Aufzugtestturm: ThyssenKrupp verspricht 30 neue Arbeitsplätze in Rottweil
Die Baustelle am Abend: ein Bild der Webcam auf dem Berner Feld. Foto: TKE

Aufzugtestturm: ThyssenKrupp verspricht 30 neue Arbeitsplätze in Rottweil

Rottweil (gg). Der Aufzugtestturm wird nicht nur unvorstellbar hoch und soll nicht nur beeindruckend beleuchtet werden – er bringt auch erstaunlich viele Arbeitsplätze. Das und einiges mehr wurde am Mittwoch bekannt.

Bislang waren seitens des Turmerbauers ThyssenKrupp Elevator (TKE) drei, vielleicht fünf Arbeitsplätze in Rottweil angekündigt. Am Mittwoch nun überraschte TKE-Europachef Alexander Keller mit dem Versprechen, dass auf dem Berner Feld eine Forschungs- und Entwicklungsstation für 25 Ingenieure und fünf Mitarbeiter entstehen würde. Unterdessen beeilt sich die Stadtverwaltung einerseits ein Marketingkonzept vorzubereiten und andererseits der zunehmenden Zahl von Baustellentouristen ein Angebot zu machen. Und ein Stadtrat sorgt sich schon um schicke Bauplätze für die ankommenden Wissenschaftler.

In einem stark hochformatigen Flyer bewirbt ThyssenKrupp jetzt den ebenfalls im Endausbau stark hochformatigen Testturm. Unter dem Titel “Testturm Rottweil – Neue Horizonte. Made by ThyssenKrupp” steht da was von “Wahrzeichen des Fortschritts”, “Besuchermagnet für die Region” und “Rottweil – Stadt der Türme.” Es ist eine hübsch handliche Broschüre von einem Megaprojekt – dem Testturm für künftige Aufzugssysteme, der bereits Mitte 2015 seine endgültige Höhe erreicht haben, 246 Meter, und spätestens Anfang 2017 betriebsbereit sein soll.

Mit dem Turm werden 25 Ingenieure erwartet, die in einer Forschungsstation das neue Aufzugssystem Multi zur Marktreife bringen sollen. Diese 25 gibt es schon, sie arbeiten andernorts an einem Multi im Maßstab 1:5, wobei Multi das TKE-System beschreibt, nachdem mehrere Aufzüge voneinander unabhängig in einem Schacht betrieben werden sollen, um so Platz und Energiekosten einzusparen, gegenüber heutigen Systemen jeweils um die 50 Prozent.

Diese Ingenieure wollen vielleicht in Rottweil wohnen, eventuell hier sogar bauen, mutmaßte am Mittwoch schon der CDU-Stadtrat Günter Posselt. “Dann werden wir mal schauen, dass wir das Baugebiet Spitalhöhe voranbringen”, versprach er augenzwinkernd.

Rottweil will auch sonst bereit sein für den Turm. Hinter den Kulissen werde intensiv an einem Vermarktungskonzept gearbeitet, erklärte Bürgermeister Werner Guhl. Zuständig dafür ist Wirtschaftsförderer André Lomsky. Er sagte zu, in 14 Tagen ein erstes Konzept vorzulegen.

Thema darin auch: die Baustellenvermarktung. ThyssenKrupp plant in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung, an der Baustelle und aktuell das 30 Meter tiefe Turmloch – die verbotswidrig aber ganz einfach mit dem Auto erreichbar ist – sozusagen touristisch zu erschließen. Ein Infopunkt, mehrere Informationstafeln, eine Besichtigungsplattform, das sind die aktuellen Stichworte. Alle im Hinblick auch auf die Baustellensicherheit. Doch hat sich zudem für den April die erste offizielle Besuchergruppe angemeldet, hieß es.

Bildergalerie von der Testturmbaustelle: Bitte klicken Sie hier. Fotos: nrwz
Bildergalerie von der Testturmbaustelle: Bitte klicken Sie hier. Fotos: nrwz

Derweil hatte ThyssenKrupp andere Sorgen beziehungsweise an anderen Dingen zu knabbern: am Original Rottweiler Felsen. Dieser erwies sich auf dem Berner Feld als so widerspenstig, dass die Baustelle im Zeitplan drei Wochen in Verzug geriet, wie TKE-Projektleiter Hardy Stimmer am Mittwoch erklärte. Doch der Felsen ist gebohrt, das Loch ist gegraben, das Fundament ist gegossen – allein dies eine zwei Meter dicke Betonplatte samt einer Ummantelung, in die 2000 Felsnadeln eingelassen sind, welche wiederum dreieinhalb Meter in den Fels ragen -, der Turmbau schreitet fort. Bald mit einer Geschwindigkeit von 3,6 Metern. Pro Tag. In die Höhe.

TKE hat es nämlich eilig. “Wir sind im Wettbewerbsdruck, wollen unsere Produkte so schnell wie möglich an den Markt bringen”, sagte Europachef Keller.

Gewissheit in Sachen Standsicherheit hat TKE nun: Der Untergrund auf dem Berner Feld sei “absolut geeignet, den Turm aufzunehmen”, so der Projektleiter weiter. Das sei das “allerletzte Risiko” seines Projekts gewesen, erklärte er, allen geologischen Untersuchungen im Vorfeld zum Trotz. Und allen abergläubischen Gedanken zum Trotz wurde die essentielle Fundamentsplatte an einem Freitag, dem 13. gegossen.

Recht offen ist eigentlich nur noch die Frage der Illumination, der Beleuchtung. Aktuell schwebt TKE ein Vorhang aus sehr, sehr vielen 3,5-Watt-LEDs vor, Leuchtdioden, wie wir sie von Autos als Tagfahrlicht kennen, fünf Watt gelten dort schon als hell leuchtend. Diese sollen steuerbar sein, sodass Zonen unterschiedlicher Helligkeit entstehen, so dass der Turm eventuell auch etwa Tageszeiten anzeigen könnte, ließ Keller einen Blick in seine Technikerseele zu. Aber da läuft die Ausschreibung noch.

Klar ist dagegen, wer den Turm baut: fast ausschließlich lokale und regionale Unternehmen. Außer einer spanischen Tochter des Generalunternehmers Züblin und einem österreichischen Spezialisten sind nur hiesige Firmen an dem Megaprojekt beteiligt.

Seite 1 / 1
Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 25. Februar 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/rottweil/aufzugtestturm-thyssenkrupp-verspricht-30-neue-arbeitsplaetze-in-rottweil/83746