Bindung und Freiheit sind die Magie der kindlichen Entwicklung

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Kinderarzt und Buchautor Dr. med. Herbert Renz-Polster. Foto: Ruf

ROTTWEIL – Auf gro­ße Reso­nanz stieß der Vor­trag des bekann­ten Kin­der­arz­tes und Buch­au­tors, Dr. med. Her­bert Renz-Pols­ter zum The­ma „Wie Kin­der heu­te wach­sen“. Dazu ein­ge­la­den hat­te das Edith-Stein-Insti­tut Rott­weil zusam­men mit der Katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung Kreis Rott­weil.

Leben­dig, anschau­lich und undog­ma­tisch beschrieb Dr. Renz-Pols­ter die Ent­wick­lungs­schrit­te in der kind­li­chen Ent­wick­lung. „Das sind kei­ne Mei­len­stei­ne, viel­mehr klei­ne Schrit­te, dazu indi­vi­du­ell ganz unter­schied­lich“. Inso­fern rät er auch davon ab, die Klein­kin­der in ihrem Ent­wick­lungs­sta­di­um mit ande­ren Kin­dern zu ver­glei­chen.

Das mensch­li­che Baby kommt – im Ver­gleich zu vie­len Tier­ar­ten – als „unrei­fes Män­gel­we­sen“ auf die Welt und braucht viel Zeit und vor allem Beglei­tung und Unter­stüt­zung, um die Schrit­te ins Leben, ins Neu­land zu gehen. Und genau das, so Renz-Pols­ter, ist eine span­nen­de Zeit: das Klein­kind sucht Schutz, Ver­sor­gung, Bezie­hung auf der einen Sei­te, auf der ande­ren Sei­te wird schon die Neu­gier­de, die Explo­ra­ti­on, das Ent­de­cken der Welt da drau­ßen deut­lich. Bin­dung und Frei­heit, eigent­lich zwei unter­schied­li­che Ent­wick­lungs­zie­le und bei­des zu schaf­fen, das ist, so Renz-Pols­ter, “die Magie der kind­li­chen Ent­wick­lung“.

Jedoch ist die Bin­dung die Grund­vor­aus­set­zung und das Fun­da­ment für die Lust auf Welt­be­geg­nung. Dazu jedoch braucht es auch selbst­be­wuss­te und zuver­sicht­li­che Eltern, die sich fein­füh­lig auf ihr Kind ein­stel­len und den „Bezie­hungs­fa­den“ knüp­fen kön­nen. „Wenn Eltern sich nicht wohl­füh­len, nicht mit sich im Rei­nen sind, wird sich dies auch auf die Babys über­tra­gen.“ Renz-Pols­ter plä­dier­te vor allem für ein reich­hal­ti­ges Bezie­hungs­netz, in dem Kin­der auf­wach­sen kön­nen.

Der Mensch ist ein sozia­les Wesen und braucht die­se Bezugs­per­so­nen. Und so ist es wich­tig, dem Kind einen anre­gen­den Rah­men zu ermög­li­chen, so dass es sich ent­wi­ckeln und sich selbst sei­ne Welt schaf­fen kann. „Die wich­tigs­ten Din­ge des Lebens kön­nen wir den Kin­dern nicht wirk­lich bei­brin­gen. Nie­mand kann ein Kind stark machen, sie müs­sen es selbst hin­be­kom­men“ – so beschließt der Refe­rent sei­nen inspi­rie­ren­den Vor­trag vor einem auf­merk­sa­men und dank­ba­ren Publi­kum.

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