Broß wird wieder OB von Rottweil – Wahlbeteiligung bei bitteren 22,8 Prozent

Klatsche in Zepfenhan, Zustimmung in der Stadt

Eins stand lange fest bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt Rottweil am heutigen Sonntag: Ralf Broß würde sie gewinnen. Jedenfalls im Sinne des Erstplatzierten, der anschließend das ausgeschriebene Amt antreten kann. Denn Broß war der Einzige, der zur Wahl gestanden hatte. Unklar war, ob er sie auch im Sinne eines echten Wahlsiegers gewinnen kann – dann nämlich, wenn die Wahlbeteiligung einigermaßen hoch ausfällt. Das ist sie ganz und gar nicht.

Endergebnis: 94,9 Prozent der Stimmen für Amtsinhaber und einzigen Bewerber Broß. Wahlbeteiligung: 22,8 Prozent. Bitter!

Friederike und Ralf Broß vor dem Alten Rathaus am Wahlabend. Foto: gg

Ralf Broß sieht sich bestätigt und wertet die 95 Prozent Zustimmung, wie er das nannte, als eine gute Ausgangsbasis für die kommenden acht Jahre. Leider liege Rottweil im Trend, was die Wahlbeteiligung betrifft: 20 bis 30 Prozent seien üblich bei Wahlen, bei denen es nur einen Kandidaten gebe. Das sei traurig, konstatierte der künftige Oberbürgermeister.

Dass es anders geht, zeigten am selben Abend die Dormettinger im Zollernalbkreis. 53,4 Prozent der Berechtigten nahmen dort an der Wahl teil, berichtet der Zollern-Alb-Kurier.

An der Verkündung des Wahlergebnisses vor dem Alten Rathaus haben einige Bürgermeister aus der Umgebung teilgenommen, etwa aus Zimmern, Villingendorf und Deißlingen.

Auch Bürgermeister Dr. Christian Ruf erklärte, man habe sich bei der Wahlbeteiligung mehr erhofft. Er machte den Weißen Sonntag mit Kommunion und Konfirmation mit dafür verantwortlich, dass recht wenig Wähler in die Wahllokale gegangen sind.

Ralf Broß ist parteilos und war 2009 erstmals zum Oberbürgermeister der ältesten Stadt Baden-Württembergs gewählt worden.

 

Klatsche in Zepfenhan, Zustimmung in der Stadt

Die Updates unserer Wahlberichterstattung.

Update 18.30 Uhr: Die Stadtkapelle schmettert vor dem Alten Rathaus einen Marsch. Das Ergebnis steht fest. Ralf und Friederike Broß stehen im Mittelpunkt der Gratulanten- und Interessentenschar, die auf etwa 150 Menschen angewachsen sein dürfte, trotz des Regens.

Update 18.29: Unzufriedenheit in Zepfenhan – nur 81 Prozent der Stimmen gehen an Broß! 

Update 18.28 Uhr: Ein Stimmbezirk fehlt nur noch. Aktuell liegt die Wahlbeteiligung bei sehr niedrigen 20,8 Prozent.

Update 18.27 Uhr: Vor dem Alten Rathaus versammeln sich ein paar Unverzagte unter Regenschirmen. Einhundert sind es wohl.

Update 18.25 Uhr: Fast alle Wahlbezirke sind ausgezählt. Zwei fehlen noch. Aktuell sind damit 20,5 Prozent der möglichen Stimmen gezählt worden. Das ist wenig. Das deutet auf eine Wahlbeteiligung von weit unter 30 Prozent hin.

Update 18.24 Uhr: Auch im Wahlbezirk Eichendorffschule hat Broß alle abgegebenen Stimmen erhalten. Nur 90 Prozent der Stimmen sind im Alten Gymnasium an ihn gegangen.

