Prof. Dr. Ferdinand Kirchhof, ehemaliger Vizepräsident der Bundesverfassungsgerichts. Foto: Bundesverfassungsgericht/lorenz fotodesign, Karlsruhe

ROTTWEIL – Mit einer hoch­ka­rä­tig besetz­ten Podi­ums­dis­kus­si­on zur direk­ten Demo­kra­tie eröff­net die Volks­hoch­schu­le (VHS) am Diens­tag, 19. März, ihr Semes­ter­the­ma „500 Jah­re Ewi­ger Bund – die Schweiz und Rott­weil“. Im Alten Gym­na­si­um dis­ku­tie­ren unter ande­rem Fer­di­nand Kirch­hof, ehe­ma­li­ger Vize­prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und Vol­ker Ratz­mann, Bevoll­mäch­tig­ter des Lan­des Baden-Würt­tem­berg in Ber­lin. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Ein­tritt ist frei.

Die Podi­ums­dis­kus­si­on soll die Fra­ge auf­wer­fen, inwie­weit Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land von den Erfah­run­gen der in der Schweiz prak­ti­zier­ten direk­ten Demo­kra­tie ler­nen kön­nen. Sind die in 70 Jah­ren gesam­mel­ten Erfah­run­gen, die das Nach­kriegs­deutsch­land mit der reprä­sen­ta­ti­ven Demo­kra­tie gemacht hat, nicht Grund, das bewähr­te Sys­tem bei­zu­be­hal­ten? Oder ist viel­mehr die hohe Legi­ti­mi­tät direkt­de­mo­kra­ti­scher Ent­schei­dun­gen in der Schweiz nicht doch ein Argu­ment dafür, mehr direkt­de­mo­kra­ti­sche Ent­schei­dun­gen in Deutsch­land her­bei­zu­füh­ren? Die­se Fra­gen wer­den im Alten Gym­na­si­um fol­gen­de vier Per­sön­lich­kei­ten mit dem Publi­kum dis­ku­tie­ren.

Vol­ker Ratz­mann, Staats­se­kre­tär beim Staats­mi­nis­te­ri­um in Stutt­gart und Bevoll­mäch­tig­ter des Lan­des Baden-Würt­tem­berg beim Bund. Er ver­tritt in die­ser Funk­ti­on die Belan­ge Baden-Würt­tem­bergs auf bun­des­po­li­ti­scher Ebe­ne. Ratz­mann ist Mit­glied von Bündnis90/Die Grü­nen, war von 2003 bis 2011 Vor­sit­zen­der sei­ner Par­tei im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus. Er ist mit der Grü­nen-Poli­ti­ke­rin Kers­tin Andrea aus Schram­berg ver­hei­ra­tet.

Clau­de Long­champ, Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und His­to­ri­ker, Lehr­be­auf­trag­ter der Uni­ver­si­tä­ten Bern und Zürich. Sein For­schungs­schwer­punkt ist die direk­te Demo­kra­tie in der Schweiz. Dabei rich­tet er sein Augen­merk vor allem auf das Ver­hal­ten der Bür­ger bei Sach­ent­schei­dun­gen, auf die gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ein­flüs­se auf die Mei­nungs­bil­dung sowie auf die mas­sen­me­dia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on in der Poli­tik.

Prof. Dr. Fer­di­nand Kirch­hof, ehe­ma­li­ger Vize­prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in Karls­ru­he. Kirch­hof lehr­te vie­le Jah­re als Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen und gehör­te dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt seit 2007 an. 2010 wur­de er zum Vor­sit­zen­den des Ers­ten Sena­tes des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes und zum Vize­prä­si­den­ten des Gerich­tes gewählt. Seit Ende 2018 ist Kirch­hof im Ruhe­stand. Sein älte­rer Bru­der ist der ehe­ma­li­ge Rich­ter des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Paul Kirch­hof.

 

Prof. Dr. André Bäch­ti­ger, Pro­fes­sor für Poli­ti­sche Theo­rie und Empi­ri­sche Demo­kra­tie­for­schung am Insti­tut für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Stutt­gart. Bäch­ti­ger hat an der Uni­ver­si­tät Bern pro­mo­viert und habi­li­tiert. Er erforscht die Erneue­rung der Demo­kra­tie, unter ande­rem durch öffent­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zes­se und Mei­nungs­bil­dung in Bür­ger­dia­logs­for­ma­ten.

Die Dis­kus­si­on wird mode­riert von der Stutt­gar­ter Jour­na­lis­tin Bet­ti­na Wie­sel­mann. Sie war lan­ge Jah­re lan­des­po­li­ti­sche Kor­re­spon­den­tin der Süd­west Pres­se in Stutt­gart.

Die Podi­ums­dis­kus­si­on fin­det beglei­tend zur Aus­stel­lung „Moder­ne Direk­te Demo­kra­tie“ des Schwei­ze­ri­schen Gene­ral­kon­su­lats statt, die vom 14. bis 29. März im Alten Rat­haus zu sehen ist. Die Aus­stel­lung infor­miert über die Instru­men­te der direk­ten Demo­kra­tie in der Schweiz, ihre Ent­ste­hungs­ge­schich­te und ihre Wir­kun­gen. Sie dis­ku­tiert auch kri­ti­sche Befun­de zur direkt­de­mo­kra­ti­schen Pra­xis und ver­weist auf Mög­lich­kei­ten direk­ter Bür­ger­be­tei­li­gung in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg. Zusätz­lich wird die Bür­ger­be­tei­li­gung in Rott­weil ver­an­schau­licht.

INFO: Es ist kei­ne Anmel­dung erfor­der­lich. Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 19:30 Uhr im Fest­saal des Alten Gym­na­si­ums in Rott­weil statt. Der Ein­tritt ist frei.