Erfahrung und Frische oder Rotwein mit Pasta

Frame of Mind und two of us

Schwestern Mimi und Hélène Marcel übernahmen den Frischepart beim Konzert mit Frame of Mind in der Markthalle. Fotos: Jürgen Bögelspacher

ROTTWEIL – Es ist ein biss­chen wie den gut abge­la­ger­ten Rot­wein zur frisch zube­rei­te­ten Pas­ta mit jun­gem Gemü­se genie­ßen. Oder neh­men wir lie­ber den abge­han­ge­nen Schin­ken mit frisch­ge­ba­cke­nem Brot und pri­ckeln­dem neu­en Wein? Ja, ich weiß, für den Ver­gleich gibt´s Haue für die Vege­ta­rier­ma­ma, aber es passt ein­fach zu gut zu dem Abend mit Frame of Mind und two of us in der Markt­hal­le am Sams­tag.

Da sind fünf gestan­de­ne Män­ner, die seit Jahr­zehn­ten auf der Büh­ne ste­hen, ihre ganz eige­ne Musik machen und die blind, ver­mut­lich noch im Schlaf spie­len kön­nen. Deren Locken­pracht all­mäh­lich ergraut oder schon längst Ver­gan­gen­heit ist, die Spiel­lau­ne aber, ergänzt mit der lan­gen Erfah­rung, immer noch bes­tens rüber­kommt.

Und da sind die bei­den Schwes­tern Mimi und Hélè­ne Mar­cel, 16 und 18 Jah­re alt, mit Lam­pen­fie­ber, Hals­schmer­zen und feuch­ten Hän­den, was sie aber schnell über­win­den und zei­gen, was in ihnen steckt. Tol­le Stim­men näm­lich, und eine ganz unprä­ten­tiö­se, natür­li­che Art, auf der Büh­ne zu ste­hen und dann ein­fach nur zu sin­gen.

Stim­men, ganz unter­schied­lich und doch per­fekt har­mo­nie­rend. Das zusam­men ergibt tat­säch­lich ein der­ma­ßen lecke­res Menü, das kein noch so hoch­de­ko­rier­ter Ster­ne­koch bes­ser kom­po­nie­ren könn­te. Gewürzt wird das alles mit den alten und neu­en Stü­cken von Frame of Mind, die sich noch immer nicht in eine Schub­la­de ste­cken las­sen und das auch nicht wol­len. Da mischt sich mal ein Cover drun­ter, „With a litt­le help from my fri­ends” bei­spiels­wei­se, das schon Joe Cocker von den Beat­les über­nahm, die Fünf machen noch­mal was Neu­es draus.

Fun­kig, jaz­zig, rockig, und manch­mal auch ziem­lich roman­tisch, das haben sie alles drauf. Und wie immer gibt es auch Raum für fas­zi­nie­ren­de Soli, bei denen Eddie Büh­ler sein lan­ges Gitar­ren­ka­bel aus­nutzt und ein­fach im Publi­kum spielt, Key­boar­der Jo Hengst­ler gern zu Elek­tri­sie­ren­dem greift und Gren­zen aus­lo­tet, Schlag­zeu­ger Har­ry Rapp sein gan­zes Reper­toire aus­brei­tet, Vol­ker Bas­ler aus sei­nen Saxo­pho­nen das Äußers­te raus­holt und schließ­lich, last but not least, auch Bas­ser Steff Hengst­ler sich aus sei­nem Back­ground­da­sein mal in den Vor­der­grund spie­len darf.

Ja, Steff, schon bei Bach war das Bas­so con­ti­nuo unver­zicht­bar… Und schließ­lich die gemein­sa­me Zuga­be, das war das Sah­ne­häub­chen mit ech­ter Bour­bon-Vanil­le auf dem Apfel­kom­pott zum Nach­tisch, Bill Wither´s „Just the two of us” in der Mäd­chen­ver­si­on, und dann, nach augie­bi­gen Bit­ten des Publi­kums, „Sep­tem­ber” von Earth Wind and Fire. Fri­sche und Erfah­rung in per­fek­ter Kom­bi­na­ti­on, Mensch, war das lecker! Viel­leicht gibts ja bald mehr davon, für alle, die den Abend ver­passt haben. Und für die, denen er dann doch irgend­wie zu kurz war.