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Mittwoch, 11. Dezember 2019
Start Rott­weil Bür­ger­initia­ti­ve tankt beim 20. Schö­nau­er Strom­se­mi­nar Ener­gie

Bürgerinitiative tankt beim 20. Schönauer Stromseminar Energie

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ROTTWEIL – Ein japa­ni­scher Wis­sen­schaft­ler brach­te es auf den Punkt. „Die Elek­tri­zi­täts­wer­ke Schö­nau (EWS) sind in Japan so bekannt wie Ber­lin“. Nach der Reak­tor­ka­ta­stro­phe in Tscher­no­byl grün­de­ten Ursu­la und Micha­el Sla­dek mit ande­ren Mit­strei­tern die EWS und gel­ten bis heu­te welt­weit als Pio­nie­re und Vor­bil­der für die Ener­gie­wen­de. Die Rott­wei­ler „Bür­ger­initia­ti­ve für eine Welt ohne ato­ma­re Bedro­hung“ nahm am dies­jäh­ri­gen Semi­nar in Schö­nau teil.

Nicht nur japa­ni­sche Grup­pen geben sich in Schö­nau die Klin­ke in die Hand und suchen nach Ant­wor­ten, wie die Ener­gie­wen­de gelin­gen kann. Die EWS lie­fert heu­te als Öko­strom­an­bie­ter bun­des­weit an über 200.000 Kun­den atom ‑und koh­le­frei­en und CO 2 frei­en Strom aus 100 Pro­zent erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und för­dert den Neu­bau umwelt­freund­li­cher Anla­gen. Seit 20 Jah­ren ver­an­stal­ten sie außer­dem die „Schö­nau­er Strom­se­mi­na­re“ mit hoch­ka­rä­ti­gen Refe­ren­ten und Vor­den­kern, die Inspi­ra­ti­ons­quel­le und inter­na­tio­na­ler Treff­punkt zugleich sind. Unter den mehr als 300 Teil­neh­mern war auch die Rott­wei­ler „Bür­ger­initia­ti­ve für eine Welt ohne ato­ma­re Bedro­hung“ um sich über neue Ent­wick­lun­gen zu infor­mie­ren und Ener­gie zu tan­ken.

„Wir sind an einem Kipp­punkt – wie gelingt uns die Zukunft?“ war die Fra­ge, die die Bei­trä­ge aus Wis­sen­schaft und Zivil­ge­sell­schaft, aus Indus­trie und Archi­tek­tur beherrsch­te. „Die Lösun­gen sind da, wir müs­sen jetzt enga­gier­ter ins Han­deln kom­men“, waren sich auch die Rott­wei­ler Teil­neh­mer nach dem Semi­nar einig.

Wie Unter­neh­mer­tum öko­lo­gisch und erfolg­reich zugleich sein kann bewies Alfred Rit­ter, Inha­ber der Rit­ter GmbH Wal­den­buch in sei­nen Aus­füh­run­gen. Rit­ter ist in ver­schie­dens­ten Bran­chen – von der Scho­ko­la­de bis zur Umwelt­tech­nik – enga­giert und wur­de erst jüngst für sein Lebens­werk mit dem Deut­schen Grün­der­preis 2019 aus­ge­zeich­net. Er ist dar­über hin­aus Mit­glied des Club of Rome, Trä­ger des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes und erhielt für sei­ne nach­hal­ti­ge Unter­neh­mungs­leis­tung die Wirt­schafts­me­dail­le des Lan­des Baden- Würt­tem­berg.

Sei­ne lang­jäh­ri­ge Erfah­rung – „Es geht viel, wenn man sich auf den Weg macht“ – beleg­te er anhand von vie­len Bei­spie­len, die er in sei­nen Fir­men prak­ti­zier­te: Deut­li­che Redu­zie­rung des gesam­ten Ver­­pa­­ckungs- und Fir­men­mülls, aus­schließ­li­cher Bezug von Öko­strom, Ein­satz vom Abfall­pro­dukt Kakao­fa­ser als wert­vol­les Dämm­ma­te­ri­al, deut­lich weni­ger Che­mie beim Kakao­an­bau…

Ein wei­te­res High­light im Rei­gen der Refe­ren­ten war Tho­mas Rau, Archi­tekt aus Ams­ter­dam. Er gehört zu den glü­hends­ten Ver­fech­tern einer nach­hal­ti­gen Archi­tek­tur und ist inter­na­tio­nal bekannt als Vor­den­ker in Sachen Res­sour­cen­knapp­heit und Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en in der Archi­tek­tur.  Sein Büro kon­zi­piert inzwi­schen aus­schließ­lich ener­gie­po­si­ti­ve Gebäu­de, die mehr Ener­gie lie­fern als sie ver­brau­chen und die dar­auf aus­ge­legt sind, dass die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en spä­ter sau­ber getrennt und neu genutzt wer­den kön­nen. Rau geht es dar­um, mit den vor­han­de­nen Res­sour­cen und der Umwelt ver­ant­wor­tungs­voll umzu­ge­hen.

Das Bau­we­sen ver­ur­sa­che in Euro­pa 50 Pro­zent des Roh­stoff­ver­brauchs und 60 Pro­zent des Abfalls. „Die Erde ist ein geschlos­se­nes Sys­tem, die Res­sour­cen begrenzt. Wir müs­sen zu einer Kreis­lauf­wirt­schaft kom­men“. Die Wie­der­ver­wen­dung von Mate­ria­li­en und Roh­stof­fen steht des­halb in der Phi­lo­so­phie des Archi­tek­ten im Mit­tel­punkt. Um die Res­sour­cen­ver­schwen­dung zu been­den ist sein Ziel die Erfas­sung und elek­tro­ni­sche Inven­ta­ri­sie­rung aller ver­bau­ten Stof­fe in Mate­ri­al­päs­sen, den soge­nann­ten „Madastern“. Wert­lo­ses Abbruch­ma­te­ri­al wird dadurch in ein wert­vol­les Mate­ri­al­la­ger ver­wan­delt. Archi­tek­tur­bei­spie­le von Tho­mas Rau zeig­ten Gebäu­de, in denen über 80 Pro­zent des Alt­be­stan­des ver­baut wur­den. Die Nie­der­lan­de ver­an­ker­te bereits die Richt­li­nie, wel­che eine 100-pro­­zen­­ti­ge Zir­ku­la­ri­tät des Bau­stof­fes bis im Jah­re 2050 vor­schreibt, bis 2030 sol­len es schon min­des­tens 50 Pro­zent sein. „Die Kreis­lauf­wirt­schaft bie­tet ein enor­mes Hand­lungs­po­ten­zi­al und spart Res­sour­cen und Ener­gie“.

Die Bür­ger­initia­ti­ve für eine Welt ohne ato­ma­re Bedro­hung trifft sich am Diens­tag, 16.Juli , ab 18.30 Uhr in den Räu­men der Loka­len Agen­da und bespricht die viel­fäl­ti­gen Impul­se aus dem Schö­nau­er Strom­se­mi­nar. Inter­es­sier­te sind will­kom­men.

 

 

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