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Mittwoch, 19. Februar 2020

Der Schwabo-TED zum Großgefängnis – ein Trugbild?

Stadtrat Dieter E. Albrecht erhebt Vorwürfe gegen die Rottweiler Lokalredaktion des Schwarzwälder Boten. Deren Telefonumfrage (TED) zum Thema „Ja oder Nein: Wollen Sie die neue JVA in Rottweil?“ sei ein Trugbild. Der Lokalchef des Schwabo, Dr. Armin Schulz, bestätigt, dass sein TED nicht repräsentativ, und ja, wohl auch manipulierbar sei. Er hält ihn dennoch für aussagekräftig.

Rottweil (gg). „Die TED-Umfrage des Schwarzwälder Bote zum JVA-Standort Rottweil ist meiner Meinung nach alles andere als ein Stimmungsbild, sondern ein Trugbild“, verkündet Stadtrat Albrecht (Freie Wähler) in einem Leserbrief, den der Schwarzwälder Bote am morgigen Freitag drucken will, wie Redaktionsleiter Schulz der NRWZ bestätigte. Albrecht erklärt, dass er „mit verschiedenen Rufnummer-Kennungen und unterdrückter Rufnummer jeweils mehrfach“ bei diesem TED mitgemacht habe und dabei „im Ergebnis ausgleichend sowohl mit Ja als auch mit Nein gestimmt“ habe. Jedes Mal habe er sinngemäß die Meldung vom TED-Computer vernommen: „Ihr Anruf wurde gezählt“.

Für Albrecht steht damit fest, dass das Ergebnis unter anderem auf diesem Weg manipuliert werden konnte. Der Schwabo hatte den TED dieser Tage veröffentlicht. Demnach verzeichnete er 2241 Anrufer, von denen 1483 mit Nein gestimmt hätten, also keine JVA in Rottweil wollten. Das wären 73 Prozent.

Kreisredaktionsleiter Schulz gibt sich der NRWZ gegenüber nachdenklich. Er nehme an, dass das TED-System des Hamburger Anbieters, das er mit der Umfrage betraut habe, auf die von Albrecht beschriebene Weise manipuliert werden könne. Deshalb spreche er, Schulz, auch immer von Anrufern, nicht von Lesern. Er glaube nicht, dass die einzelnen Rufnummern der Anrufer protokolliert würden, dagegen sprächen aus seiner Sicht bereits datenschutzrechtliche Bedenken.

Dennoch traut Schulz dem TED-Ergebnis. Denn im August 2014, als der Schwabo mit ähnlichen Fragen quasi dieselbe Umfrage schon einmal gestartet hatte, hatte es nahezu identisch ausgesehen. Damals hatten sich nach Angaben des Schwarzwälder Boten 2488 Anrufer beteiligt, von denen 1654 keine Justizvollzugsanstalt in Rottweil wollten – das wären 66,5 Prozent, ein „identisches Stimmungsbild“, wie der Schwabo nun berichtet. Genaugenommen hat der Knast diesmal sogar noch mehr Ablehnung erfahren.

Schulz hält für sehr unwahrscheinlich, dass zweimal dieselbe Manipulation stattgefunden habe. Daher verspüren Gefängnisgegner auch ordentlich Rückenwind. So lässt sich der örtliche Grüne Jochen Baumann vom Schwabo wie folgt, teils in schönster Prosa zitieren: „Das Ergebnis der aktuellen Umfrage ist keine Überraschung. Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass die grün-rote Landesregierung das Naturparadies Bitzwald mit seiner unglaublichen Artenvielfalt und unverzichtbaren Retentionseigenschaft für das Naturschutzgebiet Schwarzenbach und das Schlichemtal erhalten wird.“ Baumann habe hier als Vertreter des Vereins zur Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft in Rottweil und im Oberen Schlichemtal (Naku) gesprochen.

