Frédéric Zwicker ist einer der Schweizer Autoren, die in Rottweil zu Gast sind.Foto: Anna Eberhard

ROTTWEIL - Vom 20.- 22. Sep­tem­ber wird in Rott­weil das 35. Deutsch-Schwei­zer Autoren­tref­fen statt­fin­den. Seit 1985 führt es – im jähr­li­chen Wech­sel mit den Lite­ra­tur­ta­gen in Rott­weils Part­ner­stadt Brugg – Schrei­ben­de und Lesen­de bei­der Län­der zusam­men.

Öffent­li­che Lesun­gen an stim­mungs­vol­len Orten, kol­le­gia­ler Aus­tausch und Kon­takt zu den Lesern kenn­zeich­nen das Lite­ra­tur­fes­ti­val, das aus den inten­si­ven Bezie­hun­gen Rott­weils zur Schweiz und der Part­ner­stadt Brugg ent­stan­den ist. Und so wird natür­lich auch beim dies­jäh­ri­gen Autoren­tref­fen das 500. Jubi­lä­um des „Ewi­gen Bun­des“ Rott­weils mit der Schwei­zer Eid­ge­nos­sen­schaft ein wich­ti­ges The­ma sein. 1519 wur­de in Rott­weil mit 13 eid­ge­nös­si­schen Schwei­zer Orten die­ser Bund besie­gelt und geschwo­ren, dass in der Reichs­stadt die Freund­schaft mit den Schwei­zern „zu ewi­ger zit nie­mer mer ver­ges­sen wird“.

Aber Rott­weils Ver­bin­dun­gen zur Schweiz sind noch wesent­lich älter. Bereits vor rund 1900 Jah­ren hat­te das römi­sche Rott­weil, Arae Fla­viae, engen Kon­takt zum römi­schen Heer­la­ger Vin­do­nis­sa, dem heu­ti­gen Win­disch auf der Gemar­kung der Stadt Brugg. So kam es 1913 dann auch dazu, dass Rott­weil und Brugg eine Städ­te­part­ner­schaft ein­gin­gen, die heu­te zu den ältes­ten im deutsch­spra­chi­gen Raum zählt. Und die Freund­schaft der bei­den Städ­te Brugg und Rott­weil ist bis heu­te leben­dig! Regel­mä­ßig besu­chen sich Rott­wei­ler und Brug­ger gegen­sei­tig zu den ver­schie­dens­ten Anläs­sen, nicht zuletzt zu den Lite­ra­tur­ta­gen in Brugg und zum Deutsch-Schwei­zer Autoren­tref­fen in Rott­weil.

In die­sem Jahr wer­den aus der Schweiz in Rott­weil zu Gast sein: Julia Weber, Jens Niel­sen, Frédé­ric Zwi­cker und Dana Gri­go­rcea. Aus Deutsch­land wer­den Nele Pol­lat­schek, Sil­ke Scheu­er­mann, Til­man Rammstedt und Mar­tin von Arndt begrüßt.

Julia Weber mach­te Furo­re mit ihrem 2017 erschie­ne­nen Debüt­ro­man „Immer ist alles schön“, der im glei­chen Jahr für den Schwei­zer Buch­preis 2017 nomi­niert war und mit dem inter­na­tio­na­len Franz-Tum­ler-Lite­ra­tur­preis aus­ge­zeich­net wur­de. Jens Niel­sen lebt als Autor, Schau­spie­ler und Spre­cher in Zürich. Sei­ne Bücher sind immer auch Büh­nen­pro­gram­me, sein neu­es­tes Werk „Ich und mein Plu­ral“ wur­de als sur­rea­lis­ti­scher Schelmenroman bezeich­net und in die Pro Hel­ve­tia Pro­mo­ti­on, 12 Swiss Books 2018 auf­ge­nom­men. Frédé­ric Zwi­cker ist Autor, Tex­ter, Jour­na­list, Mode­ra­tor, Redak­teur und Musi­ker und tritt auch bei Poe­try Slams auf. Sein Debüt­ro­man „Hier kön­nen sie im Kreis gehen“ erhielt 2017 den För­der­preis der St. Gal­li­schen Kul­tur­stif­tung. Dana Gri­go­rcea gelang 2015 der lite­ra­ri­sche Durch­bruch mit dem Roman „Das pri­mä­re Gefühl der Schuld­lo­sig­keit“, für das sie den 3Sat-Preis des Inge­borg-Bach­mann-Wett­be­werbs erhielt. 2018 erschien die Novel­le „Die Dame mit dem maghre­bi­ni­schen Hünd­chen“.

Nele Pol­lat­scheks stu­dier­te Eng­li­sche Lite­ra­tur und Phi­lo­so­phie. Ihr Debüt­ro­man „Das Unglück ande­rer Leu­te“ erschien 2016 und wur­de mit dem Fried­rich-Höl­der­lin- För­der­preis und dem Grim­mels­hau­sen-För­der­preis aus­ge­zeich­net. Sil­ke Scheu­er­mann debü­tier­te 2001 mit dem Lyrik­band „Der Tag an dem die Möwen zwei­stim­mig san­gen“. Für ihre inzwi­schen zahl­reich erschie­ne­nen Gedich­te, Erzäh­lun­gen und Roma­ne erhielt sie u. a. den Robert Gern­hardt Preis und den Georg-Chris­toph-Lich­ten­berg-Preis. Til­man Rammstedt erhielt 2008 den Annet­te-von-Dros­te-Hüls­hoff-Preis sowie den Haupt- und Publi­kums­preis beim Inge­borg-Bach­mann-Preis für den Aus­zug aus „Der Kai­ser von Chi­na“. 2016 erschien sein Roman „Mor­gen mehr“.

