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Samstag, 8. August 2020
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    Das halbe Dorf ist auf den Beinen: Ortstermin zur geplanten ENRW-Ansiedlung in Neufra

    Berland: Bürger, Stadt und ENRW diskutieren vor Ort

    Im Rahmen einer öffentlichen Ortschaftsratssitzung haben Stadt, Energieversorgung Rottweil (ENRW) und Bürger vor Ort über die geplante Ansiedlung der ENRW im Neufraer Gewerbegebiet „Berland“ diskutiert. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger aus Neufra, die Neufraer Ortschaftsräte und einige Mitglieder des Rottweiler Gemeinderats nahmen trotz hochsommerlicher Temperaturen teil. Das berichtet die veranstaltende Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung.

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    „Wir wollen mit Ihnen vor Ort ins Gespräch kommen und über den aktuellen Stand der Planungen informieren“, sagte Oberbürgermeister Ralf Broß zu Beginn des Gesprächs. Ziel von Stadt und ENRW sei es, im Dialog mit Bürgerschaft und Ortschaftsrat eine baulich verträgliche Lösung für den Neubau des ENRW-Firmengeländes im Gewerbegebiet „Berland“ zu erreichen.

    Ortsvorsteher Willy Schaumann fasste im Anschluss die Beschlusslage des Ortschaftsrats zusammen und warb engagiert für Verständnis für das Vorhaben. Man stehe weiterhin zum Grundsatzbeschluss, die ENRW im Gewerbegebiet Berland anzusiedeln. Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage und eines Generationenwechsels im Bestand sei Neufra die nächsten zehn Jahre sicherlich gut mit Wohnbaugrundstücken versorgt. „Und Neubaugebiete sind auch in anderen Kommunen endlich.“

    ENRW-Geschäftsführer Christoph Ranzinger stellte das Vorhaben vor: So plant die ENRW den Neubau von Büroräumen und Betriebsanlagen auf rund 10.000 Quadratmetern. Die Erschließung sei über die Stuttgarter Straße geplant, die Mitarbeiter erhalten Parkplätze auf dem ENRW-Gelände. Der neue Standort liege in der Mitte des Versorgungsgebiets und bietet die Möglichkeit, auch den Landkreis Tuttlingen optimal zu versorgen. „Sie bekommen hier einen Betrieb mit rund 140 Arbeitsplätzen mit sehr geringen Lärm- und keinen Geruchsimmissionen. Wir freuen uns auf Neufra.“

    Bürgermeister Dr. Christian Ruf und Fachbereichsleiter Lothar Huber umrissen den aktuellen Planungsstand und gaben einen Ausblick auf mögliche Veränderungen im Umfeld des Vorhabens. Durch den Neubau der ENRW könnten etwa zwei bis vier Bauplätze im direkten Umfeld entfallen. „Im angrenzenden Wohngebiet ist jedoch Platz für rund 20 Baugrundstücke. Zudem gibt es noch zahlreiche innerörtliche Baulücken. Bei einer Nachfrage von im Schnitt zwei Baugrundstücken im Jahr ist der Bedarf an Wohnbauplätzen damit weiterhin gedeckt“, betonte der Bürgermeister. Zwischen dem Gewerbegebiet und der bestehenden Wohnbebauung sieht der aktuelle Bebauungsplan einen begrünten Lärmschutzwall als Puffer vor. „Dieser war für die geplante Ansiedlung lärmintensiver Gewerbebetriebe als erforderlich angesehen worden“, brachte Fachbereichsleiter Lothar Huber in Erinnerung. Entsprechende Schutzvorkehrungen werden auch bei der jetzt geplanten ENRW-Ansiedlung unter Berücksichtigung bauplanerischer Details festgesetzt werden. Dies kann in ganz unterschiedlicher Form teilweise auch innerhalb des Betriebsgeländes abgebildet werden und beispielsweise durch Wände, einen Erdwall oder eine Bepflanzung geschehen.



    In der anschließenden Diskussion brachten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken gegen die Ansiedlung zum Ausdruck. Die größte Sorge: Durch die Bebauung der letzten großen Freifläche falle Wohnraum und eine mögliche Erweiterungsmöglichkeit für Neufraer Gewerbebetriebe weg. Auch die Höhe des ENRW-Betriebsgebäudes, der Wegfall des Grünwalls und eine zusätzliche Verkehrsbelastung der angrenzenden Wohngebiete wurden thematisiert. Im Diskussionsverlauf war aber auch erkennbar, dass es in Neufra durchaus Befürworter der ENRW-Ansiedlung gibt, sogar einige Bürger mit „Willkommen ENRW“-T-Shirts hatten sich unter die Diskussionsteilnehmer gemischt.

    „Bitte sehen Sie die Chancen für Neufra: Mit der ENRW kommen zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze in den Ort, damit werden sich auch junge Familien hier ansiedeln. Das sichert den Bestand von Schule und Kindergarten, vielleicht wird der Ort auch für einen Bäcker oder Nahversorger wieder interessant“, betonte Oberbürgermeister Ralf Broß im Verlauf der Diskussion. Diese Argumentation unterstützte auch Stadtrat Rasmus Reinhardt. Wegen der Corona-Pandemie drohe ein schmerzhafter wirtschaftlicher Einschnitt. „Sie haben hier die Chance, einen wirklich krisensicheren Betrieb anzusiedeln. Energie wird immer gebraucht.“

    Oberbürgermeister Ralf Broß bat um Verständnis, dass Details erst geklärt werden könnten, wenn die ENRW ihre konkreten Pläne ausgearbeitet hat. Der OB sagte zu, dass die Sorgen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger im anstehenden Bebauungsplanänderungsverfahren gehört und sorgfältig abgewogen werden. Nach jetzigem Stand wolle man in der zweiten Jahreshälfte dann mit konkreteren Plänen in den Ortschaftsrat kommen und mit der Bürgerschaft diskutieren. Die Bürgerschaft soll umfassend im Planungsverfahren beteiligt werden.

     

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