Bei der Rede der Turmgegnerin: Nur ein Bruchteil der Zuhörer

Rottweil/Bochum. Den Auftritt der Turmgegnerin im Rahmen der Aktionärsversammlung von ThyssenKrupp haben weit weniger Zuhörer verfolgt, als gemeldet. 3000 Menschen seien da laut „Schwarzwälder Bote“ noch im Ruhrcongress  Bochum gesessen, als Ute Bott ans Mikrofon trat. Damit hätten ihrer Rede so viele Menschen gelauscht wie auch jener des Vorstandsvorsitzenden. Weit gefehlt, wie die NRWZ nun von ThyssenKrupp erfuhr. Die tatsächliche Zuschauerzahl war weit geringer.

Turmgegnerin Ute Bott bei der Thyssenkrupp-Hauptversammlung. Foto: privat
Teils leere Ränge: Turmgegnerin Ute Bott bei der Thyssenkrupp-Hauptversammlung. Foto: privat

Die NRWZ hatte es gleich angezweifelt, dass sich allzu viele Zuschauer noch die Rede von Ute Bott angehört hätten, in der sie sich gegen den Aufzugstestturm ausspricht, der bei Rottweil entsteht. Deshalb titelte die NRWZ: „Ute Bott liest ThyssenKrupp die Leviten – vor teils leeren Rängen.“ Eigentlich bewies das schon ein von Bott den örtlichen Redaktionen geliefertes Foto, das einige leere Stühle in den ersten Zuschauerreihen zeigt.

Das gab dann schnell einen Anruf einer aufgebrachten Ute Bott. „Die Ränge waren nicht leer, da waren viele Menschen noch da, etwa 2000 bis 3000“, erklärte sie erbost. Die NRWZ solle das bitte schreiben, sonst würde ein Leserbrief von ihr kommen, der das richtig stelle.

Wir entschieden uns für die niedrigere Zahl, für 2000 Zuhörer. Die Sache hatte damit zunächst ihr Bewenden.

Doch weil die Tageszeitung tags darauf mit „3000 Zuhörer“ titelte und von 2000 bis 3000 Zuhörern schrieb, weil das angesichts sichtbar leerer Ränge nicht sein konnte, weil Bott zudem um die Mittagszeit redete, zu der die Menschen lieber ans Buffet strömen als in der Halle auszuharren, hat die NRWZ nachgehakt. Und siehe da: Der Rede der Turmgegnerin folgten weit weniger Zuhörer, als gemeldet.

Auf Nachfrage der NRWZ spricht ein ThyssenKrupp-Unternehmenssprecher Klartext: „Normalerweise sind die 2000 bis 3000 Aktionäre während der Rede von Herrn Dr Hiesinger (dem Vorstandsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG, Anm. der Red.)  anfangs mit im Saal. Erfahrungsgemäß werden auch noch die ersten drei Fragen verfolgt. Gegen Mittag leert sich der Saal merklich.“ Dann noch 3000 im Rund? Nie und nimmer.

Der TK-Sprecher weiter: „Da Frau Bott etwa gegen 14 Uhr sprach, vermute ich so um die 200 bis 300 Zuschauer.“ 

Größtenteils leer: die Zuschauerbänke bei der Rede der Gegnerin des bei Rottweil geplanten Aufzugstestturms, Ute Bott . Foto: TK
Kameras zeigen die leeren Sitze. Foto: TK

Der TK-Mann liefert ein Bild dazu, das im Regieraum der Halle aufgenommen worden ist und verschiedene Kameraeinstellungen zeigt. Es zeigt im Hintergrund den größtenteils leeren Zuhörersaal, auch einzelne Kamerabilder, „Gesa1“ und „Totale6“ zeigen die leeren Stühle.

Damit sind der Rede der Turmgegnerin nur ein Bruchteil der gemeldeten Zuhörer gefolgt.

Für Verwirrung haben zudem die folgenden Sätze Botts zu Beginn ihrer Rede gesorgt: „Mein Name ist Ute Bott. Ich spreche hier in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der kritischen Aktionäre für alle Bürger aus und um Rottweil, der ältesten Stadt Baden-Württembergs, die sich wie ich gegen den geplanten Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge von Thyssenkrupp wenden.“ Viele haben hier einfach gelesen: „Ich spreche … für alle Bürger aus und um Rottweil.“ Dass der komplizierte Satz noch weiter ging und Bott nur ihre Mitstreiter meinte, ging teils unter.

Zugleich aber ist klar: Bott wird nichts mehr ausrichten können, der Turm wird gebaut. Kommende Woche wird bereits die Fundamentplatte gegossen, die Armierungsarbeiten dazu laufen. Im März beginnt er dann, der eigentliche Turmbau. Genehmigt worden ist er längst.

Hier einige aktuelle Bilder von der Baustelle auf dem Berner Feld:

 

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