Blick auf Rottweil vom TK-Turm aus. Auch diesen wollen die 59er beim Fest genießen. Foto: wede

ROTTWEIL – Wie sieht in der Zukunft die Mobi­li­tät in Rott­weil aus? Ers­te Gedan­ken mach­te sich das Bür­ger­fo­rum im klei­nen Kreis. Eine völ­lig auto­freie Innen­stadt sehen die Teil­neh­mer als eines der Zie­le an. Eine öffent­li­che Ver­an­stal­tung zum The­ma ist am 11. Juni.

Zukünf­ti­ge Mobi­li­tät müs­se heu­te schon gedacht und in die Wege gelei­tet wer­den, um attrak­ti­ve Mög­lich­kei­ten zum Woh­nen und Leben in der ältes­ten Stadt Baden-Würt­tem­bergs auf­wei­sen zu kön­nen, stellt das Bür­ger­fo­rum in einem Arbeits­pa­pier fest. Gera­de die von der Ver­gan­gen­heit noch in ihren Grund­struk­tu­ren gut erhal­te­nen Innen­städ­te wie in Rott­weil, die durch ihre eini­ger­ma­ßen erhal­te­ne Stadt­mau­er begrenzt und mit engen Gas­sen bei gleich­zei­tig sehr gerin­gem Auto-Park­raum aus­ge­stat­tet sind, bedürf­ten neu­er Mobi­li­täts-Kon­zep­te.

Auch für die unmit­tel­ba­re Ver­knüp­fung der Stadt mit der länd­li­chen Struk­tur und der damit länd­lich ange­sie­del­ten Bevöl­ke­rung, die Groß­teils von den Arbeits- und Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten in der Stadt abhän­gen, müs­se die not­wen­di­ge Anbin­dung durch inter­mo­du­la­re Sys­te­me zwi­schen ÖPNV, Ener­gie­ver­sor­ger, Stadt und Wirt­schaft erfol­gen. Die Haupt­mo­ti­ve wie Lebens­qua­li­tät, Umwelt­schutz, Wirt­schafts­sti­mu­lanz und ja auch Image­stei­ge­rung könn­ten durch die Bewäl­ti­gung der öko­lo­gi­schen und ver­kehrs­be­zo­ge­nen Her­aus­for­de­run­gen her­vor­ra­gend befrie­digt wer­den. 

Die Arbeits­grup­pe rech­net damit, dass in etwa zehn Jah­ren eine völ­lig ver­än­der­te Zusam­men­set­zung der mobi­len Aggre­gats­for­men besteht: Der Ver­bren­nungs­mo­tor wer­de deut­lich zurück­ge­hen und in zehn bis 15 Jah­ren für die pri­va­te Mobi­li­tät nicht mehr gebaut wer­den. Die Elek­tro-Mobi­li­tät wer­de deut­lich zuneh­men, „ver­mut­lich mit hohem Anteil der Brenn­stoff­zel­le“, da die Infra­struk­tur (Tank­stel­len­netz) mit wei­ter­hin gerin­ger Betan­kungs­zeit dafür genutzt wer­den kann.

Gleich­zei­tig wer­de das auto­no­me Fah­ren mög­lich sein, wenn viel­leicht auch noch mit manu­el­ler Zugriffs­be­din­gung. Indi­vi­du­el­les Besit­zen eines Autos ver­lie­re den Anreiz: Per Smart­pho­ne kön­ne ein Fahr­zeug sofort für hier nach dort bestellt wer­den – „Auto­fah­ren on Demand“. Der hohe Wert­ver­lust und die jähr­li­chen Betriebs­kos­ten für das Pri­vat­fahr­zeug ent­fie­len. „Damit wer­den wesent­lich weni­ger Fahr­zeu­ge auf der Stra­ße vor­han­den und damit auch weni­ger Garagen/Parkraum not­wen­dig sein“, spe­ku­liert die Grup­pe.