TED-Kritiker Albrecht aber unterstellt „mit Nichtwissen“, wie er schreibt, „dass potentielle und organisierte Standortgegner, zum Beispiel aus Zepfenhan, Villingendorf, Neukirch, Hochwald, vom Naku & Co. mehrfach anriefen und das Ergebnis manipulierten.“ Seines Erachtens nach seien zudem aktive Gegner eher gewillt diesen kostenpflichtigen Telefonanruf zu tätigen.

Hier kann Schulz beruhigen: Richtig viel Geld kostete der TED-Anruf nicht. Nämlich 20 Cent aus dem deutschen Festnetz und maximal 42 Cent mobil. Einnahmen, übrigens, an denen sein Unternehmen nicht beteiligt ist: „Wir verdienen nichts an der Umfrage“, so Schulz im Gespräch mit der NRWZ.

Schulz bleibt dabei: „Unsere TED-Umfrage ist nicht repräsentativ, doch sie liefert ein eindeutiges Stimmungsbild.“ Interessant sei, dass der TED zum Testturm anders ausgegangen sei, erzählt er der NRWZ. Damals hätten sich 85 Prozent der Anrufer für den Bau des ThyssenKrupp-Aufzugturms ausgesprochen. Ein Ergebnis, das die Stadtverwaltungsspitze dann als Rückenwind bezeichnet habe, wohingegen der aktuelle TED, der im Ergebnis das Großgefängnis bei Rottweil ablehnt, keinen Zuspruch finde.

Albrecht urteilt jedenfalls: „Letztlich wird nur ein Bürgerentscheid ein objektives Ergebnis bringen.“ Seine Unterstützung im Gemeinderat sagt er bereits zu..

 

 

13 Kommentare

  1. Egal ob der Gemeinderat entscheidet, es eine „Bürgerbefragung“ gibt oder einen Bürgertentscheid – entscheiden wird alleine (und die Betonung leigt auf alleine) der Bauherr – das Land. Das sollte, nach der letzten Ohrfeige, hoffentlich allen klar sein. In Meßstetten gibt es bereits ein klares Votum für das Gefangniss. Und wenn sich das Land treu bleibt, und sich sich an Recht und Gesetz hält, kann das Gefangniss auch nur nach Meßstetten kommen. Egal wer was in Rottweil entscheidet. Und das wäre gut so.

    • 1. Ein so genanntes „kommunales Einvernehmen“ sehe ich im Falle Meßstettens nicht. Da es den Begriff im Kommunalrecht offiziell nicht gibt, müsste man ihn ggf. definieren.
      2. Die in Frage kommende Kaserne liegt nicht „bei“, sondern in Meßstetten.
      3.Aus meiner Sicht ist es ein Unterschied, ob lediglich die Verwaltung und der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung(!!!) hinter dem Projekt stehen oder auch die Bevölkerung. Im Falle Meßstettens wurde diese bis dato nicht gefragt.

  2. Lieber Dr. Schulz! Das ist kein „Stimmungsbild“. Nur „Stimmung“ stimmt an diesem Wort. Es handelt sich um eine unseriöse Stimmungsmache. Sie als akademischer promovierter Journalist hatten doch sicher einige wenige Stunden Statistik in Ihrem Studium. Dieses Teledialogvoting entspricht nicht ansatzweise wissenschaftlichen Grundsätzen. Das hat mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun. Da sie das gelernt haben ist diese Stimmungsmache damit Vorsatz. Sie manipulieren mit Ihrer Zeitung somit selbst. Sie geben bewusst einer lauten Minderheit eine Möglichkeit zur Manipulation. Sie entlarven sich damit als Gefängnisgegener! Grüße aus Villingendorf nach Rottweil.

