Facettenreiches Konzert zum Zehnjährigen

Der Mädchenchor unter der Leitung von Andreas Puttkammer feierte seinen 10. Geburtstag mit einem großartigen Konzert. Fotos: Jürgen Bögelspacher

ROTTWEIL – Seit zehn Jah­ren gibt es den Mäd­chen­chor Rott­weil, und das wur­de mit einem gro­ßen Kon­zert in den ehe­ma­li­gen Werk­stät­ten der Pul­ver­fa­brik gefei­ert: Ein fas­zi­nie­ren­der Raum, auch Kathe­dra­le genannt, den die Mäd­chen­stim­men mit ihrem Zau­ber mühe­los füll­ten. Das Pro­gramm des Chors, ver­stärkt durch Ehe­ma­li­ge und die Sän­ge­rin­nen des Jun­gen Chors der St. Ursu­la-Schu­len in Vil­lin­gen, war wie immer facet­ten­reich.

Zunächst gab es Wer­ke aus Barock und Klas­sik, dar­un­ter „Der Ring” von Anto­nin Dvor­ak oder „Klei­ne Wol­ke” von Niko­lai Rims­kij-Kors­sa­kow, dazu das fin­ni­sche Tra­di­tio­nal „Über den Berg” und ein unga­ri­sches Lied, „Schla­fen die Freun­de”, das sehn­süch­ti­ge Abend­stim­mung wider­spie­gelt, fein into­niert und herr­lich gesun­gen. Bei dem „Echo” von Orlan­do die Las­so taten die Sän­ge­rin­nen Pas­sen­des: Ein Teil sang von der der Büh­ne gegen­über­lie­gen­den umlau­fen­den Empo­re.

Der zwei­te Teil gehör­te moder­nen Stü­cken, wie „Tun­dra” von Ola Gjei­lo oder „Dirait in” von Mor­ton Lau­rid­sen. Aber auch Pop­songs wie „Aero­pla­ne” von John Rut­ter gehör­ten zum Pro­gramm, eben­so das von Chor­lei­ter Andre­as Putt­kam­mer kom­po­nier­te „Varia­ti­ons” und Stü­cke, bei denen die Mäd­chen zeig­ten, dass sie nicht nur das Sin­gen, son­dern auch Body-Per­cus­sion per­fekt beherr­schen.

Und wie es sich für ein Jubi­lä­um gehört, durf­ten die Anspa­chen nicht feh­len. Wil­ly Schmidt, Lei­ter der Kon­rad-Witz-Schu­le, in der der Chor seit zehn Jah­ren probt, erin­ner­te an die anfäng­lich schwie­ri­ge Situa­ti­on, aus dem sich die­ser weit über Rott­weil hin­aus bekann­te Chor ent­wi­ckelt hat. „Es war nicht ein­fach, in Rott­weil den Start hin­zu­krie­gen!” Er dank­te den Mäd­chen, die so viel ihrer Frei­zeit inves­tier­ten, auch um mit Bene­fiz­kon­zer­ten ande­ren zu hel­fen, Andre­as Putt­kam­mer für sei­ne nicht immer ein­fa­che Auf­ga­be und sei­ner Frau Ger­lin­de für ihren nim­mer­mü­den Ein­satz in Sachen ein­fühl­sa­mer Kla­vier­be­glei­tung. „Ich dan­ke Euch für wun­der­vol­le zehn Jah­re!” Auch Mar­tin Köch­ling, Vor­sit­zen­der des Chor-För­der­ver­eins, dank­te Putt­kam­mer und den Mäd­chen für ihre Krea­ti­vi­tät, Musi­ka­li­tät und Dis­zi­plin.

Chor-High­lights aus die­ser Zeit füll­ten den letz­ten Kon­zert­teil, „With or wit­hout you” von U2 oder „Yel­low” von Cold­play sowie Sil­ber­monds „Wei­ße Fah­nen” , Stü­cke, die der Chor bereits als viel­ge­se­he­ne Vide­os ver­öf­fent­licht und auf CDs ein­ge­sun­gen hat. Einer der bewe­gends­ten Momen­te des Abends war es sicher­lich, als die Mäd­chen, U2-sin­gend, von der Büh­ne durch den Saal zur Trep­pe lie­fen, sich auf der Empo­re ver­teil­ten und von dort das wun­der­ba­re „Evighe­den” von Micha­el Boje­sen anstimm­ten.

Der Bei­fall war über­wäl­ti­gend, und das, obwohl Chor­lei­ter Putt­kam­mer dar­um gebe­ten hat­te, erst nach den Blö­cken aus meh­re­ren Stü­cken zu klat­schen – das Publi­kum war nicht zu hal­ten, und manch einer brauch­te auch ein Taschen­tuch. Den Abschluss mach­te die Hym­ne von U2 für Mar­tin Luther King, für das der gan­ze, voll­be­setz­te Saal den Klang­tep­pich leg­te und die Mäd­chen dar­über san­gen. Klar, dass es ohne Zuga­be nicht ging, die war dann „Free­dom”, und hier durf­ten auch alle ehe­ma­li­gen Sän­ge­rin­nen auf die Büh­ne, die kaum Platz für alle hat­te. Ein fas­zi­nie­ren­der Abend, man darf hof­fen, dass es nicht zehn Jah­re dau­ert bis zum nächs­ten sol­chen Kon­zert.