Rottweil: Große Mehrheit will die Hängebrücke

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"Ganz klar." Oberbürgermeister Ralf Broß verkündet das Ergebnis des Bürgerentscheids. Foo: Ralf Graner

Der Bür­ger­ent­scheid ist gül­tig und er ist klar: Rund 70 Pro­zent der Bür­ger von Rott­weil, die am Ent­scheid teil­ge­nom­men haben, wol­len eine Hän­ge­brü­cke zwi­schen Test­turm und Innen­stadt. Unter gro­ßem Applaus ver­kün­de­te Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß, selbst Brü­cken-Befür­wor­ter, das Ergeb­nis bereits gut eine hal­be Stun­de nach Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le. Mit „Ja” stimm­ten rund 6900 Bür­ger für die Brü­cke, 4000 wären nur not­wen­dig gewe­sen, das Quo­rum wur­de klar erfüllt. Der Bür­ger­ent­scheid hat die Wir­kung eines Gemein­de­rats­be­schlus­ses. Das End­ergeb­nis: 71,6 Pro­zent dafür, 28,6 dage­gen. Die Wahl­be­tei­li­gung: mit­tel­mä­ßig. 48,4 Pro­zent.

70:30: Das ist das Ergeb­nis, auf das Hän­ge­brü­cken-Inves­tor Gün­ter Eber­hardt noch am Abend des Bür­ger­ent­scheids gesetzt hat­te. Im Gespräch mit der NRWZ erklär­te er, er wün­sche sich ein ein­deu­ti­ges, deut­li­ches Ergeb­nis, „auf dem wir auf­bau­en kön­nen.” Dass er die­ses nun von Rott­weils Bür­gern bekom­men hat, freu­te ihn umso mehr. Bei der Wahl­par­ty der Brü­cken­bau­er im Café Leh­re sah man einen glück­li­chen Inves­tor. Sechs Mil­lio­nen Euro will er in die Hand neh­men für das Pro­jekt.

„Für mich ist in der Stadt ein Kor­ken drauf. Der hat sich heu­te gelöst.” Inves­tor Eber­hardt

Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß freu­te sich eben­so über das kla­re, ein­deu­ti­ge Ergeb­nis, den damit ver­bun­de­nen Auf­trag an die Stadt. Die wer­de nun in das Ver­fah­ren ein­stei­gen – jetzt geht es um einen Auf­stel­lungs­be­schluss für einen vor­ha­ben­be­zo­ge­nen Bebau­ungs­plan, dann wer­den die Fach­be­hör­den betei­ligt wie etwa auch das dem Pro­jekt kri­tisch gegen­über ste­hen­de Lan­de­senk­mal­amt.

Broß dank­te den an der Vor­be­rei­tung des Bür­ger­ent­scheids Betei­lig­ten. Er dank­te nament­lich aber auch den Brü­cken­geg­nern für den meist sach­li­chen Ton, in dem die Dis­kus­si­on vor­her gelau­fen sei und für deren Enga­ge­ment. „Die Geg­ner wer­den nun sehr ent­täuscht sein”, mut­maß­te Broß, nun gel­te es, die Grä­ben zuzu­schüt­ten.

Bau-Fach­be­reichs­lei­ter Lothar Huber rech­ne­te für die NRWZ nach und kam – unbe­last­bar, weil von vie­len Fak­to­ren und nicht zuletzt der Per­so­nal­aus­stat­tung im Bau­amt, mög­li­chen Kla­gen von Brü­cken­geg­nern und der Ent­schei­dung des Lan­des­denk­mal­amts abhän­gig – zu dem Ergeb­nis: Die Brü­cke könn­te im Herbst 2018 eröff­net wer­den. Dann aber müs­se alles wie am Schnür­chen lau­fen.

Am heu­ti­gen Sonn­tag waren ziem­lich genau 20.000 Rott­wei­ler Bür­ger auf­ge­ru­fen, über eine mög­li­che Fuß­gän­ger-Hän­ge­brü­cke zwi­schen Test­turm auf dem Ber­ner Feld und der Innen­stadt abzu­stim­men. Der Gemein­de­rat hat­te den Bür­ger­ent­scheid ange­setzt. Die Stadt tei­le sich klar in zwei Lager unge­wis­ser Grö­ße.

Auf der einen Sei­te die Befür­wor­ter einer Ver­bin­dung, die Besu­cher und damit Kauf­kraft vom Magne­ten Test­turm in die Stadt locken soll. Auf der ande­ren Sei­te die Geg­ner, die Rott­weil zum Rum­mel­platz ver­kom­men und das mit­tel­al­ter­li­che Stadt­bild in Gefahr sehen. Nicht zu ver­ges­sen: die befürch­te­ten Besu­cher­mas­sen, die sich durch den ruhig gele­ge­nen Bocks­hof wäl­zen könn­ten, wo die Brü­cke ankom­men soll.

Um die Grö­ße der Lager tat­säch­lich zu bestim­men, um die Zustim­mung oder Ableh­nung in Zah­len zu mes­sen, wur­de der Bür­ger­ent­scheid anbe­raumt. Der Gemein­de­rat gab die Ent­schei­dung über das Pro­jekt gleich­sam aus der Hand. Soll­ten die Bür­ger mehr­heit­lich dafür sein, wird er kom­men.

Wich­tig: Damit der Bür­ger­ent­scheid gül­tig ist, muss­ten  min­des­tens 20 Pro­zent aller Wahl­be­rech­tig­ten ihre Stim­me abge­ben. Das sind dem­nach etwa 4000. Erreich­ten aller­dings weder die Ja- noch die Nein-Stim­men das Quo­rum, wäre der Bür­ger­ent­scheid ungül­tig gewe­sen. Die Ent­schei­dung über die Brü­cke wäre dann an den Gemein­de­rat zurück gefal­len. Sie wur­de ihm aber ein­deu­tig abge­nom­men.

Am Mit­tag mel­de­te die Stadt­ver­wal­tung auf Nach­fra­ge der NRWZ eine durch­schnitt­li­che, einer Kom­mu­nal­wahl ent­spre­chen­de Wahl­be­tei­li­gung.