Sunface-App simuliert Hautveränderungen, Foto: Nathan Dumlao auf Unsplash

ROTTWEIL – Som­mer­zeit ist Son­nen­zeit, gebräun­te Haut hat Hoch­sai­son. Wer die­sem Schön­heits­ide­al nach­ei­fert, tut sei­ner Haut lang­fris­tig aber nichts Gutes – aktu­el­le Zah­len zur Ent­wick­lung von Haut­krebs las­sen das aus­ge­dehn­te Son­nen­bad in einem düs­te­ren Licht erschei­nen. Prof. Dr. Lars Alex­an­der Schnei­der aus der Heli­os Kli­nik Rott­weil erklärt, war­um Auf­klä­rung bei die­sem The­ma spä­te­re Unbill ver­mei­den hel­fen kann.

Prof. Dr. Lars Alex­an­der Schnei­der ist Chef­arzt der Haut­kli­nik im Rott­wei­ler Kran­ken­haus. Zu ihm kom­men täg­lich Pati­en­ten mit bös­ar­ti­gen Ver­än­de­run­gen der Haut – und es wer­den immer mehr. Prof. Dr. Schnei­der: „Laut Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on nimmt der Anteil der Men­schen, die an Haut­krebs erkran­ken, in Deutsch­land und welt­weit stär­ker zu als bei jeder ande­ren Krebs­er­kran­kung. Ein Grund: Wir wer­den immer älter und der Haut­krebs sucht uns im Ren­ten­al­ter heim.“ Doch in letz­ter Zeit, so der Chef­arzt, wür­den die Pati­en­ten immer jün­ger.

Die meis­ten Fäl­le lie­ßen sich ver­mei­den. Prof. Dr. Schnei­der: „UV-Strah­lung aus dem Son­nen­licht oder aus dem Sola­ri­um ist der Haupt­aus­lö­ser für Haut­krebs. Theo­re­tisch weiß das jeder, aber es fehlt nahe­zu jedem die letz­te Kon­se­quenz im Umgang mit der Son­ne!“ Kon­se­quent hie­ße: Mit­tags­son­ne mei­den, Son­nen­schutz­creme mit hohem Licht­schutz­fak­tor ver­wen­den, einen Son­nen­hut zum Schutz des Gesich­tes tra­gen, emp­find­li­che Kin­der­haut mit lan­gär­me­li­ger Bade­be­klei­dung bede­cken. Und das nicht nur am Urlaubs­strand, son­dern auch im hei­mi­schen Frei­bad oder auf der Ter­ras­se im Som­mer.

Prof. Dr. Schnei­der arbei­tet mit in der „Initia­ti­ve Natio­na­le Ver­sor­gungs­kon­fe­renz Haut­krebs“, kurz NVKH. Die NVKH ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein; sie ver­bin­det deutsch­land­weit Der­ma­to­lo­gen, Ent­schei­dungs­trä­ger und ande­re Akteu­re des Gesund­heits­we­sens sowie deren Pro­jekt­vor­ha­ben unter einem Dach. Hier wer­den Pro­jek­te unter­stützt und finan­ziert, die Auf­klä­rung, Prä­ven­ti­on, Früh­erken­nung und Ver­sor­gung im Bereich Haut­krebs för­dern. Prof. Dr. Schnei­der ist die Auf­klä­rung zum The­ma Son­ne ein beson­de­res Anlie­gen.

„Gera­de jun­ge Men­schen haben oft ein sehr unge­sun­des Bräu­nungs­ver­hal­ten, denn in unse­rer Gesell­schaft wird Bräu­ne noch immer mit Attrak­ti­vi­tät gleich­ge­setzt.“ Die­se Ziel­grup­pe, so der Haut­spe­zia­list, müs­se für die The­ma­tik beson­ders sen­si­bi­li­siert wer­den, um die nach­fol­gen­de Genera­ti­on ent­spre­chend zu prä­gen und vor allem Lang­zeit­schä­den im Alter zu min­dern.

Neben vie­len ande­ren wis­sen­schaft­li­chen Pro­jek­ten hat die NVHK des­halb die Ent­wick­lung einer App finan­ziert, die eben die­se Ziel­grup­pe anspricht. Mit der App „Sun­face“ kön­nen User auf dem Smart­pho­ne erle­ben, wie sich ihre Haut durch Son­ne oder Sola­ri­um im Lau­fe der Jah­re ver­än­dert. Dane­ben gibt’s Tipps zum bes­se­ren Son­nen­schutz­ver­hal­ten und Erklä­run­gen, wie man Krebs oder des­sen Vor­stu­fen an der eige­nen Haut erken­nen kann.

Prof. Dr. Schnei­der: „Es ist wich­tig, dass die jun­gen Leu­te über sol­che moder­nen Pro­gram­me in einem Zeit­raf­fer sehen kön­nen, was die Son­ne über Jahr­zehn­te mit ihrem Gesicht macht. So ken­nen sie spä­ter als Eltern die Risi­ken einer hohen UV-Expo­si­ti­on und kön­nen ent­spre­chend han­deln!“ Was fürs Auto­fah­ren der Kin­der­sitz ist, soll­te fürs Son­nen­bad bei­spiels­wei­se die UV-Schutz­klei­dung für Kin­der sein. Prof. Dr. Schnei­der ist sich sicher: „Wer als Kin­de so auf­wächst, in dem wächst auch das Bewusst­sein für die Gefahr, die im Licht der Son­ne liegt“.

Und wo bleibt dann die Attrak­ti­vi­tät durch Bräu­ne? Ganz ein­fach: „Die kann ger­ne aus der Tube kom­men. Selbst­bräu­ner scha­den der Haut nicht, und es gibt sie sogar mit Son­nen­schutz.“