Ein bes­tens besuch­ter Abend bei Buch Greu­ter in Rott­weil hat am Diens­tag über­ra­schen­de Ein­bli­cke in das Pro­jekt thyssenkrupp-Test­turm gebo­ten. Den wohl 100 von Haus aus wohl­in­for­mier­ten Gäs­ten lie­fer­ten die drei Refe­ren­ten – der Foto­graf Ralf Gra­ner, der städ­ti­sche Wirt­schafts­för­de­rer André Lom­sky und der thyssenkrupp-For­scher Tho­mas Ehrl – manch neue Anek­do­te. Dass auch im Publi­kum thyssenkrupp-Leu­te saßen und vie­le der Vor­trags­be­su­cher anschlie­ßend „Turm-Brut” einer Rott­wei­ler Wein­hand­lung schlürf­ten, bewies eigent­lich nur die enge Ver­bin­dung, die zwi­schen dem Kon­zern und der Klein­stadt inzwi­schen ent­stan­den ist.

Vor­trag bei Buch-Greu­ter. Foto: Det­lef Berndt

Wir, lie­be Leser, also Sie und ich, sind über den Turm gut infor­miert. 246 Meter hoch, zwölf Auf­zugs­schäch­te, höchs­te Aus­sichts­platt­form Deutsch­lands auf 232 Metern – bei Tri­vi­al Pur­su­it wür­den wir alle und jeden schla­gen. Sol­len die von Has­bro uns die­se Fra­gen mal in die nächs­te Aus­ga­be des bekann­ten Brett­spiels packen. Wir sind bereit.

Und doch: Es gibt Details, Anek­do­ten, Inti­mi­tä­ten, die bis­lang noch nicht aus­ge­packt wor­den sind. Allen vor­an die NRWZ, selbst­be­wusst in ihrer Art, hät­te das nicht für mög­lich gehal­ten. Was an einem Abend, an dem eben ein Foto­graf, ein städ­ti­scher Ange­stell­ter und einer von thyssenkrupp spre­chen, erzählt wird, das muss schon mal im Blatt gestan­den haben. Kann gar nicht anders sein. Dach­te sie.

Und das stimm­te auch – aber nur zu unge­fähr 75 Pro­zent. So bot der Rott­wei­ler Foto­graf Ralf Gra­ner, von thyssenkrupp früh ange­heu­ert als bild­li­cher Beglei­ter des Mega­pro­jekts auf dem Ber­ner Feld, tat­säch­lich bis­lang unver­öf­fent­lich­te und wirk­lich auch schö­ne, ästhe­ti­sche, tech­nisch tol­le Fotos von der Ent­ste­hung des Turms. Was er da auf die Lein­wand brach­te, konn­te an sich nie­mand unter den Zuschau­ern bis­lang so gese­hen haben, die NRWZ müss­te das wis­sen. Einer­seits gestal­te­risch fein aus­ta­rier­te Archi­tek­tur­bil­der etwa von der Beton­röh­re auf dem Ber­ner Feld, ande­rer­seits auch Por­träts von den Men­schen, die das Ding hoch­ge­zo­gen haben, im Schwei­ße ihres Ange­sichts und mit Täto­wie­run­gen auf dem Bizeps.

(Wobei Rott­weil nicht Rott­weil wäre, wenn nicht nach der Prä­sen­ta­ti­on ein an Jah­ren nicht mehr jun­ger Zuschau­er zu Gra­ner gemeint hät­te, dass des­sen Leis­tung als Spre­cher noch aus­bau­fä­hig sei …)

Zudem gab thyssenkrupp-Mann Tho­mas Ehrl – er ist ein geüb­ter Prä­sen­ta­tor und vier Tage die Woche in Rott­weil wohn­haft, genau­er: in Gölls­dorf, wir unter­schei­den hier ja bis ins Feins­te –  ger­ne mög­lichst viel und detail­liert Aus­kunft über sei­ne Arbeit vor Ort gab. Oder halt eben so viel Ein­blick, dass Mark Stag­ge, Inte­rims-Pres­se­spre­cher von thyssenkrupp Ele­va­tor, der im Publi­kum saß, nicht zu sehr Angst und Ban­ge wur­de. Immer­hin han­delt es sich bei der Erpro­bung von Mul­ti, jenem seil­lo­sen, selbst­fah­ren­den Auf­zug­sys­tem, um eine in der Ent­wick­lung befind­li­che Welt­neu­heit. Oder halt Revo­lu­ti­on, wie thyssenkrupp das nennt. Da darf man nicht zu vie­le Details ver­öf­fent­li­chen, auch vor einem mut­maß­lich Rott­wei­ler und damit nicht-asia­ti­schen Publi­kum.

Aber wer hät­te das gedacht, außer dem Autor die­ser Zei­len, selbst­ver­ständ­lich: André Lom­sky, der Mann mit dem staub­tro­cke­nen Job­ti­tel Wirt­schafts­för­de­rer der Stadt Rott­weil, ist ein elo­quen­ter Unter­hal­ter. Mit­ten in sei­nem Metier. Ein Mann, der zwar wie der West­fa­le Ehrl als Ber­li­ner kein ordent­li­ches Rott­wei­le­risch spricht und nie­mals spre­chen wird, der aber in Test­turm­din­gen so bewan­dert ist wie es ein Luis Tren­ker in Berg­stei­ge­rei­en war.

Und er ver­riet: dass es mal einen Betonn­ne­bel gege­ben hat über dem Ber­ner Feld, der die gepark­ten Autos bespren­kel­te, und wegen dem sich der Bau­un­ter­neh­mer Züb­lin ent­schlos­sen hat, Gra­tis-Kar­ten für die Wasch­an­la­ge an die Fahr­zeug­be­sit­zer aus­zu­ge­ben.

