Das ausgedehnte Sonnenbad erscheint in düsterem Licht

Sunface-App simuliert Hautveränderungen

ROTTWEIL – Sommerzeit ist Sonnenzeit, gebräunte Haut hat Hochsaison. Wer diesem Schönheitsideal nacheifert, tut seiner Haut langfristig aber nichts Gutes – aktuelle Zahlen zur Entwicklung von Hautkrebs lassen das ausgedehnte Sonnenbad in einem düsteren Licht erscheinen. Prof. Dr. Lars Alexander Schneider aus der Helios Klinik Rottweil erklärt, warum Aufklärung bei diesem Thema spätere Unbill vermeiden helfen kann.

Prof. Dr. Lars Alexander Schneider ist Chefarzt der Hautklinik im Rottweiler Krankenhaus. Zu ihm kommen täglich Patienten mit bösartigen Veränderungen der Haut – und es werden immer mehr. Prof. Dr. Schneider: „Laut Weltgesundheitsorganisation nimmt der Anteil der Menschen, die an Hautkrebs erkranken, in Deutschland und weltweit stärker zu als bei jeder anderen Krebserkrankung. Ein Grund: Wir werden immer älter und der Hautkrebs sucht uns im Rentenalter heim.“ Doch in letzter Zeit, so der Chefarzt, würden die Patienten immer jünger.

Die meisten Fälle ließen sich vermeiden. Prof. Dr. Schneider: „UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht oder aus dem Solarium ist der Hauptauslöser für Hautkrebs. Theoretisch weiß das jeder, aber es fehlt nahezu jedem die letzte Konsequenz im Umgang mit der Sonne!“ Konsequent hieße: Mittagssonne meiden, Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden, einen Sonnenhut zum Schutz des Gesichtes tragen, empfindliche Kinderhaut mit langärmeliger Badebekleidung bedecken. Und das nicht nur am Urlaubsstrand, sondern auch im heimischen Freibad oder auf der Terrasse im Sommer.

Prof. Dr. Schneider arbeitet mit in der „Initiative Nationale Versorgungskonferenz Hautkrebs“, kurz NVKH. Die NVKH ist ein eingetragener Verein; sie verbindet deutschlandweit Dermatologen, Entscheidungsträger und andere Akteure des Gesundheitswesens sowie deren Projektvorhaben unter einem Dach. Hier werden Projekte unterstützt und finanziert, die Aufklärung, Prävention, Früherkennung und Versorgung im Bereich Hautkrebs fördern. Prof. Dr. Schneider ist die Aufklärung zum Thema Sonne ein besonderes Anliegen.

„Gerade junge Menschen haben oft ein sehr ungesundes Bräunungsverhalten, denn in unserer Gesellschaft wird Bräune noch immer mit Attraktivität gleichgesetzt.“ Diese Zielgruppe, so der Hautspezialist, müsse für die Thematik besonders sensibilisiert werden, um die nachfolgende Generation entsprechend zu prägen und vor allem Langzeitschäden im Alter zu mindern.

Neben vielen anderen wissenschaftlichen Projekten hat die NVHK deshalb die Entwicklung einer App finanziert, die eben diese Zielgruppe anspricht. Mit der App „Sunface“ können User auf dem Smartphone erleben, wie sich ihre Haut durch Sonne oder Solarium im Laufe der Jahre verändert. Daneben gibt’s Tipps zum besseren Sonnenschutzverhalten und Erklärungen, wie man Krebs oder dessen Vorstufen an der eigenen Haut erkennen kann.

Prof. Dr. Schneider: „Es ist wichtig, dass die jungen Leute über solche modernen Programme in einem Zeitraffer sehen können, was die Sonne über Jahrzehnte mit ihrem Gesicht macht. So kennen sie später als Eltern die Risiken einer hohen UV-Exposition und können entsprechend handeln!“ Was fürs Autofahren der Kindersitz ist, sollte fürs Sonnenbad beispielsweise die UV-Schutzkleidung für Kinder sein. Prof. Dr. Schneider ist sich sicher: „Wer als Kinde so aufwächst, in dem wächst auch das Bewusstsein für die Gefahr, die im Licht der Sonne liegt“.

Und wo bleibt dann die Attraktivität durch Bräune? Ganz einfach: „Die kann gerne aus der Tube kommen. Selbstbräuner schaden der Haut nicht, und es gibt sie sogar mit Sonnenschutz.“

 

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