Der Betreiber einer italienischen Gaststätte in Rottweil, Placido A. ist verhaftet worden. Dem Wirt wird offenbar vorgeworfen, an einem großangelegten Handel mit Waffen und Drogen zwischen Deutschland und Sizilien beteiligt gewesen zu sein. Das berichten mehrere italienische Medien seit gestern. Die zuständige Staatsanwaltschaft Konstanz will kommende Woche Stellung nehmen. Die Frau von Placido A. bestätigte derweil im Gespräch mit der NRWZ seine Verhaftung.

Vor wenigen Tagen berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Mitteilung, seit Sommer 2016 ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen den organisierten Drogenhandel im Süddeutschen Raum geführt zu haben. Die Ermittlungen hätten sich dabei vorwiegend gegen italienische Staatsangehörige gerichtet, denen enge Bezüge zur italienischen Mafia unterstellt werden. In Zusammenarbeit mit der italienischen Polizei ist es offenbar es nun gelungen, den international agierenden Rauschgifthändlerring auszuheben.

Update: Hier berichten wir über das Thema weiter.

Die hiesige Polizei meldete 15 Festnahmen in Deutschland. Italienische Medien schreiben von 20 im Raum Palermo. Bei einem der in Deutschland Festgenommenen soll es sich um den Wirt aus Rottweil handeln. Wie „Palermo Today“ meldet, sei A. im Rahmen der länderübergreifenden Aktion verhaftet worden. „Giornale di Sicilia“ nennt A. eine „Schlüsselfigur“.

Neben dem Rottweiler Lokal betreibt der Mann ein weiteres in VS-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Seine Rottweiler Gaststätte ist in der Stadt äußerst beliebt, der nun verhaftete Betreiber ein bestens im Kleinstadtleben integrierter Mann. Das Rottweiler Restaurant hat nach dem gestrigen Ruhetag heute wie gewohnt geöffnet.

Die Frau des Beschuldigten führt die Gaststätte weiter. Sie bestätigte der NRWZ die Verhaftung ihres Mannes. Er sei in Frankfurt. Nach ihrer Darstellung spreche sich die Nachricht in der Stadt bereits herum. Gäste würden ausbleiben – vor allem auch jene, die früher und jahrelang gerne gekommen seien.

Die Vorwürfe gegen ihren Mann weist sie im Gespräch mit der NRWZ entschieden zurück. Sie hätte von dem vielen Geld, über das ihr Mann verfügt haben soll, ja wohl etwas mitbekommen haben müssen.

Die Konstanzer Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führt, möchte sich der Presse gegenüber aktuell nicht äußern. Auf Nachfrage der NRWZ teilt der zuständige Staatsanwalt mit, dass seine Behörde Anfang kommender Woche Stellung nehmen wolle. Bis dahin wollten die Ermittler festlegen, was an die Öffentlichkeit gegeben werden könne und was nicht – um weitere Ermittlungen nicht zu gefährden.

Die Polizei reagiert auf Nachfrage der NRWZ wie folgt: „Sie wissen, dass wir keine Namen nennen dürfen. Den Mitteilungen der italienischen Medien, die ihre Informationen offenbar aus einer Pressekonferenz in Palermo erhalten haben, widersprechen wir jedoch nicht. Der Beschuldigte wurde im Schwarzwald-Baar-Kreis (Wohnort) festgenommen.“

Der Vorwurf laute auf organisierten Drogenhandel. „Da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, schließen wir weitere Tatbestände nicht aus. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir jedoch nicht mehr mitteilen“, so Michael Aschenbrenner vom Polizeipräsidium Tuttlingen.

Während die deutschen Behörden, die eng mit den italienischen zusammen gearbeitet haben, sich zu den Festgenommenen also weitgehend ausschweigen, berichten italienische Zeitungen offen über jenen Placido A., der dem Anschein nach eine zentrale Rolle gespielt haben muss. Auf Sizilien wurden vier Millionen Euro, die aus Mafiageschäften stammen sollen, beschlagnahmt. Das meldete „La Repubblica“. Die italienischen Medien haben ihre Informationen offenkundig aus einer Pressekonferenz der Ermittlungsbehörden in Palermo, die am Montag stattgefunden hat.

Dem Wirt wird die direkte Verstrickung in die Drogengeschäfte und in Gewaltdelikte vorgeworfen. Wie „La Sicilia“ berichtet, soll Placido A. seinerzeit nicht über die finanziellen Ressourcen verfügt haben, gleich zwei Lokale in Deutschland aufzubauen – und deshalb Kontakt zur Mafia gepflegt haben.

Die „Live Sicilia“ berichtet, Placido A. habe Italien gen Deutschland im Jahr 2007 verlassen und zu der Zeit kein Einkommen gehabt. Er sei von Palermo aus auf der Suche nach „Glück“ gewesen. Die beiden Restaurants zu eröffnen hätten ihm seine „festen Beziehungen zur sizilianischen Hauptstadt“ ermöglicht. Ohne Angaben von Quellen führt das Blatt A. als Kopf der sizilianisch-deutschen Organisation. Es zeigt mit Verweis auf Facebook Bilder von A. mit einem Sportwagen und berichtet von einem Swimming-Pool, den er besitzen soll.

Bei den Razzien seien in Italien mehr als 60.000 Euro in bar, zwei Pistolen (eine halbautomatische und ein Revolver), zwei Raketenwerfer, verschiedene Messer, eine Cannabis-Plantage sowie sechs Autos, zwei Grundstücke und Waren im Wert von über 145.000 Euro sichergestellt worden.

Allein in Deutschland sind insgesamt mehr als 300 Polizisten, darunter auch Verbindungsbeamte der italienischen Polizei, Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Einsatz und der Bereitschaftspolizei, Finanzermittler, Hundeführer sowie Beamte der Steuerfahndung und des Zolls eingesetzt gewesen. Die Beamten konnten auch größere Mengen Marihuana und Kokain, mehrere Schusswaffen, hochwertige Fahrzeuge sowie Vermögenswerte in Höhe von mehreren hunderttausend Euro sicherstellen.

Die Mitglieder der Gruppierung, die ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten sind, seien dringend der organisierten Drogenkriminalität und anderer schwerer Gewalttaten, wie versuchter Mord, Raub und Erpressung, verdächtig. Auch ein Vorfall am 27. Mai in Hüfingen, bei dem früh morgens mehrere Schüsse in eine Gaststätte abgefeuert wurden, dürfte auf das Konto der Bande gehen. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung am Freitag mit.