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Rottweil
Donnerstag, 12. Dezember 2019
Start Rott­weil Aus­stel­lung: Die Armut vor der Haus­tür

Ausstellung: Die Armut vor der Haustür

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ROTTWEIL – „Gemein­sam gegen Armut und sozia­le Aus­gren­zung“: unter die­sem Mot­to steht die Aus­stel­lung zum The­ma Armut im alten Rat­haus Rott­weil. Orga­ni­siert wur­de die Aus­stel­lung von der Liga der frei­en Wohl­fahrt, dem Zusam­men­schluss der Trä­ger der frei­en Wohl­fahrt im Land­kreis Rott­weil. Bei der Eröff­nung sprach auch die Lan­des­vor­sit­zen­de der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge, Ursel Wolf­gramm, als Gast­red­ne­rin.

Etwa hun­dert Zuhö­rer dräng­ten sich auf dem Flur vor dem his­to­ri­schen Rats­saal, als das Gitar­ren­en­sem­ble der Musik­schu­le Rott­weil den Abend stim­mungs­voll eröff­ne­te. Arved Sass­nick, ers­ter ehren­amt­li­cher Stell­ver­tre­ter, sprang kurz­fris­tig für den ver­hin­der­ten Ober­bür­ger­meis­ter Broß ein, der die Begrü­ßung ger­ne per­sön­lich über­nom­men hät­te. Sass­nick mach­te deut­lich, dass Armut auch in einem rei­chen Land wie Deutsch­land vie­le Men­schen betrifft.

Tamer Öte­les, Vor­sit­zen­der der Liga der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge im Land­kreis Rott­weil, zeig­te sich auch per­sön­lich von der The­ma­tik betrof­fen. Als Ver­tre­ter der Gast­ar­bei­ter­fa­mi­li­en in zwei­ter Genera­ti­on und jüngs­tes von sie­ben Kin­dern sei er in beschei­de­nen Ver­hält­nis­sen auf­ge­wach­sen, habe sich jedoch in einer „funk­tio­nie­ren­den Fami­lie vol­ler Hoff­nung, Zuver­sicht und Lie­be“ nie als arm emp­fun­den. Dies auch durch eine Gemein­schaft, die die Fami­lie auf­ge­nom­men, ihr Per­spek­ti­ven gebo­ten und Chan­cen ermög­licht habe. Öte­les sah auch in einer rei­chen Regi­on wie Rott­weil Anzei­chen sozia­ler Spal­tung und for­der­te dazu auf, die Armuts­pro­ble­ma­tik struk­tu­rell zu betrach­ten, mit den poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen in Dia­log zu tre­ten und sich für gesetz­li­che Rah­men­be­din­gun­gen im Sin­ne von Teil­ha­be und grö­ße­rer Chan­cen­gleich­heit ein­zu­set­zen.

Sozi­al­de­zer­nent Bernd Hamann über­brach­te die Grü­ße des Land­krei­ses. Er sei sehr zufrie­den mit der guten Zusam­men­ar­beit von Liga, Sozi­al­de­zer­nat, Kir­chen und ande­ren Insti­tu­tio­nen bei der Bekämp­fung der Armut im Land­kreis. Hamann beklag­te die unglei­che Ver­tei­lung des Reich­tums in Deutsch­land, die unter ande­rem an hohen Vor­stands­ge­häl­tern und hor­ren­den Ablö­se­sum­men für Fuß­bal­ler sicht­bar wer­de. Ihn per­sön­lich wür­den die Viel­zahl an prot­zi­gen Gelän­de­wa­gen und ande­re Anzei­chen eines über­trie­be­nen Reich­tums nach­denk­lich stim­men.

Ursel Wolf­gramm, Vor­sit­zen­de der Liga der frei­en Wohl­fahrt in Baden-Wür­t­­te­m­berg und des Pari­tä­ti­schen Lan­des­ver­bands, beton­te, dass Armut nicht nur in struk­tur­schwa­chen Regio­nen und Län­dern, son­dern eben auch vor der Haus­tür zu fin­den sei. Sie dank­te der Kreis­li­ga für die Initi­ie­rung der Aus­stel­lung, die auf die sozia­len Pro­ble­me in der Regi­on auf­merk­sam mache. In Baden-Wür­t­­te­m­berg ver­füg­ten 1,6 Mil­lio­nen Men­schen über weni­ger als 60 Pro­zent des Durch­schnitts­ein­kom­mens. Ins­be­son­de­re Erwerbs­lo­se sei­en betrof­fen. Die drei Fak­to­ren Bil­dung, Arbeit und Woh­nen sei­en bei der Ent­ste­hung wie bei der Bekämp­fung von Armut ent­schei­dend. Die Liga der frei­en Wohl­fahrt set­ze sich auf poli­ti­scher Ebe­ne für Ver­bes­se­run­gen in die­sen Berei­chen ein, mit dem Ziel, die zuneh­men­de Spal­tung der Gesell­schaft zu bekämp­fen und von Armut betrof­fe­nen Men­schen zu Teil­ha­be und bes­se­ren Chan­cen zu ver­hel­fen.

Die Aus­stel­lung „Gemein­sam gehen Armut und sozia­le Aus­gren­zung“ ist noch bis zum 8. Novem­ber im Trep­pen­haus des alten Rat­hau­ses zu sehen. Frei­tag, 18. Okto­ber, fin­det eine Stadt­füh­rung durch Moni­ka Haun­stet­ter und Mar­got Groß zum The­ma „Umgang mit Armen oder von Armut bedroh­ten Men­schen frü­her und heu­te“ statt. Start ist um 13 Uhr an der Tou­rist­info.

 

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