Der Schrift­stel­ler und Musi­ker Mar­tin von Arndt ist einer der Vor­sit­zen­den des Ver­bands deut­scher Schrift­stel­le­rin­nen und Schrift­stel­ler in Baden-Würt­tem­berg und war bereits 2003 Rott­wei­ler Stadt­schrei­ber. 2019 erschien sei jüngs­ter Roman „Sojus“, der den Ungarn­auf­stand im Jahr 1956 the­ma­ti­siert.

Aus­ge­wählt wur­den die Lite­ra­ten durch die Rott­wei­ler Lite­ra­tur­kom­mis­si­on, die sich aus unab­hän­gi­gen Lite­ra­tur­ex­per­ten zusam­men­setzt.

Das Pro­gramm ist viel­fäl­tig. Bereits am Frei­tag fin­den vor­mit­tags Schul­le­sun­gen an den Rott­wei­ler Gym­na­si­en und in der Kon­rad-Witz-Schu­le statt. Nach­mit­tags wer­den die teil­neh­men­den Autoren von Ober­bür­ger­meis­ter Broß im Rats­saal offi­zi­ell emp­fan­gen und erhal­ten im Anschluss eine spe­zi­el­le Stadt­füh­rung zur Geschich­te des „Ewi­gen Bun­des“.

Am Sams­tag, 21. Sep­tem­ber lesen die Autoren aus ihren aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chun­gen an unter­schied­li­chen Orten im Zeit­raum von 11 bis 17.30 Uhr. Auf der Dach­ter­ras­se des Kapu­zi­ners, bei schlech­tem Wet­ter im Kut­schen­haus, lesen um 11 Uhr Mar­tin von Arndt und um 11.30 Uhr Julia Weber. Im Rats­saal des Alten Rat­hau­ses lesen um 13.30 Uhr Frédé­ric Zwi­cker und um 14 Uhr Nele Pol­lat­schek. Im Gar­ten der Lorenz­ka­pel­le bzw. bei schlech­tem Wet­ter in der Kapel­le wer­den um 15 Uhr Jens Niel­sen und um 15.30 Uhr Sil­ke Scheu­er­mann aus ihren Wer­ken vor­tra­gen. Im Zim­mer­thea­ter lesen um 16.30 Uhr Til­man Rammstedt und um 17 Uhr Dana Gri­go­rcea.

Nach den Lesun­gen besteht die Mög­lich­keit, an den Bücher­ti­schen der Buch­hand­lun­gen Klein, Greu­ter und Rau direkt vor Ort Bücher der Autorin­nen und Autoren erwer­ben und signie­ren zu las­sen. Die Lesun­gen sind öffent­lich, der Ein­tritt ist frei.

Aus Anlass des Jubi­lä­ums „500 Jah­re Ewi­ger Bund“ fin­det am Sams­tag, den 21. Sep­tem­ber ein Lite­ra­risch-Musi­ka­li­scher Kaba­rett­abend mit Tho­mas C. Breu­er und Bänz Fried­li sowie Scher­ten­laib & Jeger­leh­ner im Kapu­zi­ner Son­nen­saal statt. Der Ein­tritt kos­tet zehn Euro, Kar­ten sind im Vor­ver­kauf und Rest­kar­ten an der Abend­kas­se erhält­lich.

Danach besteht die Mög­lich­keit, den Abend im Gespräch mit den Literat*innen und ande­ren Lite­ra­tur­be­geis­ter­ten im Kut­schen­haus aus­klin­gen zu las­sen.

Der Sonn­tag des Autoren­tref­fens ist tra­di­tio­nell den Kurz­tex­ten der Autorin­nen und Autoren gewid­met, die ihre Ein­drü­cke von Rott­weil, vom Autoren­tref­fen und in die­sem Jahr ganz beson­ders über das The­ma „500 Jah­re Ewi­ger Bund“ schil­dern wer­den. Tho­mas C. Breu­er und Bänz Fried­li ergän­zen die Autoren aus Deutsch­land und der Schweiz. Die Mati­nee am Sonn­tag, den 22. Sep­tem­ber fin­det um 11.00 Uhr im Refek­to­ri­um des Kapu­zi­ners statt. Der Ein­tritt ist frei.

Das Deutsch-Schwei­zer Autoren­tref­fen wird durch das Land Baden-Würt­tem­berg, die Schwei­zer Kul­tur­stif­tung Pro Hel­ve­tia und in die­sem Jahr auch durch das Schwei­ze­ri­sche Gene­ral­kon­su­lat in Stutt­gart unter­stützt. Hug­ger Gestal­tung hat dem Tref­fen im Jubi­lä­ums­jahr ein neu­es, fri­sches Lay­out gegönnt. Ver­an­stal­ter ist das Kul­tur­amt der Stadt Rott­weil.

INFO: Der Pro­gramm­fly­er zum Autoren­tref­fen liegt in den städ­ti­schen Ein­rich­tun­gen und den Buch­hand­lun­gen kos­ten­los aus und steht unter www.autorentreffen.de zum Down­load zur Ver­fü­gung.