Die Schüler am Eingang der Gedenkstätte Natzweiler-Struthof. Foto: Jürgen Lutz

ROTTWEIL – Wür­de hier nicht das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ste­hen und wüss­te man nicht, was für schreck­li­che Din­ge an die­sem Ort in der Ver­gan­gen­heit pas­siert sind, dann könn­te sich hier ein Feri­en­dorf befin­den. Die­ser Gedan­ke geht wohl eini­gen der Schü­le­rin­nen und Schü­lern der Klas­sen 9a und 9b sowie den vier beglei­ten­den Leh­re­rin­nen und Leh­rern des Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­ums durch den Kopf, als sie ver­gan­ge­ne Woche am Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Natzweiler–Struthof anka­men.

Obwohl es neb­lig und kalt ist, ist die Land­schaft bei­na­he idyl­lisch, was es noch schwie­ri­ger macht, sich vor­zu­stel­len, was hier in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus pas­siert ist. Der Weg hin­un­ter zur Gas­kam­mer ist stei­nig, und man muss auf­pas­sen, dass man nicht hin­fällt. Beim Betre­ten der Gas­kam­mer wird es augen­blick­lich still, denn man kann die beklem­men­de Atmo­sphä­re spü­ren, die ver­mut­lich selbst jenen auf­fal­len wür­de, die nicht wüss­ten, dass an die­sem Ort Men­schen getö­tet wur­den. Knapp 22.000 Depor­tier­te sind im KL-Natz­wei­ler gestor­ben.

Wie­der am Ein­gang ange­kom­men, kön­nen sich die Schü­ler in Klein­grup­pen auf­tei­len und das Gelän­de erkun­den. In dem Muse­um, das sich in einer frü­he­ren Bara­cke der Häft­lin­ge befin­det, ist die Geschich­te des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers mit Schrift­stü­cken, Bil­dern und Tex­ten auf Fran­zö­sisch dar­ge­stellt. Auf dem Platz dane­ben steht der Gal­gen, an dem eini­ge Ver­ur­teil­te hin­ge­rich­tet wur­den.

Die Erkun­dung des ter­ras­sen­för­mig ange­leg­ten Lagers führt nach unten zum Gefäng­nis­bau und zum Kran­ken­bau. In letz­te­rem wur­den medi­zi­ni­sche Expe­ri­men­te an den Häft­lin­gen vor­ge­nom­men, die die­se in den meis­ten Fäl­len nicht über­leb­ten. Dass sich im Kran­ken­bau auch ein Ver­bren­nungs­ofen befin­det, ist dann nur fol­ge­rich­tig. Beson­ders ein­drück­lich ist, dass man in den Ori­gi­nal­ge­bäu­den samt Ori­gi­nal­ein­rich­tung steht.

Es fängt an zu reg­nen, und die Schü­ler gehen zum Abschluss in das neue Muse­um, wo es sowohl eine Aus­stel­lung zum The­ma Ras­sis­mus, als auch einen Film über das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gibt. Auf der anschlie­ßen­den Fahrt nach Hau­se kön­nen die Schü­ler und Leh­rer die Ein­drü­cke der Exkur­si­on ver­ar­bei­ten. Und wäh­rend der Bus die lan­ge Stra­ße nach unten in die Ort­schaft fährt, stellt man sich lie­ber nicht vor, wie die Depor­tier­ten die­sen Weg im Som­mer bei gro­ßer Hit­ze oder im Win­ter bei eisi­ger Käl­te in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gehen, aus dem vie­le nicht wie­der zurück­kom­men wer­den.