Ein Gang durch Tag und Nacht mit der Jugendkantorei Göllsdorf

Ein Gang durch Tag und Nacht mit der Jugendkantorei Göllsdorf

ROTTWEIL-GÖLSDORF – Auch in diesem Jahr hatte die Jugendkantorei Göllsdorf unter der Leitung von Alexander Zweifel mit ihrem Kinderchor sowie dem Kammerchor zu einem Sommerkonzert in die Göllsdorfer St. Franz Xaver-Kirche eingeladen. „Tag und Nacht“ – so lautete diesmal der Titel.

„Tag und Nacht“ – zwei Gegensätze. Doch was wäre der Tag ohne die Nacht? Der eine oft stressig und turbulent, die andere ein Ruhepol, in dem man seine Gedanken schweifen lassen kann; doch manchmal zeigt sie auch ihre unheimlichen Seiten. Zahlreiche Komponisten waren fasziniert von diesem Thema und haben ganz unterschiedliche Werke geschaffen, die von den Sängerinnen und Sängern zu Gehör gebracht wurden.

Der Kinderchor schüttelte mit dem Wachmacherlied „Ach, wie bin ich müde“ nicht nur akustisch, sondern mit allen Körperteilen die Müdigkeit aus den Gliedern, und der eine oder andere Zuhörer reckte und streckte sich heimlich in der Bank ebenfalls, um so entspannt dem weiteren Konzert zu lauschen, durch dessen Thematik Florian Baumann und Katharina Hirsch anschließend führten.

Im von Brahms komponierten „Da unten im Tale“ zeigte der Kammerchor, dass sich auch die Gefühle der Menschen im Tagesablauf ändern und nicht immer von großer Dauer sind. Das tiefste der Gefühle, die unendliche Liebe Gottes, vertonte der aus Menden im Sauerland stammende Komponist und Professor am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück Michael Schmoll im Vers aus dem Johannes-Evangelium „So sehr hat Gott die Welt geliebt“; den die Sängerinnen und Sängern stimmungsvoll vortrugen.

Mit dem „Meeresrauschen“, dem von Carl Loewe vertonten Gedicht von Karl Siebel, stimmte Florian Baumann mit seinem Bass-Solo auf den prächtig anzusehenden Sonnenuntergang ein, und der „verstohlen aufgehende Mond“ wurde im gleichnamigen Lied von Johannes Brahms durch ein stimmgewaltiges Solo von Katharina Hirsch angekündigt.

Gleich danach prangten neben dem aufgegangenen Mond auch die Sterne am Himmel, zunächst besungen vom Kinderchor. Der Kammerchor bekräftigte dies mit dem „Abendlied“ von Max Reger in einer Bearbeitung für einen gemischten Chor. Dass die Nacht nicht nur romantische Seiten hat, sondern oft auch furchteinflößend und bedrohlich wirken kann, brachte der Kinderchor mit der „Alten Moorhexe“ zu Gehör. Gruselig hallte das Geheul durch die Kirche und ließ beim einen oder anderen eine Gänsehaut entstehen. Dabei hatten die Kinder auch sichtlich Spaß daran.

Eine ganz andere, beklemmende Note hatten die vom Kammerchor gesungenen Lieder „Es fiel ein Reif“ und „Go down Moses“; das Thema Tod wurde nicht ausgespart. Jule Hirsch, Lena Kammerer und Melina Stern übernahmen im gesungenen Zwiegespräch zwischen Gott und Moses zum ersten Mal Soloparts. Mit dem Lied „Um Mitternacht“ von Hugo Distler wurde der Höhepunkt der Nacht erreicht, und gleich darauf fiel ein Schlafender in einen tiefen Traum, aus dem er im Lied „Ich hab die Nacht geträumet“ erzählt und von seinen Ängsten berichtet.

Gefühlvoll ließen die Sänger und Sängerinnen diese wechselnden Stimmungen
zutage treten. Jede Nacht hat ein Ende, und so dankte der erwachte Schläfer „Aus meines Herzens Grunde“ Gott für den Schutz in den vergangenen dunklen Stunden und bat um den Segen für das nun wieder beginnende Tagwerk.

Ein besonderer Dank wurde vom Chor den Stimmbildnern der Jugendkantorei
ausgesprochen. Bis Ende März 2018 hatte Markus Elsäßer mit den Sängern und Sängerinnen der verschiedenen Jugendkantorei-Chöre einmal wöchentlich
gearbeitet und großen Anteil daran, dass in diesem Konzert mehrere Solisten aus den eigenen Reihen auftreten konnten. Markus Elsäßer musste seine Arbeit schweren Herzens beenden, aber seine zahlreichen Verpflichtungen ließen ihm keine andere Wahl mehr. Mit Lea Sophie Decker konnte eine engagierte Nachfolgerin gefunden werden, die nahtlos die wichtige Aufgabe der Stimmbildung weiterführt und von den Chormitgliedern herzlich willkommen geheißen wurde.

Ein besonderes Stück bildete den Abschluss des Sommerkonzertes, das Kammer- und Kinderchor gemeinsam sangen. Nicht nur angesichts der bevorstehenden Ferientage konnte sich fast jeder im Lied „Deutsche Bahn“ der Wise Guys wiederfinden, seien es Informationen über geänderte Bahnsteige, Verspätungen, umgekehrte Wagenfolgen, verlockende Angebote aus dem Bordrestaurant oder einem manchmal nicht allzu appetitlichen Besuch des WC. Den reichlich gespendeten Applaus hatten sich die Sänger und Sängerinnen sowie ihr Chorleiter, der hervorragend mit den Kindern und Jugendlichen arbeitet, redlich verdient. Man darf schon gespannt sein auf das Weihnachtskonzert, das am 9. Dezember wieder in der Göllsdorfer Pfarrkirche stattfinden wird

Seite 1 / 1
Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 9. Juli 2018 von Pressemitteilung (pm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/rottweil/ein-gang-durch-tag-und-nacht-mit-der-jugendkantorei-goellsdorf/207541