ROTTWEIL – Was ist Lie­be? Eine der gro­ßen Fra­gen des Lebens, und die hat sich der Jugend­club des Zim­mer­thea­ters in sei­nem dies­jäh­ri­gen Stück vor­ge­nom­men: „Fahr­rad­öl für Anfän­ger” heißt es, und dar­in beleuch­ten die zehn Jugend­li­chen sämt­li­che Facet­ten des schöns­ten Gefühls der Welt.

So ein­fach die Fra­ge ist, so vie­le Ant­wor­ten gibt es näm­lich dar­auf. Eine davon ist das bibli­sche Hohe­lied der Lie­be, das hier genau­so­we­nig feh­len darf wie das Urteil von König Salo­mo über die bei­den um ein Baby strei­ten­den Müt­ter. Aber auch ganz per­sön­li­che Geschich­ten haben die jun­gen Schau­spie­ler in die­ses bun­te Patch­work­stück ein­ge­baut: Sol­che von der eige­nen Adop­ti­on und den Trä­nen der leib­li­chen Mut­ter, als sie ihr Kind her­gab. Sol­che von der Mut­ter, die ver­ge­wal­tigt wur­de und trotz­dem ver­such­te, ihr Kind zu lieben.

Tage­buch­ein­trä­ge, eine Nach­rich­ten­spre­che­rin, die die Geschich­te einer Mut­ter erzählt, die ihr Leben für ihre Kin­der opfert, ein Pro­fes­sor, der sei­nen Stu­den­ten die ver­schie­de­nen ero­ti­schen Pho­bi­en erklärt, wit­zig in Sze­ne gesetzt. Eine tote Mut­ter, die im Lei­chen­hemd ihren Lie­ben eine Video­bot­schaft aus dem Jen­seits schickt. Die Geschich­te von Maxi­mi­li­an Kol­be, der sein Leben im KZ für einen Fami­li­en­va­ter gibt.

Die bei­den schwu­len Cow­boys vom Bro­ke­back Moun­tain, ein Autist, der Lie­be nicht an sich her­an­las­sen kann, dazwi­schen Romeo und Julia in unter­schied­lichs­ten Varia­tio­nen – facet­ten­reich und gekonnt zei­gen die Jugend­li­chen, ange­lei­tet von Isa­bell Groß de Gar­cia, das brei­te Spek­trum des­sen, was Lie­be sein kann.

„Darf ich Ihnen mein Herz zu Füßen legen?” „Wenn Sie mir den Fuß­bo­den nicht schmut­zig machen…” Iro­nisch, wit­zig und zu Trä­nen rüh­rend sind die Sze­nen, und im Hin­ter­grund L‚Amour, an einem alten Fahr­rad bas­telnd, das am Ende nicht mehr schwarz, son­dern rot ist, und trös­tend ein­grei­fend, wenn es mit der Selbst­lie­be mal zu sehr hapert. Und natür­lich mit ver­schie­de­nen Schmierölen aus­ge­stat­tet, damit auch alles schön rund läuft mit der Lie­be. Tol­le Ide­en, tol­les Schau­spiel und dazwi­schen tol­le Gesangs­ein­la­gen – sehr sehens­wert. Wer das möch­te: Die zwei­te Auf­füh­rung ist am Diens­tag um 20 Uhr im Zim­mer­thea­ter am Friedrichsplatz.