Der Aufzugtestturm von ThyssenKrupp in Rottweil – Fragen, Antworten und ein Video

Zahlen und Fakten rund um das Mammutprojekt

2996

An die­sem Wochen­en­de soll der thyssenkrupp-Auf­zug­test­turm in Rott­weil mit einem gro­ßen Fest eröff­net wer­den. Vor die­ser gro­ßen Par­ty bie­tet die NRWZ die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zu die­sem sehr beson­de­ren Bau­werk. thyssenkrupp hat die­se Jour­na­lis­ten zur Ver­fü­gung gestellt. Eben­so ein Video (sie­he oben), das den Bau des Turms im Zeit­raf­fer zeigt.

Der thyssenkrupp-Test­turm: ein Stütz­pfei­ler für die Zukunft, Besu­cher­ma­gnet und Wahr­zei­chen des Fort­schritts. So selbst­be­wusst fei­ert der Erbau­er selbst das Bau­werk auf dem Ber­ner Feld.

Foto: thyssenkrupp

Im Vor­feld sei­ner Eröff­nung hat das Unter­neh­men die aus sei­ner Sicht wich­tigs­ten Fra­gen rund um das Pro­jekt beant­wor­tet. Die NRWZ bringt sie hier auf einen Blick und im Wort­laut. 

Was ist das Besondere am ThyssenKrupp-Testturm in Rottweil?

Der Test­turm ist das höchs­te Gebäu­de Baden-Würt­tem­bergs, die Besu­cher­platt­form in 232 Metern Höhe sogar die höchs­te Deutsch­lands. Ins­ge­samt sind 15.000 Kubik­me­ter Beton und mehr als 2.500 Ton­nen Stahl ver­baut wor­den. Mit 3,6 Metern am Tag ist der Turm drei Mal so schnell gewach­sen wie eine Bam­bus­pflan­ze unter per­fek­ten Bedin­gun­gen.

30.000 Kubik­me­ter Aus­hub sind beim Bau bewegt wor­den – auf einer Grund­stücks­flä­che von 10.000 Qua­drat­me­tern, was etwa 50 Ten­nis­fel­dern ent­spricht. Der fer­ti­ge Turm bringt

40.000 Ton­nen auf die Waa­ge – so viel wie 8.000 Ele­fan­ten.

Was ist der konkrete Sinn eines Testturms für Aufzüge?

Die 246 Meter hohe Kon­struk­ti­on dient dem Test sowie der Zer­ti­fi­zie­rung von Auf­zugs­in­no­va­tio­nen und ver­kürzt auf der gan­zen Welt die Ent­wick­lungs­zeit zukünf­ti­ger und in der Kon­struk­ti­on befind­li­cher Wol­ken­krat­zer erheb­lich. Doch die Idee geht weit über die eigent­li­che Nut­zung hin­aus: Als Bau­werk des tech­no­lo­gi­schen Zeit­al­ters sym­bo­li­siert der Turm die Inge­nieurs­kunst von thyssenkrupp und steht als öffent­li­ches Sym­bol auch für die Stadt Rott­weil. Er steht im Dia­log mit Rott­weils his­to­ri­schen Kirch- und Wehr­tür­men aus dem Mit­tel­al­ter.

Was hat der Turm gekostet?

thyssenkrupp hat etwas mehr als 40 Mil­lio­nen Euro inves­tiert.

Wie lange dauerte die Bauzeit? Warum ist die Membran zur Eröffnung noch nicht ganz fertig?

Vom ers­ten Spa­ten­stich bis zum Richt­fest dau­er­te es weni­ger als zehn Mona­te: Am 2. Okto­ber 2014 fand der Spa­ten­stich statt, Richt­fest wur­de am 29. Juli 2015 gefei­ert. Am 12. Dezem­ber 2016 star­te­te dann der For­schungs­be­trieb. All dies wur­de im vor­ge­se­he­nen Zeit­rah­men und Bud­get ver­wirk­licht. Eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen des Turm­baus ist die Anbrin­gung der Außen­haut, auch Mem­bran genannt. Die Rott­wei­ler Vari­an­te ist in ihrer Dimen­si­on und Höhe ein­ma­lig und wur­de nie zuvor so umge­setzt. Fra­gen der tech­ni­schen Umsetz­bar­keit und das Wet­ter – bei­des unter Berück­sich­ti­gung der Sicher­heit und der gefor­der­ten Qua­li­tät – haben eini­ge Kor­rek­tu­ren und damit leich­te Zeit­ver­zö­ge­run­gen ver­ur­sacht. Inno­va­ti­ve Hilfs­mit­tel – ins­be­son­de­re der Mon­ta­ges­hut­tle – muss­ten vor Ort ent­wi­ckelt und zer­ti­fi­ziert wer­den, damit die Leis­tung über­haupt erbracht wer­den konn­te.

