Blutspenden in Corona-Zeiten: Großes Interesse und Schokolade statt warmem Essen

Blutspenden in Corona-Zeiten: Großes Interesse und Schokolade statt warmem Essen

ROTTWEIL – Blutkonserven wurden schon vor Wochen rar, denn als es losging mit den Veranstaltungsverboten mussten auch die Blutspendeaktionen abgesagt werden. Nun hat man eine Lösung gefunden: Spendeaktionen mit vorheriger Anmeldung, dann kommen die Leute auf Termin und es gibt keine Menschenaufläufe. So funktioniert das derzeit auch in Rottweil: Drei Tage lang kann man in der Göllsdorfer Halle zum Blutspenden gehen, und es scheint tatsächlich viele Leute zu geben, die das auch tun.

Auch meine Tochter und ich. Vorherige Anmeldung, das geht mit dem Handy und dem Blutspendeausweis, dann kommt die SMS mit dem Termin am Montagmittag. Die Halle in Göllsdorf zu erreichen ist nicht ganz so leicht, durch die Brückenbauarbeiten müssen wir den Umweg über Wellendingen und Feckenhausen nehmen. Vor der Halle steht ein Security-Mann und eine Dame in Vollschutz, die uns Fieber misst und fragt, ob wir in den letzten Wochen krank waren. Natürlich dürfen wir nur nacheinander rein.

Drin muss man sich die Hände desinfizieren und dann einen Kuli nehmen, „den dürfen Sie behalten.“ Die Trennwände zum Ausfüllen der Formulare stehen weiter auseinander als sonst, alle tragen Handschuhe und Mundschutz, vor der Anmeldung stehen Plexiglaswände, in der Halle selbst die Stühle weit voneinander, jeder darf sich Apfelschorle oder Mineralwasser nehmen. Der Mitarbeiter, der den Pieks macht, nochmal Fieber misst und den Blutdruck misst, hat keine Plexiglasscheibe – das wäre ja auch etwas schwierig.

Die testende Ärztin will heute allerdings mehr wissen als sonst – und schimpft ein wenig, die Verordnungen würden ständig geändert. Jedenfalls: Ich war weder in der Schweiz noch in den Niederlanden die letzten Wochen. Und hatte – zumindest wissentlich – keinen Kontakt zu einem Corona-Infizierten. Und dann dürfen wir spenden, auf der Liege neben mir Khaled, einer der ersten Flüchtlinge in Deißlingen im Herbst 15. Ob denn die Blutspenden auf Corona getestet werden, ist meine etwas überflüssige Frage, wie sich herausstellt: Das Virus wird ja nicht über Blut übertragen.

Ich erfahre auch, dass heute alle Termine voll sind – die Menschen hätten offenbar großes Interesse am Blutspenden, meint die freundliche Dame in Weiß. Und sie hätten ja jetzt auch Zeit…Am Ende gibt es ein freundliches Dankeschön von den Mitarbeiterinnen, hinaus müssen wir an der Seite, der Haupteingang ist nur dafür gedacht: Hineingehen. Aber wir dürfen uns noch eine Schachtel Merci-Schokolade raussuchen. Der süße Ersatz für das Essen, das es im Anschluss ans Blutspenden sonst gibt.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 7. April 2020 von Moni Marcel (mm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/rottweil/blutspenden-in-corona-zeiten-grosses-interesse-und-schokolade-statt-warmem-essen/260495