    • @Driver; Herr Schulz hat auch nie behauptet, dass die Umfrage („Statistik“) repräsentativ ist, sondern genau das Gegenteil. Ich halte es aber für den Leser für durchaus verwirrend, diese zwar als „nicht repräsentativ“ aber doch als „Stimmungsbild“ zu bezeichnen. Das ist sie aus meiner Sicht absolut nicht. Somit muss ich dir dem Grunde nach Recht geben.

      Ob man dazu „unseriöse“ Stimmungsmache sagen kann, bleibt jedem selbst überlassen. Es entspricht aus meiner Sicht jedoch nicht einem objektiven Meinungsbild welches hier verbreitet wird, sondern ist eher einem Bildzeitungsstiel zuzuordnen.

      Den Vorwurf, Armin Schulz würde bewusst manipulieren oder sich als Gefängnisgegner entlarven, halte ich für unangemessen.

      • Sehr geehrter Herr Albrecht,
        ich verstehe gar nicht, dass Sie sich hier so aufblasen. Wenn es um Stimmungsmache geht, da kann Ihnen doch keiner etwas vor machen. Wenn ich nur an die Aktionen denke die Sie in Verbindung mit Zimmern schon vom Stapel gelassen haben. Wäre es nicht besser Sie würden Herrn Schulz die Hand reichen um in dieser Sache zu einer eindeutigen und klaren Aussage zu kommen. Wenn ich Volksentscheid höre, dann denke ich immer S21 lässt Grüssen. Man lässt die emotional aufgeheizte Bevölkerung über etwas abstimmen dessen Tragweite sie gar nicht einschätzen kann. Die weiter wegwohnende Mehrheit sagt dann den direkt Betroffenen was Sache ist, ganz nach dem Motto „Karle trag Du de Schirm mich frierts an Füß“.

    • @Driver; Herr Schulz hat auch nie behauptet, dass die Umfrage („Statistik“) repräsentativ ist, sondern genau das Gegenteil. Ich halte es aber für den Leser für durchaus verwirrend, diese zwar als „nicht repräsentativ“ aber doch als „Stimmungsbild“ zu bezeichnen. Das ist sie aus meiner Sicht nicht. Somit muss ich dir dem Grunde nach Recht geben.

      Ob man dazu „unseriöse“ Stimmungsmache sagen kann, bleibt jedem selbst überlassen. Es entspricht aus meiner Sicht jedoch nicht einem objektiven Meinungsbild welches vom Schwabo verbreitet wird sondern ist eher einem Bildzeitungsstiel zuzuordnen.

      Den Vorwurf, Armin Schulz würde bewusst manipulieren oder sich als Gefängnisgegner entlarven, halte ich für unangemessen.

  3. Was soll denn das heißen? Warum haben denn unsere Volksvertreter im Gemeinderat Angst vor einer Bürgerbefragung? Warum sperrt man sich dagegen, alle Rottweiler – und da meine ich nicht die vierbeinigen – zu diesem Thema zu befragen, so wie es schon bei einem anderem Standort gemacht wurde? Hat man Angst dass die Bürger dann doch Nein sagen?

    • @Rottweiler_2:disqus; der Gemeinderat der Stadt Rottweil hat weder Angst vor einer „Bürgerbefragung“ noch sich der Verantwortung als gewählte Repräsentanten selbst zu stellen.

      Eine TED-Umfrage, welche derart manipuliert werden kann, ist jedoch aus meiner Sicht reine Stimmungsmache und hat mit einer seriösen Umfrage überhaupt nichts zu tun.

      Für mich persönlich kommen allerdings nur zwei Entscheidungswege zur JVA Rottweil in Frage. Entweder der Stadtrat entscheidet in seiner Funktion als Bürgervertreter, gem. unseren Grundsätzen der repräsentativen Demokratie oder die Einwohner Rottweils in einem verbindlichen Bürgerentscheid gem. § 21 GemO. Ich würde letzeres bevorzugen, nicht weil ich mich dem nicht stellen will, sondern es eine derart wichtige Angelegenheit ist, dass ein Plebiszit mehr als angebracht wäre. Wenn nicht bei solch einem Thema wann dann!?