Foto: thyssenkrupp

Wie viele Stockwerke hat der Testturm?

Der Turm hat 26 Stock­wer­ke, die jeweils zehn Meter aus­ein­an­der lie­gen, und zehn Stock­wer­ke, die drei bis fünf Meter Abstand haben – ins­ge­samt kommt er also auf 36 Ebe­nen. Ober­halb vom Erd­ge­schoss zählt der Turm 29 Eta­gen, die man mit dem Besu­cher­auf­zug anfah­ren kann – über die Zah­len eins bis 28 und P wie Platt­form. Der Kel­ler des Test­turms ragt 30 Meter tief in den Fels­bo­den hin­ein und gibt ihm einen beson­ders fes­ten Stand. Die tiefs­te begeh­ba­re Ebe­ne liegt auf der Beton­bo­den­plat­te bei minus 29 Metern. Wür­den wir wie in einem typi­schen Gebäu­de alle 3,5 Meter eine Ebe­ne haben, dann könn­ten wir in die­sem Turm 75 Stock­wer­ke rea­li­sie­ren.

Wie viele Treppenstufen hat der Turm?

Pro zehn Meter Turm­hö­he sind im Trep­pen­haus 60 Stu­fen zu bewäl­ti­gen. In Sum­me kommt man damit auf 1.617 Trep­pen­stu­fen.

Wie lange dauert die Fahrt auf Turm?

Der Pan­ora­ma­auf­zug fährt acht Meter pro Sekun­de und legt eine Höhe von 232 Metern zurück. Damit sind die Besu­cher in ca. 30 Sekun­den auf Deutsch­lands höchs­ter Platt­form.

Schwankt der Turm?

Ja, durch die Kraft des Win­des kann die Aus­len­kung des Tur­mes bis zu 75 cm betra­gen. Um die­ses Maß zu redu­zie­ren, ist ein Schwin­gungs­til­ger ein­ge­baut. Für die Inge­nieu­re ist es wich­tig und gut, dass der Turm schwin­gen kann: Die Auf­zugs­schäch­te erfah­ren somit reel­le Test­be­din­gun­gen.

Gibt es Pläne, den Turm, die Konferenzebene oder die Aussichtsplattform als Veranstaltungsort für private oder geschäftliche Feiern zu buchen?

Ja, die Räu­me im thyssenkrupp-Test­turm sind für Fir­menevents, Tagun­gen, Work­shops, Pro­dukt­prä­sen­ta­tio­nen, Lesun­gen, Kon­zer­te, Geburts­ta­ge, Hoch­zei­ten oder vie­les mehr buch­bar. Mel­den Sie sich ein­fach bei uns über die Inter­net­sei­te www.testturm.de.

Frei­tags (10 bis 18 Uhr), sams­tags (10 bis 20 Uhr) und sonntags/feiertags (10 bis 18 Uhr) öff­net der Test­turm außer­dem sei­ne Türen für die Öffent­lich­keit. 30 Minu­ten vor Schlie­ßung fin­det die letz­te Auf­fahrt statt. Tickets kön­nen über die Inter­net­sei­te oder direkt vor Ort gekauft wer­den. Einer Fahrt hoch zu Deutsch­lands höchs­ter Besu­cher­platt­form steht damit nichts im Wege.

Wie viele Aufzugs-Testschächte gibt es und wie hoch sind diese?

Der Test­turm beinhal­tet ins­ge­samt zwölf Auf­zugs­schäch­te, von denen neun als Test­schäch­te genutzt wer­den. So kön­nen Inge­nieu­re High-Speed-Auf­zü­ge mit bis zu 18 m/s (64 km/h) auf Test­fahrt schi­cken. Hin­zu kom­men Test­an­la­gen für das TWIN- Auf­zugs­sys­tem, in dem zwei Kabi­nen unab­hän­gig von­ein­an­der in einem Schacht fah­ren. Drei Test­schäch­te sind für den revo­lu­tio­nä­ren MULTI reser­viert – das ers­te seil­lo­se Auf­zugs­sys­tem der Welt. Ein Teil der Schäch­te reicht mit 200 Metern Höhe fast bis in die Spit­ze, ande­re enden in etwa 120 Metern Höhe. Der dar­über lie­gen­de Platz dient als Ener­gie­spei­cher: Hier wird die Wär­me, die unter ande­rem durch Moto­ren und Rech­ner wäh­rend des Test­be­triebs ent­steht, auf­ge­fan­gen und je nach Bedarf über Wär­me­tau­scher zurück­ge­führt. Das macht den Turm nicht nur zum ambi­tio­nier­ten „Him­mels­stür­mer“, son­dern dient auch dazu, Nach­hal­tig­keits­ef­fek­te zu erzie­len.

