Der Schwabo-TED zum Großgefängnis – ein Trugbild?

"Gleiches Stimmungsbild": die vom Schwarzwälder Boten so veröffentlichten Ergebnisse seiner beiden TED-Umfragen zum Großgefängnis. Quelle: Schwarzwälder Bote

Stadtrat Dieter E. Albrecht erhebt Vorwürfe gegen die Rottweiler Lokalredaktion des Schwarzwälder Boten. Deren Telefonumfrage (TED) zum Thema „Ja oder Nein: Wollen Sie die neue JVA in Rottweil?” sei ein Trugbild. Der Lokalchef des Schwabo, Dr. Armin Schulz, bestä­tigt, dass sein TED nicht reprä­sen­ta­tiv, und ja, wohl auch mani­pu­lier­bar sei. Er hält ihn den­noch für aus­sa­ge­kräf­tig.

Rottweil (gg). „Die TED-Umfrage des Schwarzwälder Bote zum JVA-Standort Rottweil ist mei­ner Meinung nach alles ande­re als ein Stimmungsbild, son­dern ein Trugbild”, ver­kün­det Stadtrat Albrecht (Freie Wähler) in einem Leserbrief, den der Schwarzwälder Bote am mor­gi­gen Freitag dru­cken will, wie Redaktionsleiter Schulz der NRWZ bestä­tig­te. Albrecht erklärt, dass er „mit ver­schie­de­nen Rufnummer-Kennungen und unter­drück­ter Rufnummer jeweils mehr­fach” bei die­sem TED mit­ge­macht habe und dabei „im Ergebnis aus­glei­chend sowohl mit Ja als auch mit Nein gestimmt” habe. Jedes Mal habe er sinn­ge­mäß die Meldung vom TED-Computer ver­nom­men: „Ihr Anruf wur­de gezählt”.

Für Albrecht steht damit fest, dass das Ergebnis unter ande­rem auf die­sem Weg mani­pu­liert wer­den konn­te. Der Schwabo hat­te den TED die­ser Tage ver­öf­fent­licht. Demnach ver­zeich­ne­te er 2241 Anrufer, von denen 1483 mit Nein gestimmt hät­ten, also kei­ne JVA in Rottweil woll­ten. Das wären 73 Prozent.

Kreisredaktionsleiter Schulz gibt sich der NRWZ gegen­über nach­denk­lich. Er neh­me an, dass das TED-System des Hamburger Anbieters, das er mit der Umfrage betraut habe, auf die von Albrecht beschrie­be­ne Weise mani­pu­liert wer­den kön­ne. Deshalb spre­che er, Schulz, auch immer von Anrufern, nicht von Lesern. Er glau­be nicht, dass die ein­zel­nen Rufnummern der Anrufer pro­to­kol­liert wür­den, dage­gen sprä­chen aus sei­ner Sicht bereits daten­schutz­recht­li­che Bedenken.

Dennoch traut Schulz dem TED-Ergebnis. Denn im August 2014, als der Schwabo mit ähn­li­chen Fragen qua­si die­sel­be Umfrage schon ein­mal gestar­tet hat­te, hat­te es nahe­zu iden­tisch aus­ge­se­hen. Damals hat­ten sich nach Angaben des Schwarzwälder Boten 2488 Anrufer betei­ligt, von denen 1654 kei­ne Justizvollzugsanstalt in Rottweil woll­ten – das wären 66,5 Prozent, ein „iden­ti­sches Stimmungsbild”, wie der Schwabo nun berich­tet. Genaugenommen hat der Knast dies­mal sogar noch mehr Ablehnung erfah­ren.

Schulz hält für sehr unwahr­schein­lich, dass zwei­mal die­sel­be Manipulation statt­ge­fun­den habe. Daher ver­spü­ren Gefängnisgegner auch ordent­lich Rückenwind. So lässt sich der ört­li­che Grüne Jochen Baumann vom Schwabo wie folgt, teils in schöns­ter Prosa zitie­ren: „Das Ergebnis der aktu­el­len Umfrage ist kei­ne Überraschung. Wir gehen auch wei­ter­hin davon aus, dass die grün-rote Landesregierung das Naturparadies Bitzwald mit sei­ner unglaub­li­chen Artenvielfalt und unver­zicht­ba­ren Retentionseigenschaft für das Naturschutzgebiet Schwarzenbach und das Schlichemtal erhal­ten wird.” Baumann habe hier als Vertreter des Vereins zur Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft in Rottweil und im Oberen Schlichemtal (Naku) gespro­chen.

TED-Kritiker Albrecht aber unter­stellt „mit Nichtwissen”, wie er schreibt, „dass poten­ti­el­le und orga­ni­sier­te Standortgegner, zum Beispiel aus Zepfenhan, Villingendorf, Neukirch, Hochwald, vom Naku & Co. mehr­fach anrie­fen und das Ergebnis mani­pu­lier­ten.” Seines Erachtens nach sei­en zudem akti­ve Gegner eher gewillt die­sen kos­ten­pflich­ti­gen Telefonanruf zu täti­gen.

Hier kann Schulz beru­hi­gen: Richtig viel Geld kos­te­te der TED-Anruf nicht. Nämlich 20 Cent aus dem deut­schen Festnetz und maxi­mal 42 Cent mobil. Einnahmen, übri­gens, an denen sein Unternehmen nicht betei­ligt ist: „Wir ver­die­nen nichts an der Umfrage”, so Schulz im Gespräch mit der NRWZ.

Schulz bleibt dabei: „Unsere TED-Umfrage ist nicht reprä­sen­ta­tiv, doch sie lie­fert ein ein­deu­ti­ges Stimmungsbild.” Interessant sei, dass der TED zum Testturm anders aus­ge­gan­gen sei, erzählt er der NRWZ. Damals hät­ten sich 85 Prozent der Anrufer für den Bau des Thyssenkrupp-Aufzugturms aus­ge­spro­chen. Ein Ergebnis, das die Stadtverwaltungsspitze dann als Rückenwind bezeich­net habe, wohin­ge­gen der aktu­el­le TED, der im Ergebnis das Großgefängnis bei Rottweil ablehnt, kei­nen Zuspruch fin­de.

Albrecht urteilt jeden­falls: „Letztlich wird nur ein Bürgerentscheid ein objek­ti­ves Ergebnis brin­gen.” Seine Unterstützung im Gemeinderat sagt er bereits zu..