Fallus? Bohrer? Albblick-Turm?

Rottweil (gg). Gleich zwei Aktionen beschäftigen sich mit einem möglichen künftigen Namen für den neuen Aufzugstestturm von ThyssenKrupp, der auf dem Berner Feld entsteht. Beiden gemeinsam ist, dass sich viele an ihnen beteiligen. Und dass sie nicht mit einer offiziellen Stelle abgesprochen sind.

Sehr gute Idee.“ Das war der erste Gedanke, den wir von der NRWZ hatten, als wir den Schwarzwälder Boten neulich aufmachten. Darin: die Umfrage nach einem neuen Namen für den Testturm. Unser zweiter Gedanke war: „Was, wenn wir das gestartet und einen guten Namen gefunden hätten – würde ThyssenKrupp uns den abnehmen?“ Denn eigentlich geht es doch darum: einen einprägsamen, wirklich zukunftsfähigen Namen zu finden. Einen, der auf den Schildern zum Turm und dort neben oder über der Eingangstüre steht.

Doch die Nachfrage der NRWZ bei ThyssenKrupp und der Stadtverwaltung, den mutmaßlich ersten Ansprechpartnern vor dem Start einer solchen Aktion, ergibt: Sie sind nicht gefragt, nicht eingebunden worden. Es geht dem „Schwabo“ also „nur“ um das Versprechen einer Gratis-Aufzugsfahrt auf die dann höchste Aussichtsplattform Deutschlands und zwei Gläser Sekt samt Häppchen als Aperitif für den Sieger. Allerdings ist unklar, inwieweit sich der nach dem System der Tageszeitung gefundene Name tatsächlich auf eine breite Akzeptanz wird stützen können. Aus den vielen Vorschlägen, die laut dem Blatt on- und offline bereits eintreffen, soll eine Jury genau drei herausfiltern. Die Jury wird aus Redaktionsmitgliedern des „Schwabo“ bestehen und ist bislang nicht namentlich näher beschrieben. „Das wählen wir selber aus“, erklärt einer der Schwabo-Kollegen der NRWZ. Aus den so verbliebenen drei Vorschlägen soll dann per TED-Umfrage der Sieger bestimmt werden – also mittels einer für die Anrufer kostenpflichtigen telefonischen Umfrage, wie es sie auch schon zum Gefängnisstandort gegeben hat.

Die gleiche Idee, nämlich einen Wettbewerb zu starten, hatten zwei Betreiber einer Facebookseite namens „Rottweiler Testturm ‚Tower of Light‘“. Seit 18. Oktober fragen sie ihre mehr als 1200 Fans: „Wie würdet ihr den neuen Testturm in Rottweil nennen?“ Einen Preis loben sie nicht aus. Dennoch gehen auch hier einige Vorschläge ein.

Die beiden Turmfans auf Facebook, das sind Eric Joswig und Julian Gläser. Sie erklären: „Uns beide interessiert der neue Turm sehr. Leider gibt es ja nur selten Informationen in der Zeitung, wie weit der Turm schon aufgebaut ist, deshalb gibt es auf unserer Seite jedes Wochenende aktuelle Bilder von der Baustelle.“

Auf dieser Facebookseite ist der Wettbewerb beendet. Gewonnen hat dort eine Bine Eck mit dem Namen: „Lift to the Stars“ – Aufzug zu den Sternen.

Doch die Suche geht weiter, Vorschläge treffen hier und da online ein. Wie wäre es etwa mit „Fallus“ – angelehnt an den Fauxpas eines externen Experten, der im Rottweiler Gemeinderat Wanderkarten vorstellen sollte, und der den Namen des Turms nicht parat hatte, ihn als „Fallturm“ einzeichnete. Oder wie wäre es mit „Bohrer“ – die NRWZ hatte nach der Enthüllung der Pläne getitelt: „Es ist ein Riesenbohrer!“, und ein Foto des Turms um 90 Grad gedreht, so dass er waagerecht in die Landschaft ragte. Zu den ernsthafteren Kandidaten kann da wohl „Albblick-Turm“ gezählt werden – wobei diesem Vorschlag der Mut zu fehlen scheint, denn bei schönem Wetter wird man vom Rottweiler Turm aus die Alpen, nicht etwa nur die Schwäbische Alb sehen können, erwarten seine Erbauer, erwartet Thyssen Krupp Elevator.

Dieses Unternehmen ist in all die Spielchen vorab nicht einbezogen worden. Gegenüber der NRWZ erklärt ein Sprecher von ThyssenKrupp Elevator eindeutig etwa über den Vorstoß der Tageszeitung: „Die Aktion war nicht mit uns abgesprochen.“ Es habe im Vorfeld mal eine lose Anfrage gegeben, ob TKE sich eine Namenssuche über die Zeitung vorstellen könne, worauf der Aufzugbauer signalisiert habe: „Prinzipiell ja.“ Dann habe man nichts mehr voneinander gehört.

Allerdings bewegten das Unternehmen zurzeit auch andere Dinge. „Wir wollen, dass der Turm jetzt so schnell wie möglich gebaut wird. Um einen Namen machen wir uns zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken“, so der Sprecher gegenüber der NRWZ. Ob es einer der „lustigen und inter­essanten Namensvorschläge“, wie der TKE-Mann die bislang vorgebrachten nennt, wirklich zum Namen des Turms schaffe, sei ohnehin völlig unklar. So lässt er durchblicken, dass der Volksmund gerne für eigene Namen von Gebäuden sorge, ganz ohne Anleitung. „Langer Eugen“, „Space Needle“ und „Gold-Else“ seien etwa so entstanden.

Offiziell heißt das Bauwerk bislang „Forschungs- und Entwicklungsturm für Aufzugs-Innovationen“, was durchaus auch 2016, bei der Eröffnung, über oder neben dem Eingang stehen könnte und auf den Wegweisern dorthin. Dass es dieses Wortungetüm in den Volksmund schaffe, bezweifelt der ThyssenKrupp-Sprecher mit einem durch die Telefonleitung hindurch wahrnehmbaren Lächeln. TKE-intern wird das Bauwerk übrigens schlicht „Testturm“ genannt. Der TKE-Sprecher hat auch noch einen Namen parat: „Riesenbohrer“, erinnert er sich lachend, habe „irgendwo mal gestanden.“

Der Turm hat aber eigentlich schon einen Namen, ihn verwenden jene beiden Facebook-Seitenbetreiber, zudem gibt es unter diesem Schlagwort bereits einen Eintrag bei Wikipedia: „Tower of Light.“ Den Namen geprägt hat der Star-Architekt Helmut Jahn, der den Testturm entworfen hat. Die Bezeichnung rührt daher, dass der Turm nachts von innen her beleuchtet werden soll, wie die Stadtverwaltung nach der Vorstellung der Architektur vergangenen April bekanntgab.

Apropos: Auch die Stadtverwaltung ist nicht von den Initiatoren der beiden Namensgebungs-Initiativen vorab ins Boot geholt worden. Eine offizielle Anfrage habe es nicht gegeben, heißt es auf Anfrage der NRWZ.

 

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