Bürgerinitiative tankt beim 20. Schönauer Stromseminar Energie

ROTTWEIL – Ein japanischer Wissenschaftler brachte es auf den Punkt. „Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) sind in Japan so bekannt wie Berlin“. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl gründeten Ursula und Michael Sladek mit anderen Mitstreitern die EWS und gelten bis heute weltweit als Pioniere und Vorbilder für die Energiewende. Die Rottweiler „Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung“ nahm am diesjährigen Seminar in Schönau teil.

Nicht nur japanische Gruppen geben sich in Schönau die Klinke in die Hand und suchen nach Antworten, wie die Energiewende gelingen kann. Die EWS liefert heute als Ökostromanbieter bundesweit an über 200.000 Kunden atom -und kohlefreien und CO 2 freien Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien und fördert den Neubau umweltfreundlicher Anlagen. Seit 20 Jahren veranstalten sie außerdem die „Schönauer Stromseminare“ mit hochkarätigen Referenten und Vordenkern, die Inspirationsquelle und internationaler Treffpunkt zugleich sind. Unter den mehr als 300 Teilnehmern war auch die Rottweiler „Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung“ um sich über neue Entwicklungen zu informieren und Energie zu tanken.

„Wir sind an einem Kipppunkt – wie gelingt uns die Zukunft?“ war die Frage, die die Beiträge aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, aus Industrie und Architektur beherrschte. „Die Lösungen sind da, wir müssen jetzt engagierter ins Handeln kommen“, waren sich auch die Rottweiler Teilnehmer nach dem Seminar einig.

Wie Unternehmertum ökologisch und erfolgreich zugleich sein kann bewies Alfred Ritter, Inhaber der Ritter GmbH Waldenbuch in seinen Ausführungen. Ritter ist in verschiedensten Branchen – von der Schokolade bis zur Umwelttechnik – engagiert und wurde erst jüngst für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Gründerpreis 2019 ausgezeichnet. Er ist darüber hinaus Mitglied des Club of Rome, Träger des Bundesverdienstkreuzes und erhielt für seine nachhaltige Unternehmungsleistung die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden- Württemberg.

Seine langjährige Erfahrung – „Es geht viel, wenn man sich auf den Weg macht“ – belegte er anhand von vielen Beispielen, die er in seinen Firmen praktizierte: Deutliche Reduzierung des gesamten Verpackungs- und Firmenmülls, ausschließlicher Bezug von Ökostrom, Einsatz vom Abfallprodukt Kakaofaser als wertvolles Dämmmaterial, deutlich weniger Chemie beim Kakaoanbau…

Ein weiteres Highlight im Reigen der Referenten war Thomas Rau, Architekt aus Amsterdam. Er gehört zu den glühendsten Verfechtern einer nachhaltigen Architektur und ist international bekannt als Vordenker in Sachen Ressourcenknappheit und Einsatz erneuerbarer Energien in der Architektur.  Sein Büro konzipiert inzwischen ausschließlich energiepositive Gebäude, die mehr Energie liefern als sie verbrauchen und die darauf ausgelegt sind, dass die verwendeten Materialien später sauber getrennt und neu genutzt werden können. Rau geht es darum, mit den vorhandenen Ressourcen und der Umwelt verantwortungsvoll umzugehen.

Das Bauwesen verursache in Europa 50 Prozent des Rohstoffverbrauchs und 60 Prozent des Abfalls. „Die Erde ist ein geschlossenes System, die Ressourcen begrenzt. Wir müssen zu einer Kreislaufwirtschaft kommen“. Die Wiederverwendung von Materialien und Rohstoffen steht deshalb in der Philosophie des Architekten im Mittelpunkt. Um die Ressourcenverschwendung zu beenden ist sein Ziel die Erfassung und elektronische Inventarisierung aller verbauten Stoffe in Materialpässen, den sogenannten „Madastern“. Wertloses Abbruchmaterial wird dadurch in ein wertvolles Materiallager verwandelt. Architekturbeispiele von Thomas Rau zeigten Gebäude, in denen über 80 Prozent des Altbestandes verbaut wurden. Die Niederlande verankerte bereits die Richtlinie, welche eine 100-prozentige Zirkularität des Baustoffes bis im Jahre 2050 vorschreibt, bis 2030 sollen es schon mindestens 50 Prozent sein. „Die Kreislaufwirtschaft bietet ein enormes Handlungspotenzial und spart Ressourcen und Energie“.

Die Bürgerinitiative für eine Welt ohne atomare Bedrohung trifft sich am Dienstag, 16.Juli , ab 18.30 Uhr in den Räumen der Lokalen Agenda und bespricht die vielfältigen Impulse aus dem Schönauer Stromseminar. Interessierte sind willkommen.

 

 

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