Von links: Die Ehepaare Ambos und Schulte-Frohlinde vor dem großelterlichen Haus. Foto: pm

ROTTWEIL – Die Stadt Rott­weil war in der let­zen Woche Schau­platz eines nicht all­täg­li­chen Fami­li­en­aus­flu­ges. Neben Aus­flugs­zie­len im Umland stat­te­ten die Ver­wand­ten Dr. Peg­gy Schul­te-Froh­lin­de aus Mün­chen und Ruth Ambos aus Isra­el zusam­men mit ihren Ehe­män­nern der Hei­mat ihrer Groß­el­tern einen Besuch ab.

Erst vor etwa drei Jah­ren hat­te Peg­gy Schul­te-Froh­lin­de, nach eige­nen Nach­for­schun­gen und mit Hil­fe von Bet­ti­na Eger-Heiß, Mit­glied des „Ver­ein ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil“, Ein­zel­hei­ten über ihre jüdi­sche Fami­li­en­ge­schich­te erfah­ren. Seit­her inten­si­vier­ten die bei­den gemein­sam die For­schun­gen zu den Fami­li­en Hess und Wäl­der. Im Rott­wei­ler Stadt- und Kreis­ar­chiv sowie in den Archi­ven des AMG und des DHG wur­den sie fün­dig.

Eine weit­ver­zweig­te Fami­lie von Deutsch­land über Ame­ri­ka bis Isra­el konn­te so ent­fal­tet wer­den. Erst im Früh­jahr die­sen Jah­res fan­den sich dann die Kusi­nen Peg­gy und Ruth mit Hil­fe des israe­li­schen Such­diens­tes. Nun besuch­ten sie also erst­mals gemein­sam die Stadt ihrer fami­liä­ren Wur­zeln. Im Vor­feld hat­te Eger-Heiß ein umfang­rei­ches Besuchs- und Begeg­nungs­pro­gramm orga­ni­siert. Auf­grund der Unter­la­gen des AMG konn­te ein Schul­ka­me­rad von Alfred Hess gefun­den wer­den. Des­sen Nach­fah­ren luden nun zum Kaf­fee ein. Um eine pro­blem­lo­se Ver­stän­di­gung zu gewähr­leis­ten, kam eine Hebrä­isch- und Eng­lisch­leh­re­rin des Alber­tus-Magnus-Gym­na­si­ums dazu.

Bei Kaf­fee und Kuchen wur­den Fotos, Unter­la­gen und Fami­li­en­an­ek­do­ten aus­ge­tauscht. Das haus­ei­ge­ne Fran­sen­kleid­le war eine will­kom­me­ne Attrak­ti­on. Die Gäs­te waren dank­bar für die­sen fami­liä­ren Rah­men der Begeg­nung. Der ehe­ma­li­ge Stadt­ar­chi­var, Dr. Win­fried Hecht, führ­te anschlie­ßend durch das Hei­mat­mu­se­um und zeig­te wei­te­re Sehens­wür­dig­kei­ten der Stadt. Ruth Ambos erin­ner­te sich dabei immer wie­der an ein­zel­ne Orte. War sie doch bis in die sech­zi­ger Jah­re jeden Som­mer mit ihrer Mut­ter zu Gast bei deren ehe­ma­li­gen Schul­ka­me­ra­din gewe­sen.

Der Höhe­punkt die­ses Rund­gan­ges war der Besuch der Räu­me der ehe­ma­li­gen Syn­ago­ge in der Kame­ra­l­amts­gas­se. Die Gäs­te waren beein­druckt von den gut erhal­te­nen Male­rei­en. Sie bedau­er­ten es, dass die­ser beson­de­re Raum bis­her nicht einer brei­ten Öffent­lich­keit zugäng­lich ist. Auch die Johan­ni­ter­schu­le gewähr­te Zugang. Dort hat­te Emmy Wäl­der, die Mut­ter von Ruth, die obe­re Mäd­chen­schu­le besucht. Der reform­päd­ago­gi­sche Bau begeis­ter­te die Besu­che­rin­nen und Besu­cher.

Zum Abschluss des offi­zi­el­len Besu­ches bedank­ten sich alle bei der Orga­ni­sa­to­rin Bet­ti­na Eger-Heiß. Die Vor­sit­zen­de des „Ver­ein ehe­ma­li­ge Syn­ago­ge Rott­weil“, Johan­na Knaus, die eben­falls mit von der Par­tie war, schloss sich dem Dank an. Sie mein­te, dass das Ver­eins­ziel, Kon­tak­te zu Nach­fah­ren von ehe­ma­li­gen jüdi­schen Bür­gern und Bür­ge­rin­nen Rott­weils zu pfle­gen, in die­sem Fall wie­der durch das beson­de­re Enga­ge­ment eines Ver­eins­mit­glie­des, vor­bild­lich erreicht wor­den sei.