Er ver­riet auch: dass die Boh­run­gen für die Hal­te­run­gen des Gestän­ges, das wie­der­um die Mem­bran tra­gen soll, maxi­mal zwei Mil­li­me­ter Tole­ranz hat­ten. Und wenn eine Boh­rung im beton- und stahl­har­ten Mate­ri­al der Turm­wand um mehr als zwei Mil­li­me­ter ver­setzt gewe­sen ist, dann ist das Loch eben wie­der ver­füllt wor­den, mit einem super­fes­ten Kle­ber, wie Lom­sky erklär­te. Und dann haben die Arbei­ter von vor­ne begon­nen, mit dem Boh­ren.

Und er ver­riet, dass er gott­froh ist, dass thyssenkrupp Ele­va­tor eigent­lich ein­fach hat bau­en dür­fen. Dass da kei­ne Bür­ger­initia­ti­ve quer­kam. Dass das Unter­neh­men das schma­le Zeit­fens­ter, das für eine sol­che Inves­ti­ti­on – ein mit­tig zwei­stel­li­ger Mil­lio­nen­be­trag, so Ehrl – offen sei, auch habe nut­zen kön­nen. Dass es eben kei­ne Ver­zö­ge­run­gen gege­ben hat, kei­nen Mit­nah­me­pro­zess für die Bür­ger auf einen Bür­ger­ent­scheid hin. „Sonst wür­den wir heu­te nicht vor Ihnen ste­hen”, so Lom­sky zu den Besu­chern des Buch-Greu­ter-Abends. Dann gäbe es den Turm nicht, dann müss­te man kei­nen Vor­trag über ihn hal­ten.

Blick­wech­sel. Vie­le von Ihnen, lie­be Leser, wer­den ohne­hin nicht bis zu die­sen, nun fol­gen­den Zei­len vor­ge­drun­gen sein. Und denen, die es sind, kann eine gewis­se Lei­dens­fä­hig­keit unter­stellt wer­den. Des­halb sei’s hier nie­der­ge­schrie­ben: Rott­weil ist geil auf die­sen Turm. Er bringt die Stadt in die Welt­pres­se. Er ist eine Land­mar­ke: Dort ist Rott­weil. Der Gewer­be- und Han­dels­ver­ein (GHV) hat den Test­turm für Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge längst als Zug­pferd für sei­ne Ver­an­stal­tun­gen ein­ge­spannt wie der Sen­der RTL Niki Lau­da für For­mel-1-Sen­dun­gen. Die Leu­te inter­es­sie­ren sich für das Bau­werk, sau­gen jedes Detail auf. Der Vor­trag beim Buch­händ­ler in der Haupt­stra­ße war rasch aus­ver­kauft.

Jetzt hat der GHV schon eine blau-bun­te Tasche mit Turm­mo­ti­ven her­aus­ge­bracht – die Zuschau­er beim Greu­ter-Abend erhiel­ten sie gra­tis. Der ört­li­che Bett­wa­ren­händ­ler will mit Turm-Hand­tü­chern auf­war­ten, der Wein­händ­ler hat einen Sekt namens „Turm-Brut” auf­ge­legt, der auch noch lecker schmeckt. Der Ein­zel­han­del ist bereit, wird Teil die­ser Auf­bruch­stim­mung. Fin­dig ist auch Eck­hart Fink, Fili­al­lei­ter von Buch Greu­ter. Der Test­turm aus Lego geht auf ihn zurück, der zum Event gewach­se­ne Dia­abend mit Gra­ners Fotos sowie­so. Das anschlie­ßen­de Gläs­chen Turm-Brut. Der Abend in sei­ner Filia­le ging län­ger.

Rott­weil hat es geschafft, das ist an die­sem Abend bei Buch-Greu­ter wie­der deut­lich gewor­den, dass thyssenkrupp nicht ein­fach einen Test­turm hin­stellt. Son­dern dass das Unter­neh­men die­sen den Bür­gern öff­net. Und mehr noch: dass es sich Gedan­ken dar­um macht, wie der Turm auch Rott­weil wei­ter brin­gen kann. So etwa der thyssenkrupp-For­scher Tho­mas Ehrl, der nicht nur über Auf­zug­sys­te­me der fer­nen Zukunft nach­denkt, son­dern auch begon­nen hat, Rott­weil zu mögen und dar­über nach­zu­den­ken, wie er hier netz­wer­ken, sein Know-How gewinn­brin­gend für die Stadt ein­set­zen kann.

Enga­ge­ment, das man für Geld nicht kau­fen kann. Es mag dar­an lie­gen, dass sich alle duzen, der Ralf, der André, der Tho­mas, der Eck­hart, dar­über hin­aus noch der Impuls- und Ide­en­ge­ber Alfons (Bürk) und der Event­ma­na­ger und thyssenkrupp-Kon­takt­mann Tho­mas (Wen­ger von der Trend­fac­to­ry), des­sen Name am Diens­tag auch erst­mals im Turm-Ent­ste­hungs-Kon­text genannt wor­den ist. Und vie­le ande­re.

Für die bes­tens vor­in­for­mier­ten Zuhö­rer am Diens­tag­abend bei Greu­ter, die Fra­gen for­mu­lier­ten wie: „Der Kran, der im Moment auf dem Turm ist und der ja mit einem Hub­schrau­ber hin­ge­flo­gen wor­den ist, bleibt der eigent­lich auf dem Turm?”, für die­se Turm­spe­zia­lis­ten unter den Zuhö­rern war das ein sehr infor­ma­ti­ver Abend. Und alle ande­ren konn­ten Gra­ners bis­lang unver­öf­fent­lich­te Bil­der genie­ßen. Hey – und ein Gra­tis-Gläs­chen Turm-Brut.