Und das sind nach Ansicht der Teil­neh­mer die Mög­lich­kei­ten:

- Auto­freie Innen­stadt, auch für Bus­se – dafür Park­flä­chen außer­halb der Kern­stadt zum Umstei­gen auf Fuß-Mobi­li­tät und indi­vi­du­el­le E-Mobi­le wie E-Bus und E-Bike;

- Bus-Ver­kehr emis­si­ons­frei und auto­nom;

- E-Bus (mit­tel­in­di­vi­du­el­le Mobi­li­tät vier bis acht Per­so­nen mit Lade­mög­lich­kei­ten für Ein­kauf); vor­erst halb­au­to­no­mes Fah­ren für die Innen­stadt;

- Bike-Attrak­ti­vi­tät erhö­hen (Fahr­we­ge, Abstell­flä­che);

- E-Bikes (mit Ein­kaufs-Anhän­ger) zum Mie­ten;

- Fuß-Mobi­li­tät attrak­tiv gestal­ten (kur­ze Wege, Bum­melat­trak­ti­vi­tät, Depots für Ein­kaufs­tü­ten);

- „Carsharing“-Modelle durch Betrei­ber­fir­ma wie ENRW) schaf­fen;

- Ver­mie­tung von Elek­tro­fahr­zeu­gen an pri­va­te und gewerb­li­che Nut­zer zum Ein­kauf, Belie­fe­rung;

- E-Lad­ein­fra­struk­tur aus­bau­en und betrei­ben durch die ENRW in Zusam­men­ar­beit mit gewerb­li­chen Unter­neh­men;

- gege­be­nen­falls städ­te­bau­li­che Vor­schrif­ten für Innen­stadt und neue Bau­ge­bie­te ändern;

- För­der­pro­gram­me als Anreiz­sys­te­me ent­wi­ckeln.

Die Chan­cen dar­aus sind hohe Lebens­qua­li­tät durch gute Luft­qua­li­tät und weni­ger Lärm, hohe Attrak­ti­vi­tät für Ein­zel­han­del, ent­spann­tes Ein­kau­fen, ruhi­ges Woh­nen, Stauf­rei­heit in der Innen­stadt, Unfall­re­du­zie­rung, Ein­spa­rung von Auto-Park­räu­men, Ein­spa­rung für Stra­ßen­er­neue­rung und –unter­hal­tung.

Als Umset­zungs-Mög­lich­kei­ten sieht die Grup­pe die Schaf­fung oder Nut­zung gro­ßer Park­platz­flä­chen an der Peri­phe­rie Rott­weils zwecks Auto­par­ken von Gäs­ten außer­halb mit Umstieg auf Shut­tle­bus­se oder Leih-E-Bikes. Im Nor­den Obern­dor­fer Straße/Hegneberg, im Osten die alte B 27 auf den still­ge­leg­ten zwei Fahr­spur­strei­fen mit schrä­gen Park­flä­chen, im Süden die Sali­ne bei den Ein­kaufs­märk­ten, im Wes­ten das Schul­zen­trum / Rich­tung Hau­sen.

Anwe­send war ein bewusst klei­ner Kreis: Von der Stadt­ver­wal­tung Peter Jung-Teltschik und Her­bert Wal­ter, von der Loka­len Agen­da Jut­ta Stef­fens, von Rad­Kul­tur Ste­fan Mauch sowie Vor­stands- und Bei­rats-Mit­glie­der des Bür­ger­fo­rums.

Die nächs­te öffent­li­che Ver­an­stal­tung des Bür­ger­fo­rums ist ein öffent­li­ches Forums­ge­spräch zum The­ma „zukünf­ti­ge Mobi­li­tät in Rott­weil“ am Mon­tag, 11. Juni, 19 Uhr im Musik­pa­vil­lon der Kon­rad-Witz-Schu­le mit Dr. Flo­ri­an Herr­mann, Insti­tuts­di­rek­tor und Lei­ter For­schungs­be­reich Mobi­li­täts- und Inno­va­tions-Sys­te­me, Fraun­ho­fer IAO.