Die Otto-Burger-Passage bleibt

Die Otto-Burger-Passage bleibt

(mm,gg). Der Rottweiler Gemeinderat hat mit neun zu neun Stimmen bei fünf Enthaltungen dafür gestimmt, dass die Otto-Burger-Passage weiterhin so heißt. Und das, obwohl Burger laut Historikern ein überzeugter Nazi war.

Otto Burger war Mitglied der SA-Reiterstaffel, und im November 1938 ließ er als Rektor der damaligen Mädchenschule jüdische Schülerinnen der Schule verweisen. Schülerinnen, deren Vater kurz zuvor ins KZ gebracht worden war.

Auch habe er die Leute aufgefordert, den Hitlergruß zu zeigen, erinnern sich manche Rottweiler.
Dennoch wurde er nach dem Krieg als Mitläufer eingestuft, jedoch seines Amts enthoben und degradiert.

Stadtrat Walter Stegmann (FWV) betonte, es stehe dem Rat nicht zu, die Entscheidung von 1972 zu korrigieren. Was Burger Besonderes für Rottweil geleistet hat, um so geehrt zu werden, wurde allerdings auch bei den Ausführungen des Historikers Jürgen Lutz vor dem Gemeinderat nicht deutlich, dennoch bleibt die kleine Passage am Schwarzen Tor nach ihm benannt.

Für Dr. Winfried Hecht, ebenfalls Historiker, eine Peinlichkeit: Er führt öfter jüdische Besucher durch Rottweil, meist Nachfahren Rottweiler Juden, und da würde er immer wieder gefragt, warum diese zentrale Passage ausgerechnet nach diesem Mann benannt sei. Die Antwort falle ihm nicht leicht.

In der Sache gab es bereits auch spaßige und eher ernstzunehmende Vorschläge. Ein Leserbriefschreiber meinte, dass aus der Otto-Burger-Passage doch geschwind eine Hamburger-Passage zu machen sei. Oder eben eine Max-Burger-Passage, die dann an einen früheren Stadt- und Kreisrat sowie Bürgermeister- und Oberbürgermeisterkandidaten erinnere.

Ernsthafter da die Idee Michael Grimms, Einzelhändler aus Rottweil: „Offensichtlich haben sich doch einige daran festgebissen, dass diese paar Meter Fußweg nach einem Lehrer mit zumindest moralisch fraglicher Nazivergangenheit benannt sind“, fasst er die Situation zusammen. Und weiter: „Ich denke auch, dass das immer wieder hochkommen wird.“ Deshalb plädiert er dafür, wenn schon umzubenennen sei, dann „vielleicht in den Namen einer Familie, die, obwohl große Verdienste um die Menschlichkeit und Kunst, noch keine Nennung in Rottweil hat.“ So wirkte in Rottweil jahrzehntelang Siegfried Haas, Künstler und Sohn von Cyrill Haas, der Realschullehrer in Schramberg war. Wie der Biographie Siegfried Haas zu entnehmen ist, weigerte sich Cyrill Haas, die „Rassenlehre“ zu vermitteln und die Familie erfuhr den Argwohn der Nationalsozialisten und entsprechende Repressalien.

Und sollte diese Passage Otto Burger gewidmet bleiben, so finde sich vielleicht doch noch eine Gasse oder Straße, die Haas gewidmet werden könne, schließt Grimm.

Ausgelöst hatte die Burger-Debatte der FDP-Stadtrat und Buchhändler Hermann Klein. Burger sei „ein windiger Mensch“, argumentierte er in der entscheidenden Gemeinderatssitzung. Ein Mann, der – entgegen eigener Darstellung, nicht Opfer, sondern Täter gewesen sei. Und einer, der als Leiter der Oberschule 1938 jüdischen Schülerinnen den Zugang zur Schule verwehrt habe.

Allerdings ist Burgers Nazivergangenheit früh auch schon beleuchtet worden. Ein „Staatskommissariat für die politische Säuberung” stellte 1948 fest, dass der Mann nur Mitläufer gewesen sei. Später allerdings durfte er nur noch einfacher Lehrer, nicht mehr Schulleiter sein.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 9. Mai 2015 von NRWZ-Redaktion. Erschienen unter https://www.nrwz.de/rottweil/die-otto-burger-passage-bleibt/88664