Die Rottweiler Gruppe vor dem Skaio, dem höchsten Holzhaus Deutschlands, das auf der Buga gebaut wurde und bereits bezogen ist. Foto: pm

ROTTWEIL – Ihre all­jähr­li­che Ener­gie­fahrt führ­te die „Bür­ger­initia­ti­ve für eine Welt ohne ato­ma­re Bedro­hung“ in die­sem Jahr zur Bun­des­gar­ten­schau (BUGA) nach Heil­bronn, wo sie bei einer aus­ge­zeich­ne­ten Füh­rung viel Wis­sens­wer­tes zu Natur­gär­ten, aber auch zu Ver­kehr, Ener­gie, Bau­en und Woh­nen erfuh­ren. Die BUGA 2019 zeigt sich auf viel­fäl­ti­ge Wei­se als Zukunfts­ge­stal­ter und Ide­en­ge­ber. Neben einer Fül­le von Bei­spie­len für natur­na­hes Grün in der Stadt bie­tet Heil­bronn mit sei­nem neu­en Stadt­quar­tier „Neckar­bo­gen“ erst­mals auch zukunfts­wei­sen­de Impul­se und kon­kre­te Lösun­gen für eine nach­hal­ti­ge Stadt­ent­wick­lung.

Seit 1951 gibt es im zwei­jähr­li­chen Rhyth­mus die BUG­As. Die Zie­le haben sich in die­sen 68 Jah­ren deut­lich ver­än­dert. Ging es in der Nach­kriegs­zeit um den Wie­der­auf­bau des zer­stör­ten Stadt­grüns, so lie­gen die Auf­ga­ben heu­te in der Schaf­fung von Kli­ma­schnei­sen und öko­lo­gi­schen Rena­tu­rie­rungs­maß­nah­men, der Flä­chen­ent­sie­ge­lung bis hin zur kom­ple­xen Ent­wick­lung von Stadt­quar­tie­ren. Die Bedeu­tung der grü­nen Infra­struk­tur nimmt in den Städ­ten immer mehr zu.

Dort wo am Neckar 100 Jah­re lan­ge ein Güter­um­schla­ge­platz war, ist in Heil­bronn ein neu­es Stadt­quar­tier mit nach­hal­ti­gen Visio­nen ent­stan­den, in dem Bewoh­ner und Besu­cher Natur direkt vor der Haus­tür erle­ben kön­nen. Eine stark befah­re­ne Bun­destra­ße wur­de ver­legt, so dass das Neckar­ufer frei wur­de und der Fluss in die Stadt zurück­ge­holt wer­den konn­te. Durch die Rena­tu­rie­rung ist der Neckar jetzt für Men­schen und Tie­re erleb­bar und Lebens­raum gewor­den. Auf der frü­he­ren Indus­trie­bra­che gibt es nun mit­ten in der Stadt viel neu­es Grün auf Wie­sen und Dächern, ver­ti­kal in Unter­füh­run­gen und als grü­ne Sicht- und Lärm­schutz­mau­ern und damit für alle eine deut­lich bes­se­rer Luft.

Hei­mi­sche Pflan­zen und natür­li­che Mate­ria­li­en haben über­all Vor­rang. An vie­len Bei­spie­len wird gezeigt, wie man öffent­li­ches Grün und jeden pri­va­ten Gar­ten zu einem Natur­gar­ten umge­stal­ten kann. So erfuh­ren die Teil­neh­mer bei ihrer Füh­rung, dass ein ein­zi­ger Weiß­dorn­strauch bis zu 160 Insek­ten­ar­ten ernäh­ren kann, die aus Chi­na stam­men­de For­sy­thie dage­gen fast kei­ne. „Die hei­mi­schen Pflan­zen und Tie­re pas­sen zusam­men wie der Schlüs­sel zum Schloss“, ent­spre­chend wich­tig war dem Füh­rer der Appell nach mehr hei­mi­schen Pflan­zen.

Auch beim Woh­nungs­bau des neu­en Quar­tiers „Neckar­bo­gen“ ste­hen Nach­hal­tig­keit und Öko­lo­gie ganz vorn. 2016 war der ers­te Spa­ten­stich, heu­te ste­hen hier 22 neue Häu­ser plus eine Jugend­her­ber­ge. Bis 2030 sol­len hier 3.500 Men­schen leben. Die Abkehr vom auto­be­zo­ge­nen Pla­nen war für die Stadt­ent­wick­ler die Grund­vor­aus­set­zung für das zukunfts­wei­sen­de Woh­nen und Arbei­ten mit­ten in der Stadt. Fahr­rad, brei­te Fuß­we­ge, öffent­li­cher Nah­ver­kehr bil­den nun im Neckar­bo­gen die ver­nünf­ti­ge Alter­na­ti­ve. Nur die­je­ni­gen Wett­be­werbs­ge­bäu­de, die im Blick auf Öko­lo­gie, Nach­hal­tig­keit und hohem Wohn­wert über­zeug­ten, beka­men vom Preis­ge­richt den Zuschlag. Jeder Archi­tekt durf­te maxi­mal zwei Häu­ser pla­nen, das Ziel der stadt­ei­ge­nen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft war Viel­falt statt Mono­to­nie.

Ent­stan­den sind dar­aus völ­lig unter­schied­li­che Gebäu­de mit inno­va­ti­ven Bau­stof­fen und bio­ni­schen Struk­tu­ren, die inter­es­sier­te Besu­cher wie Archi­tek­ten begeis­tern: Nied­rig­ener­gie­häu­ser, Häu­ser mit Leicht­be­ton, Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser, inklu­si­ve Arbeits­plät­ze, Dach­ter­ras­sen für die Haus­ge­mein­schaft, … 40 Pro­zent der Miet­woh­nun­gen sind öffent­lich geför­der­te Woh­nun­gen, die Nach­fra­ge ist rie­sig. Mehr als die Hälf­te der Häu­ser ist in Holz­bau­wei­se gebaut. „In Zei­ten der Erd­er­wär­mung bekommt das kli­ma­neu­tra­le Holz eine ganz beson­de­re Bedeu­tung. Holz ist hier der meist ver­wen­de­te Bau­stoff “, beton­te der Füh­rer.

Nach­wach­sen­der Roh­stoff aus der Regi­on, gute Däm­mung, ide­al zur Vor­fer­ti­gung, gutes Wohnklima…für den fach­kun­di­gen Füh­rer hat der Bau­stoff kla­re Vor­tei­le. „Skaio“ ist das wort­wört­li­che „High­light“- mit 34 Metern und zehn Geschos­sen das bis­her höchs­te Holz­hoch­haus in Deutsch­land. Doch ande­re Städ­te zie­hen bereits nach, wie der Füh­rer berich­te­te: Pforz­heim, Ber­lin, Ham­burg, Wien, Ams­ter­dam. Das Land Baden-Würt­tem­berg unter­stützt die­se Ent­wick­lung und will mit einer Holz­bau­of­fen­si­ve den Holz­bau vor­an brin­gen.

Ob nach­hal­ti­ger Wohn­bau mit hohen Wohn­wert oder natur­na­he Gär­ten, die BUGA lie­fer­te eine Fül­le von Ide­en, die sich die Rott­wei­ler Grup­pe bei der abschlie­ßen­den Dis­kus­si­on in Rott­weil auch sehr gut und ger­ne vor­stel­len kann.