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Dienstag, 29. September 2020

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„Buy Local“ – oder „Kaufen Sie vor Ort“!

ROTTWEIL – Manchmal ruckelten die Daten immer noch träge durch schwächelnde Netze – doch auch die dritte Videokonferenz der grünen Gemeinderatsfraktion klappte schließlich. Sie beackerte eine breite Themenpalette: Von Boris Palmer, über den Antrag „Buy Local“ bis hin zur Landesgartenschau. Und über allem stand noch immer das Megathema Corona.

Immer wieder schielte die Fraktion in der Vergangenheit nach Tübingen und ließ sich von dort inspirieren: Im Klimaschutz etwa oder in der Verkehrspolitik. Und es war auch klar, dass eine treibende Kraft dieser erstaunlichen Transformation zu einer sozialen Öko-Stadt der grüne Oberbürgermeister Boris Palmer ist. Leistungen, die bundesweit ausstrahlen.

Umso verständnisloser war die Fraktion, dass die Landespartei nun Boris Palmer nahelegt, die Grünen zu verlassen. In einem einstimmig verabschiedeten Schreiben an den Landesvorstand kritisiert das die Fraktion. Dieser Text ist keine Lobhudelei, er würdigt aber respektvoll Palmers herausragende Leistungen. Der vielzitierte Teilsatz zu alten Menschen in der Corona-Krise, wird scharf verurteilt. Und dass Palmer provozieren und nerven kann, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt, ist unstrittig. Doch Ingeborg Gekle-Maier meinte für die Fraktion: „Wir hätten von Euch erwartet, dass Ihr souveräner reagiert.“ Zur grünen DNA gehören die Vielfalt auch von rebellischen Meinungen und ein argumentierender Umgang untereinander. Niemals aber das Vertreiben hochbegabter Querdenker.

Viele erlebten in den vergangenen Wochen, dass eine Stadt wie Rottweil nicht nur von der Pracht ihre Stadtbilds lebt. Ohne offene Geschäfte, Gastronomie, menschliche Begegnungen in öffentlichen Räumen wirkt sie selbst bei strahlendem Sonnenschein wie ausgestorben. Man weiß nun noch mehr zu schätzen, was man von einem regen innerstädtischen Wirtschaftsleben hat.

So bedauerten die Ortsgrünen, dass wohl ausgerechnet Internet-Riesen wie Amazon & Co. zu den wirtschaftlichen Profiteuren der Corona-Krise gehören. Doch wie dagegen angehen? Als eine Möglichkeit präsentierte die Fraktion den Antrag „Buy Local“. Danach sollen Gemeinderat und Stadtverwaltung einen eindringlichen Aufruf an die Stadtgesellschaft richten, angesichts der heraufziehenden Wirtschaftskrise gerade jetzt lokalen Handel und Gewerbe zu unterstützen. Ein Akt der Solidarität. Dort geht es auch um Existenzen, die das gesellschaftliche und kulturelle Leben bereichern.

Dieser Appell soll betonen, das lokaler Handel und Gewerbe im Unterschied zu Amazon & Co. Arbeitsplätze schaffen, regionale Wirtschaftskreisläufe fördern, Gewerbesteuern zahlen und so unseren Haushalt mitfinanzieren. Außerdem beteiligen sie sich am kulturellen und sozialen Leben – etwa durch eigene Veranstaltungen oder Sponsoring.

Kurz keimte in der Videokonferenz die Sorge auf, die Krise könnte sich auch zu einer Krise der Landesgartenschau 2028 entwickeln. Frank Sucker setzte dagegen die positive Vision, die Landesgartenschau als Konjunkturprogramm zu pushen. Dieses kann ein Meilenstein der Stadtentwicklung werden, der zugleich die anderen großen Krisen ins Zentrum rückt: den Klimawandel und den Artenverlust.

 

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