Diese Lampe, die angeblich aus dem ehemaligen Betsaal der Juden in Rottweil stammt, überdauerte im dunklen Fundus des Stadtmuseums damit die Erinnerung an die zweite Jüdische Gemeinde von Rottweil nicht erlöscht. Foto: Stadtarchiv Rottweil

ROTTWEIL – Im kom­men­den Herbst jährt es sich zum acht­zigs­ten Mal, dass in Deutsch­land vie­le Syn­ago­gen in Flam­men auf­gin­gen. Der Ver­ein „Ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil “ möch­te im Vor­feld die­ses Gedenk­ta­ges mit der Aus­stel­lung „Vom Schutz­ju­den zum Rott­wei­ler Bür­ger; Ent­ste­hung – Ent­wick­lung – Ver­nich­tung der zwei­ten Jüdi­schen Gemein­de in Rott­weil 1798 – 1938“ über jüdi­sches Leben in Rott­weil infor­mie­ren. Am Don­ners­tag, 14. Juni wird die­se stadt­his­to­risch auf­schluss­rei­che Aus­stel­lung um 18 Uhr vom Lei­ter des Kul­tur­am­tes Mar­co Schaf­fert im alten Rat­haus eröff­net wer­den. 

Die His­to­ri­ke­rin und zwei­te Vor­sit­zen­de des Ver­ei­nes, Gise­la Rom­ing, erar­bei­te­te eine Kon­zep­ti­on, die einen infor­ma­ti­ven Bogen spannt vom Zuzug jüdi­scher Händ­ler und Kauf­leu­te aus den alten Juden­ge­mein­den am obe­ren Necker, der durch die sich ver­än­dern­den poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen nach dem Über­gang der Reichs­stadt an Würt­tem­berg im Jahr 1802 begüns­tigt wur­de, dem lang­wie­ri­gen Pro­zess vom lan­des­herr­li­chen Schutz­ju­den zum gleich­be­rech­tig­ten Stadt­bür­ger, der sich ganz selbst­ver­ständ­lich in Ver­ei­nen ein­brach­te und sein Leben im ers­ten Welt­krieg ließ, sowie dem abrup­ten Sin­nes­wan­del, der sich nach 1933 auch in Rott­weil zeig­te. Damit ging die neu­er­li­che Aus­gren­zung aus Wirt­schaft und Gesell­schaft ein­her, die in der Aus­lö­schung der jüdi­schen Gemein­de und der gewalt­sa­men Zer­stö­rung der Aus­stat­tung des Bet­saals mün­de­te.

In Bil­dern, Tex­ten und Instal­la­tio­nen nimmt die Aus­stel­lung die Besu­cher mit auf eine Zeit­rei­se, die unter ande­rem auf­zeigt, dass auch der Erhalt der Stadt Rott­weil zur Zeit der Koali­ti­ons­krie­ge mit Frank­reich der zwei­ten Jüdi­schen Gemein­de und beson­ders Moses Kaz zu ver­dan­ken ist. Bei ihren For­schun­gen in den unter­schied­li­chen Archi­ven stieß Gise­la Rom­ing immer wie­der auf neue und span­nen­de Erkennt­nis­se, die nun in die­se Prä­sen­ta­ti­on ein­flie­ßen.