Bedürftige und Ehrenamtliche allein gelassen

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In einer Stellungnahme zum Insolvenzantrag des Freundeskreises Asyl findet das Forum für Rottweil deutliche Worte.

“Wir (Forum für Rottweil (FFR) sind entsetzt, dass der Freundeskreis Asyl gezwungen ist, sich aufzulösen in einer Zeit, in der zahlreiche geflüchtete Menschen bei uns in Rottweil fachlich geschulte und ehrenamtlich hochengagierte Unterstützung benötigen. Das interkulturelle Zentrum im Hasen bot bisher Menschen auf der Flucht ein offenes Haus mit zahlreichen leicht zugänglichen Angeboten: Beratung in Dingen, die die Bewältigung des Lebensalltags betreffen, aber auch Rechtsberatung, menschliche Nähe, die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen oder am Computer eine E-Mail oder Bewerbung zu schreiben.

Der Hasen mit seinen hauptamtlichen Fachkräften und den Ehrenamtlichen war ein Lernort für das Leben in einer für viele neuen Kultur. Die dort Tätigen haben viele Krisensituationen gemeistert: Wenn Menschen verzweifelt waren, von häuslicher Gewalt betroffen oder einfach überraschend erkrankten, standen sie  – auch außerhalb klassischer Bürozeiten – mit tatkräftiger Unterstützung bereit.  Der Bund trocknet diese niederschwelligen Beratungsstrukturen mehr und mehr aus, Landkreis und Stadt fühlen sich für diese Art der Beratung nicht zuständig, das schockiert uns. Wir lassen hier Menschen im Regen stehen, die unkomplizierte Hilfe und fachlich fundierten Rat benötigen,  denen wir die Integration in  unsere Gesellschaft unter Umständen verwehren oder erschweren. Und wir stoßen viele ehrenamtlich Aktive vor den Kopf, die sich in Rottweil seit Jahren, ja Jahrzehnten um Flüchtlinge aus aller Welt gekümmert, ihnen Sprache und Lebenskompetenzen in Deutschland vermittelt und rechtliche und soziale Unterstützung haben zukommen lassen. Sie müssen nun sehen, dass diese Menschen von staatlicher Seite immer weniger Unterstützung erfahren.

Die AWO bietet für Erwachsene gar keine Migrationsberatung mehr im Landkreis, die Caritas nur noch auf einer halben Stelle. Wir finden, dass eine niederschwellige Beratungsstelle wie der FK Asyl sie bot, zur Daseinsvorsorge gehört – schließlich wollen wir für alle Menschen, besonders die Schwächeren, gleichermaßen einstehen. Landkreis und Stadt sollten sich überlegen, wie sie mit dieser Leerstelle umgehen und nach einer gemeinsamen Lösung suchen”, heißt es in der Pressemitteilung des Forums für Rottweil.

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