stand­si­cher­heit hat TKE nun: Der Unter­grund auf dem Ber­ner Feld sei „abso­lut geeig­net, den Turm auf­zu­neh­men”, so der Pro­jekt­lei­ter wei­ter. Das sei das „aller­letz­te Risi­ko” sei­nes Pro­jekts gewe­sen, erklär­te er, allen geo­lo­gi­schen Unter­su­chun­gen im Vor­feld zum Trotz. Und allen aber­gläu­bi­schen Gedan­ken zum Trotz wur­de die essen­ti­el­le Fun­da­ments­plat­te an einem Frei­tag, dem 13. gegos­sen.

Recht offen ist eigent­lich nur noch die Fra­ge der Illu­mi­na­ti­on, der Beleuch­tung. Aktu­ell schwebt TKE ein Vor­hang aus sehr, sehr vie­len 3,5-Watt-LEDs vor, Leucht­di­oden, wie wir sie von Autos als Tag­fahr­licht ken­nen, fünf Watt gel­ten dort schon als hell leuch­tend. Die­se sol­len steu­er­bar sein, sodass Zonen unter­schied­li­cher Hel­lig­keit ent­ste­hen, so dass der Turm even­tu­ell auch etwa Tages­zei­ten anzei­gen könn­te, ließ Kel­ler einen Blick in sei­ne Tech­ni­ker­see­le zu. Aber da läuft die Aus­schrei­bung noch.

Klar ist dage­gen, wer den Turm baut: fast aus­schließ­lich loka­le und regio­na­le Unter­neh­men. Außer einer spa­ni­schen Toch­ter des Gene­ral­un­ter­neh­mers Züb­lin und einem öster­rei­chi­schen Spe­zia­lis­ten sind nur hie­si­ge Fir­men an dem Mega­pro­jekt betei­ligt.