Der Aufzugtestturm von ThyssenKrupp in Rottweil – Fragen, Antworten und ein Video

Zahlen und Fakten rund um das Mammutprojekt

An diesem Wochenende soll der ThyssenKrupp-Aufzugtestturm in Rottweil mit einem großen Fest eröffnet werden. Vor dieser großen Party bietet die NRWZ die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem sehr besonderen Bauwerk. ThyssenKrupp hat diese Journalisten zur Verfügung gestellt. Ebenso ein Video (siehe oben), das den Bau des Turms im Zeitraffer zeigt.

Der ThyssenKrupp-Testturm: ein Stützpfeiler für die Zukunft, Besuchermagnet und Wahrzeichen des Fortschritts. So selbstbewusst feiert der Erbauer selbst das Bauwerk auf dem Berner Feld.

Foto: ThyssenKrupp

Im Vorfeld seiner Eröffnung hat das Unternehmen die aus seiner Sicht wichtigsten Fragen rund um das Projekt beantwortet. Die NRWZ bringt sie hier auf einen Blick und im Wortlaut. 

Was ist das Besondere am ThyssenKrupp-Testturm in Rottweil?

Der Testturm ist das höchste Gebäude Baden-Württembergs, die Besucherplattform in 232 Metern Höhe sogar die höchste Deutschlands. Insgesamt sind 15.000 Kubikmeter Beton und mehr als 2.500 Tonnen Stahl verbaut worden. Mit 3,6 Metern am Tag ist der Turm drei Mal so schnell gewachsen wie eine Bambuspflanze unter perfekten Bedingungen.

30.000 Kubikmeter Aushub sind beim Bau bewegt worden – auf einer Grundstücksfläche von 10.000 Quadratmetern, was etwa 50 Tennisfeldern entspricht. Der fertige Turm bringt

40.000 Tonnen auf die Waage – so viel wie 8.000 Elefanten.

Was ist der konkrete Sinn eines Testturms für Aufzüge?

Die 246 Meter hohe Konstruktion dient dem Test sowie der Zertifizierung von Aufzugsinnovationen und verkürzt auf der ganzen Welt die Entwicklungszeit zukünftiger und in der Konstruktion befindlicher Wolkenkratzer erheblich. Doch die Idee geht weit über die eigentliche Nutzung hinaus: Als Bauwerk des technologischen Zeitalters symbolisiert der Turm die Ingenieurskunst von ThyssenKrupp und steht als öffentliches Symbol auch für die Stadt Rottweil. Er steht im Dialog mit Rottweils historischen Kirch- und Wehrtürmen aus dem Mittelalter.

Was hat der Turm gekostet?

ThyssenKrupp hat etwas mehr als 40 Millionen Euro investiert.

Wie lange dauerte die Bauzeit? Warum ist die Membran zur Eröffnung noch nicht ganz fertig?

Vom ersten Spatenstich bis zum Richtfest dauerte es weniger als zehn Monate: Am 2. Oktober 2014 fand der Spatenstich statt, Richtfest wurde am 29. Juli 2015 gefeiert. Am 12. Dezember 2016 startete dann der Forschungsbetrieb. All dies wurde im vorgesehenen Zeitrahmen und Budget verwirklicht. Eine der größten Herausforderungen des Turmbaus ist die Anbringung der Außenhaut, auch Membran genannt. Die Rottweiler Variante ist in ihrer Dimension und Höhe einmalig und wurde nie zuvor so umgesetzt. Fragen der technischen Umsetzbarkeit und das Wetter – beides unter Berücksichtigung der Sicherheit und der geforderten Qualität – haben einige Korrekturen und damit leichte Zeitverzögerungen verursacht. Innovative Hilfsmittel – insbesondere der Montageshuttle – mussten vor Ort entwickelt und zertifiziert werden, damit die Leistung überhaupt erbracht werden konnte.

Foto: ThyssenKrupp

Wie viele Stockwerke hat der Testturm?

Der Turm hat 26 Stockwerke, die jeweils zehn Meter auseinander liegen, und zehn Stockwerke, die drei bis fünf Meter Abstand haben – insgesamt kommt er also auf 36 Ebenen. Oberhalb vom Erdgeschoss zählt der Turm 29 Etagen, die man mit dem Besucheraufzug anfahren kann – über die Zahlen eins bis 28 und P wie Plattform. Der Keller des Testturms ragt 30 Meter tief in den Felsboden hinein und gibt ihm einen besonders festen Stand. Die tiefste begehbare Ebene liegt auf der Betonbodenplatte bei minus 29 Metern. Würden wir wie in einem typischen Gebäude alle 3,5 Meter eine Ebene haben, dann könnten wir in diesem Turm 75 Stockwerke realisieren.

Wie viele Treppenstufen hat der Turm?

Pro zehn Meter Turmhöhe sind im Treppenhaus 60 Stufen zu bewältigen. In Summe kommt man damit auf 1.617 Treppenstufen.

Wie lange dauert die Fahrt auf Turm?

Der Panoramaaufzug fährt acht Meter pro Sekunde und legt eine Höhe von 232 Metern zurück. Damit sind die Besucher in ca. 30 Sekunden auf Deutschlands höchster Plattform.

Schwankt der Turm?

Ja, durch die Kraft des Windes kann die Auslenkung des Turmes bis zu 75 cm betragen. Um dieses Maß zu reduzieren, ist ein Schwingungstilger eingebaut. Für die Ingenieure ist es wichtig und gut, dass der Turm schwingen kann: Die Aufzugsschächte erfahren somit reelle Testbedingungen.

