Christoph Frank vom Freundeskreis Asyl (rechts) dankte Jörg Gronmayer, Max Burger und Ursula Schullerus (v.l.) für ihr Engagement für die neue Begegnungsstätte im ehemaligen Gasthaus Hasen. Foto: Moni Marcel

ROTTWEIL – Die neue Begeg­nungs­stät­te im ehe­ma­li­gen Gast­haus Hasen wur­de am Frei­tag­abend eröff­net. Von den Ehren­amt­li­chen des Freun­des­kreis Asyl auf­wän­dig reno­viert, gibt es hier nun Platz für zahl­rei­che Ange­bo­te, von Hand­ar­beits­treffs über Haus­auf­ga­ben­be­treu­ung bis zu Sprach­kur­sen und Bera­tungs­an­ge­bo­ten.

Zur Eröff­nung war Man­fred Kie­wald gela­den, der Psy­cho­lo­ge arbei­tet für den Ver­ein Refu­gio in Vil­lin­gen und hilft trau­ma­ti­sier­ten Flücht­lin­gen. Er berich­te­te von Kin­dern, die nicht mehr schla­fen kön­nen, von Men­schen, die unter star­ken Kopf­schmer­zen und Atem­not bis hin zu dem Gefühl, erwürgt zu wer­den, lei­den. Fol­gen von schreck­li­chen Erfah­run­gen im Her­kunfts­land und auf der Flucht, vie­le jun­ge Män­ner sei­en geflo­hen, weil sie nicht für die IS kämp­fen woll­ten und des­halb selbst oder ihre Fami­li­en mit dem Tod bedroht wur­den.

Erzähl­te von Wegen durch die Saha­ra, bei der ande­re Flüch­ten­de ver­durs­te­ten oder von den Schlep­pern ein­fach erschos­sen wur­den, von Gefäng­nis­sen in Liby­en, von Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Miß­brauch. Und von teils mise­ra­blen Wohn­be­din­gen in Deutsch­land, „ich hab mich oft gewun­dert, wie gut sie das weg­ste­cken!” Aber auch Behör­den­will­kür, von weg­ge­bro­che­nen sozia­len Bin­dun­gen, feh­len­dem Selbst­wert­ge­fühl und Lebens­wil­len, so höre er oft, „mei­ne Fami­lie ist tot, war­um soll ich leben?” oder „Ich bin nichts mehr!” Aber auch gro­ße Ein­sam­keit mache den Men­schen zu schaf­fen.

Mit Psy­cho­the­ra­pie kön­ne man den Men­schen gut hel­fen, so Kie­wald, und das sei sofort nötig, nicht erst, wenn der Asyl­an­trag bewil­ligt sei. „Sonst besteht die Gefahr wei­te­rer Stö­run­gen!” Er erle­be bei die­sen Men­schen eine hohe Bereit­schaft, sich zu inte­grie­ren, gro­ße Dank­bar­keit und reli­giö­se Tole­ranz. Und ein­fach nur den Wunsch, end­lich in Frie­den leben zu kön­nen.

Chris­toph Frank vom Freun­des­kreis dank­te anschlie­ßend Ursu­la Schul­le­rus, Max Bur­ger und Jörg Gron­may­er für ihren gro­ßen Ein­satz für die neue Begeg­nungs­stät­te, aber auch der Fami­lie Bles­sing, der die ehe­ma­li­ge Gast­stät­te gehört und die das Pro­jekt sehr unter­stüt­zen. Und eröff­ne­te dann das Buf­fet mit Lecke­rei­en von Flücht­lings­frau­en aus Syri­en, Afgha­ni­stan und dem Irak. Gefei­ert wur­de auch am Sonn­tag unter ande­rem mit Ein­la­gen von Chris­toph Franks Zau­ber­büh­ne und vie­len guten Begeg­nun­gen und Gesprä­chen.