      • Dann bin ich ganz Ihrer Meinung. Allerdings sollten, wenn es die Verwaltung es so plant, nicht mit richtigen Fakten und Zahlen rüberkommen und nicht wie beim TKE Turm.-Dort wurden seitens der Verwaltung mit nicht eindeutigen um nicht zu sagen falschen – Angaben hinsichtlich der Kosten die auf die Stadt zukommen die Bürger etwas hinters Licht geführt. Ansonsten sollten sich die „Bürgervertreter“ nicht auf den „Schlips getrete“ sehen wenn die Bürgerschaft selbst darüber bestimmen möchte.

        • @Rottweiler_2:disqus; zum TKE-Turm gab es keinen Bürgerentscheid sondern eine Bürgerversammlung. Die Bürgerschaft bestimmte hier gar nichts mit. Der letztendlich entscheidende Stadtrat berücksichtigte in seiner Abwägung, neben den Stimmen aus dieser Versammlung u.v.m., durchaus auch die Kosten z. B. für einen Parkplatz bzgl. einer touristischen Erschliessung.

          Die Kosten für den Turm mit Grundstück, Parkplätze gem. VwV Stellplätze zum Betrieb des Testturmzwecks sowie Ausgleichsmassnahmen und die Besucherplattform, trägt alleine ThyssenKrupp.

          In Rottweil kenne ich bisher keinen
          „Bürgervertreter“ welcher sich auf den „Schlips getreten“ sah, weil die
          Bürgerschaft selbst bestimmen wollte, denn dies gab es ausser normalen
          Wahlen in jüngster Zeit nicht.

          • Hab ich etwa geschrieben, dass es einen Bürgerentscheid gab (den gibt es in Rottweil eh nie …)? Und wieviel kostet nun nocheinmal die Parkplätze etc.? Und wie sieht es im Moment mit den Stadtfinanzen aus? Echt gut entschieden!

  4. Wie oft wird der TED bemüht, sei es für die Wertung von
    Fernsehsendungen, politischen Meinungen und vielem mehr. Alles Manipulation
    wenn das Ergebnis nicht gefällt, gefälliges Schulterklopfen wenn Zustimmung
    vorliegt. Und dann diese grün-rote Landesregierung, ebenso entscheidungsfreudig
    wenn es um die Bestimmung des Standorts geht wie die Stadtverwaltung. Nur eines
    weiß sie, im Gegensatz zur Stadtverwaltung, seit Anbeginn der Standortsuche sicher,
    der Stahlberg wird es nicht, denn den hatte die Verwaltungsspitzen der
    Vorgängerregierung schon aus dem Rennen genommen. Ob gerechtfertigt oder nicht
    hätte meiner Meinung nach bereits geklärt werden müssen als das erste Gutachten
    auf dem Tisch lag und nicht jetzt wo schon alles fest gezurrt ist. Typisch für
    die ganze Situation ist das was ich hierzu von Herrn Broß im Schwabo lese. „Broß
    erwartet zudem, dass die Landesregierung bei der Auswahl des Standorts eine aktive Rolle einnimmt.“ Da frage ich
    mich wer will den Gefängnisstandort, die Stadt Rottweil oder die
    Landesregierung? Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass eine rot-grüne
    Landesregierung den “ schwarzen Karren“ für die Stadt Rottweil aus dem Dreck
    zieht. Da muss unser Stadtoberhaupt schon selbst Farbe bekennen was und wo er
    es will auch wenn das Amt des Oberbürgermeisters ein Amt auf Zeit ist.

  5. … den NAKU sowie die selben aktiven Gegner gab es im August 2014 schon und, es ging um die gleichen Standorte (am Hochwald wurden zu dieser Zeit Probebohrungen gemacht), weshalb ich zu beiden Umfragen die gleiche Meinung habe!

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