Gibt es Pläne, den Turm, die Konferenzebene oder die Aussichtsplattform als Veranstaltungsort für private oder geschäftliche Feiern zu buchen?

Ja, die Räume im ThyssenKrupp-Testturm sind für Firmenevents, Tagungen, Workshops, Produktpräsentationen, Lesungen, Konzerte, Geburtstage, Hochzeiten oder vieles mehr buchbar. Melden Sie sich einfach bei uns über die Internetseite www.testturm.de.

Freitags (10 bis 18 Uhr), samstags (10 bis 20 Uhr) und sonntags/feiertags (10 bis 18 Uhr) öffnet der Testturm außerdem seine Türen für die Öffentlichkeit. 30 Minuten vor Schließung findet die letzte Auffahrt statt. Tickets können über die Internetseite oder direkt vor Ort gekauft werden. Einer Fahrt hoch zu Deutschlands höchster Besucherplattform steht damit nichts im Wege.

Wie viele Aufzugs-Testschächte gibt es und wie hoch sind diese?

Der Testturm beinhaltet insgesamt zwölf Aufzugsschächte, von denen neun als Testschächte genutzt werden. So können Ingenieure High-Speed-Aufzüge mit bis zu 18 m/s (64 km/h) auf Testfahrt schicken. Hinzu kommen Testanlagen für das TWIN- Aufzugssystem, in dem zwei Kabinen unabhängig voneinander in einem Schacht fahren. Drei Testschächte sind für den revolutionären MULTI reserviert – das erste seillose Aufzugssystem der Welt. Ein Teil der Schächte reicht mit 200 Metern Höhe fast bis in die Spitze, andere enden in etwa 120 Metern Höhe. Der darüber liegende Platz dient als Energiespeicher: Hier wird die Wärme, die unter anderem durch Motoren und Rechner während des Testbetriebs entsteht, aufgefangen und je nach Bedarf über Wärmetauscher zurückgeführt. Das macht den Turm nicht nur zum ambitionierten „Himmelsstürmer“, sondern dient auch dazu, Nachhaltigkeitseffekte zu erzielen.

In dem Testturm haben wir vier MULTI-Kabinen in Betrieb, die sich vertikal und horizontal – mit einem magnetbasierten Linearantriebsystem ausgestattet – bewegen. Das MULTI- Aufzugsystem fährt in einer Schleife – 80 m vertikal und 5 m horizontal.

Welchen Zweck erfüllt die kunstvolle Membran?

Die Membran hat zwei Hauptfunktionen. Zum einen wird die Beton-Außenhaut des Testturms durch die Membran vor Wind und Wetter geschützt und die Windlasten, die auf den Turm wirken, werden reduziert. Damit ergibt sich eine optimale Aerodynamik.

Trotz der imposanten Höhe soll außerdem ein leichtes, filigranes Erscheinungsbild gewahrt werden, um auf die Anwohner und die unmittelbare Umgebung Rücksicht zu nehmen. Die Architekten Werner Sobek mit Helmut Jahn haben den Betonschaft des Turms auch deshalb mit einer Hülle aus Glasfasergewebe verkleidet. Das Gewebe beginnt am Fuß engmaschig, gibt nach oben hin immer mehr vom Turm preis und reflektiert das Licht zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten verschieden – dadurch bekommt der Turm je nach Wetterlage und Zeit eine andere Anmutung.

Wie steht die Politik zu dem Turm?

Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß begrüßt das Vorhaben: „ThyssenKrupp ist bei uns hochwillkommen. Die Investition bedeutet eine nachhaltige Stärkung des Wirtschaftsstandorts Rottweil auf der Technologie- und Innovationsachse Stuttgart-Zürich. Die Ansiedlung von ThyssenKrupp Elevator ist ein wichtiger Impuls für die wirtschaftliche Weiterentwicklung Rottweils und daher eine große Chance für die Stadt. Die älteste Stadt Baden-Württembergs steht für eine ausgeprägte und innovative mittelständische Wirtschaft mit einem engagierten Unternehmertum. Rottweil wird durch diese Millioneninvestition weit über seine Grenzen bekannt werden und Touristen und vielleicht auch Investoren anlocken.

Die Verbindung von Mittelalter und Moderne kann ein einzigartiges Ambiente schaffen. Diese Top-Ansiedlung bietet Potenzial für Tourismus und Wirtschaft.“

Für wie viele neue Vollzeitarbeitsplätze sorgt der Turm?

Während der Bauphase waren mehrere hundert temporäre Arbeitsplätze am Testturm nötig. Im Turm selbst wurden über 30 Arbeitsplätze dauerhaft geschaffen, davon 25 Arbeitsplätze für hochqualifizierte Ingenieure, die im Testturm beste Bedingungen für die zukünftige Entwicklung von Aufzugsinnovationen vorfinden. Zudem wird der Bau auch als Standort für Schulungen von Ingenieuren und Servicetechnikern genutzt. ThyssenKrupp erwartet zudem Besuche von Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Bereichen sowie interessierten Kunden aus aller Welt – all das wird für weitere positive Effekte sorgen. Aussagen zur zusätzlichen Zahl der Vollarbeitsplätze im Tourismus lassen sich in dieser Phase allerdings noch nicht treffen.

 

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