Update 18.20 Uhr: Nach 25 von 30 Wahlbezirken liegt die Wahlbeteiligung bei 18,3 Prozent – diese Zahl wird noch deutlich steigen, mit jedem Stimmbezirk. Aber sie erscheint im Moment extrem niedrig.

Update 18.18 Uhr: Rund 5 Prozent der Wähler werden sich für einen anderen, frei bestimmten Kandidaten entscheiden. Broß wird bei rund 95 Prozent der Stimmen landen. So der aktuelle Trend nach 24 von 30 Wahlbezirken.

Update 18.15 Uhr: 19 von 30 Wahlbezirken sind ausgezählt. Broß liegt mit weit über 90 Prozent der Stimmen uneinholbar vorne ;-)

Update 18.13 Uhr: Die Hälfte der Wahlbezirke ist ausgezählt. Broß gewinnt ein wenig. Er liegt bei 95,54 Prozent.

Update 18.12 Uhr: Broß liegt bei 95 Prozent der Stimmen. Offenbar haben bislang 5 Prozent der Wähler sogenannte Splitterstimmen – für selbstgewählte Kandidaten – abgegeben.

Update 18.09 Uhr: 100 Prozent der Stimmen sind im Wahlbezirk Vinzenz von Paul-Hospital an Amtsinhaber und Bewerber Broß gegangen. 92,6 Prozent im Bezirk Kindergarten „Am Birkenweg“.

 

Hintergrund der OB-Wahl

Sie ist der Gradmesser des Abends: die Beteiligung bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Rottweil. Ralf Broß hat die Zahl selbst zum Gradmesser gemacht, als er bei der Bewerbervorstellung in der Stadthalle die Menschen aufforderte, heute wählen zu gehen, „auch wenn Sie meinen, angesichts nur eines Kandidaten sei das gar nicht notwendig.“ Denn: „Ich freue mich über jede einzelne Stimme – als Bestätigung für die vergangenen acht Jahre und als Ermutigung für die kommenden acht Jahre.“

Und was wäre eine Ermutigung? Nicht die mutmaßlich weit über 90 Prozent der Stimmen für Broß – die Wähler hatten für niemanden anderen stimmen, allenfalls einen Namen auf den Wahlzettel schreiben können. Was die Wahlbeteiligung betrifft, können wir ebenfalls nur mutmaßen: Alles unter 50 Prozent wird Broß schönreden müssen. Alles darüber nicht. (Ober)-Bürgermeister werden auch weit unter dieser Marke im Amt bestätigt.

Rund 20.000 Wählerinnen und Wähler waren am Sonntag zur Oberbürgermeisterwahl aufgerufen. „Bitte gehen Sie zur Wahl. Für eine lebendige Demokratie ist es wichtig, dass möglichst viele Bürgerinnen und Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen – und zwar unabhängig von der Zahl der Kandidaten“, hatte auch Bürgermeister Dr. Christian Ruf, dem die Aufgabe des Wahlleiters zukam, vorab geworben.

Die 27 Wahllokale hatten von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Dann hat die Auszählung begonnen.

Wahlberechtigt waren alle Einwohnerinnen und Einwohner Rottweils mit deutscher Staatsangehörigkeit oder eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten mit Hauptwohnung in Rottweil leben.

 

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1 Kommentar

  1. Ein doppelt beschämendes Ergebnis. Zum einen für die Rottweiler Bürger, die anscheinend die Demokratie nicht schätzen oder die eh schon davon ausgegangen sind, dass es der einzige Kanditat sowieso wird. Zum zweiten für den alten und neuen OB, der es trotz groß(spurig)er Projekte nicht geschafft hat die Bürger zu mobilisieren. Nur kanpp mehr als jeder 5. Rottweiler hat Hr. Broß seine Stimme gegeben. Beschämend für ihn und auch für Rottweil. Der (Leucht)turm scheint nciht besonders hell zu leuchten, genauso wie die Brücke wohl mehr hängt, denn trägt.

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