In dem Test­turm haben wir vier MUL­TI-Kabi­nen in Betrieb, die sich ver­ti­kal und hori­zon­tal – mit einem magnet­ba­sier­ten Linear­an­trieb­sys­tem aus­ge­stat­tet – bewe­gen. Das MULTI- Auf­zug­sys­tem fährt in einer Schlei­fe – 80 m ver­ti­kal und 5 m hori­zon­tal.

Welchen Zweck erfüllt die kunstvolle Membran?

Die Mem­bran hat zwei Haupt­funk­tio­nen. Zum einen wird die Beton-Außen­haut des Test­turms durch die Mem­bran vor Wind und Wet­ter geschützt und die Wind­las­ten, die auf den Turm wir­ken, wer­den redu­ziert. Damit ergibt sich eine opti­ma­le Aero­dy­na­mik.

Trotz der impo­san­ten Höhe soll außer­dem ein leich­tes, fili­gra­nes Erschei­nungs­bild gewahrt wer­den, um auf die Anwoh­ner und die unmit­tel­ba­re Umge­bung Rück­sicht zu neh­men. Die Archi­tek­ten Wer­ner Sobek mit Hel­mut Jahn haben den Beton­schaft des Turms auch des­halb mit einer Hül­le aus Glas­fa­ser­ge­we­be ver­klei­det. Das Gewe­be beginnt am Fuß eng­ma­schig, gibt nach oben hin immer mehr vom Turm preis und reflek­tiert das Licht zu unter­schied­li­chen Tages- und Jah­res­zei­ten ver­schie­den – dadurch bekommt der Turm je nach Wet­ter­la­ge und Zeit eine ande­re Anmu­tung.

Wie steht die Politik zu dem Turm?

Rott­weils Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß begrüßt das Vor­ha­ben: „thyssenkrupp ist bei uns hoch­will­kom­men. Die Inves­ti­ti­on bedeu­tet eine nach­hal­ti­ge Stär­kung des Wirt­schafts­stand­orts Rott­weil auf der Tech­no­lo­gie- und Inno­va­ti­ons­ach­se Stutt­gart-Zürich. Die Ansied­lung von thyssenkrupp Ele­va­tor ist ein wich­ti­ger Impuls für die wirt­schaft­li­che Wei­ter­ent­wick­lung Rott­weils und daher eine gro­ße Chan­ce für die Stadt. Die ältes­te Stadt Baden-Würt­tem­bergs steht für eine aus­ge­präg­te und inno­va­ti­ve mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft mit einem enga­gier­ten Unter­neh­mer­tum. Rott­weil wird durch die­se Mil­lio­nen­in­ves­ti­ti­on weit über sei­ne Gren­zen bekannt wer­den und Tou­ris­ten und viel­leicht auch Inves­to­ren anlo­cken.

Die Ver­bin­dung von Mit­tel­al­ter und Moder­ne kann ein ein­zig­ar­ti­ges Ambi­en­te schaf­fen. Die­se Top-Ansied­lung bie­tet Poten­zi­al für Tou­ris­mus und Wirt­schaft.“

Für wie viele neue Vollzeitarbeitsplätze sorgt der Turm?

Wäh­rend der Bau­pha­se waren meh­re­re hun­dert tem­po­rä­re Arbeits­plät­ze am Test­turm nötig. Im Turm selbst wur­den über 30 Arbeits­plät­ze dau­er­haft geschaf­fen, davon 25 Arbeits­plät­ze für hoch­qua­li­fi­zier­te Inge­nieu­re, die im Test­turm bes­te Bedin­gun­gen für die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung von Auf­zugs­in­no­va­tio­nen vor­fin­den. Zudem wird der Bau auch als Stand­ort für Schu­lun­gen von Inge­nieu­ren und Ser­vice­tech­ni­kern genutzt. thyssenkrupp erwar­tet zudem Besu­che von Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus den unter­schied­lichs­ten Berei­chen sowie inter­es­sier­ten Kun­den aus aller Welt – all das wird für wei­te­re posi­ti­ve Effek­te sor­gen. Aus­sa­gen zur zusätz­li­chen Zahl der Voll­ar­beits­plät­ze im Tou­ris­mus las­sen sich in die­ser Pha­se aller­dings noch nicht tref­fen.