FDP: Rottweil verpasst Chancen durch den Turm

Ein paar deutliche, kritische Anmerkungen zu einem an sich guten städtischen Haushalt

Weithin sichtbare Landmarke: der Rottweiler Testturm (Bildmitte). Hier vom Klippeneck oberhalb Denkingens (Kreis Tuttlingen) aus gesehen. Foto: gg

Finanz­la­ge gut, alles gut. Das war das Fazit in den Reden der Frak­ti­ons­spre­cher nach den Haus­halts­be­ra­tun­gen. Hubert Nowack, Grü­ne, erlaub­te sich ange­sichts der freu­di­gen Stim­mung sogar einen klei­nen Scherz: „Wir stim­men zu, hu-hu-hu”, sag­te er. Doch Micha­el Ger­lich (FDP) hat­te dann doch noch ein paar deut­li­che, kri­ti­sche Anmer­kun­gen, spe­zi­ell zum The­ma Tou­ris­mus und Turm.

Rott­weil habe zwar mit dem Test­turm „einen rie­si­gen Sprung ins 21. Jahr­hun­dert gemacht”, sag­te Ger­lich, aber bei der tou­ris­ti­schen Umset­zung sei Sand im Getrie­be. Und er nann­te meh­re­re Bei­spie­le:

  • Es gebe kei­ne Anstal­ten, die Öff­nungs­zei­ten der Tou­rist-Info dem Bedarf anzu­pas­sen.
  • Die Ange­bots­ge­stal­tung der Geschäf­te lie­ße zu wün­schen übrig.
  • Fehl­an­zei­ge beim Rück­bau des brach­lie­gen­den Teils der B 27.
  • Es kämen ers­te Zwei­fel an der Rea­li­sie­rung der Hän­ge­brü­cke auf.
  • Hotel­le­rie: Im Spi­tal lau­fe nichts, eben­so wenig auf dem Ber­ner Feld, wo Omni­bus Hau­ser längst einen Bau­an­trag gestellt habe. So blei­be das Gelän­de um den Turm her­um „auch 2018 Park­platz­wüs­te”.
  • Seit vier Jah­ren for­de­re er eine Beschil­de­rung in der Innen­stadt, aber nichts sei pas­siert, auch nicht nach der Turm-Eröff­nung, kri­ti­sier­te Ger­lich. Wört­lich: „Vor drei Jah­ren hat man mir erklärt, die Fir­ma sei beauf­tragt, die Far­be der Schil­der und die Schrift sei­en bereits aus­ge­sucht. Vor zwei Jah­ren hat mir der Ober­bür­ger­meis­ter auf mei­ne Anfra­ge geant­wor­tet, man habe jetzt wirk­lich wich­ti­ge­res zu tun, und vori­ges Jahr hieß es, das sei jetzt nicht unser The­ma. Und so kommt es, dass Besu­cher wei­ter hilf­los in der Stadt ste­hen, kei­ne Hin­weis­schil­der, die Tou­ris­mus-Info zu, die Gas­tro­no­mie geschlos­sen.

Ger­lich sag­te auch ein­len­kend namens der FDP: „Wir wis­sen, dass bei der Ver­wal­tung vie­le Berei­che per­so­nell aus­ge­dünnt sind.” Gera­de der Fach­be­reich Bau­en und Stadt­ent­wick­lung sei betrof­fen, „aber genau das ist der Bereich, in dem zur­zeit bevor­zugt Arbeit geleis­tet wer­den muss.” Es sei gefähr­lich, wenn sich das Per­so­nal­ka­rus­sell immer wei­ter dre­he, „da wird immer öfter einer raus­ge­schleu­dert, und wir kön­nen nur hof­fen und wün­schen, dass die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben zeit­ge­recht bear­bei­tet wer­den kön­nen.” Noch brum­me die Kon­junk­tur und die Zin­sen sei­en nied­rig. Nicht umsonst über­stei­ge die Zahl der bau­wil­li­gen Bewer­ber die Zahl der zur Ver­fü­gung ste­hen­den Bau­plät­ze. Das gel­te für die Spi­tal­hö­he wie für Bron­nen­kohl in Hau­sen.

Er wol­le kein „Hor­ror-Sze­na­rio” auf­zei­gen, sag­te Ger­lich abschlie­ßend, aber man „muss schon mal den Fin­ger in die Wun­de legen”, so der gelern­te Chir­urg.

Ger­lich hat­te noch wei­te­re Kri­tik­punk­te: Im vori­gen Jahr habe der Gemein­de­rat einen Zuschuss für die Musik­schu­le kon­se­quent abge­lehnt. Jetzt sei­en alle Anträ­ge auf Geld groß­zü­gig geneh­migt wor­den. Und die Mehr­kos­ten für das Feu­er­wehr­haus wur­den schul­ter­zu­ckend abge­nickt. Ger­lich: „Aber was soll man auch machen?“

Ein­zig der zwei­te Medi­zi­ner im Rund, Dr. Mar­tin Hiel­scher von den Frei­en Wäh­lern, fand Bedenk­li­ches im vor­ge­leg­ten Haus­halts­ent­wurf. „Die Aus­ga­ben­sei­te wird von Jahr zu Jahr stei­gen, allei­ne durch tarif­li­che Anpas­sun­gen beim Per­so­nal, durch neue Auf­ga­ben, denen die Stadt sich bei­spiels­wei­se durch Zuzug von Men­schen stel­len muss, sowie durch gesetz­li­che Ver­pflich­tun­gen im Rah­men der Kin­der- und Jugend­be­treu­ung”, sag­te der Arzt. So habe der Gemein­de­rat kurz­fris­tig eine wei­te­re Stel­le für Schul­so­zi­al­ar­beit an den Rott­wei­ler Schu­len ein­ge­rich­tet. „Die gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung mit ihren neu­en Her­aus­for­de­run­gen und Pro­ble­men zwang uns zu die­ser Maß­nah­me, bei der nun auch die Schü­ler der Gym­na­si­en mit­be­treut wer­den.” Die Kos­ten für Kin­der­gär­ten und Schu­len „explo­die­ren förm­lich”, so Hiel­scher wei­ter.

Das bestä­tig­te Arved Sass­nick (SPD): Im Bereich Schu­len und Kin­der­gär­ten zei­ge sich „nahe­zu eine Ver­dop­pe­lung in den letz­ten drei bis vier Jah­ren.”

Auch Hei­de Frie­de­rich vom Forum für Rott­weil (FFR) leg­te den Fin­ger in die Wun­de. Sie for­der­te Abschaf­fung der Kin­der­gar­ten-Gebüh­ren und vom städ­ti­schen Wirt­schafts­för­de­rer Lom­sky beim Tou­ris­mus „mehr prak­ti­sche Umset­zung statt  Theo­rie“. Gro­ßen Nach­hol­be­darf bestehe beim städ­ti­schen Muse­um. Die Stadt müs­se ihre eige­ne Kul­tur­ge­schich­te bes­ser prä­sen­tie­ren. Und: Die Zwei­fel mehr­ten sich, dass der geplan­te Umbau des Alten Spi­tals zu einem Hotel rea­li­siert wer­den kön­ne, sag­te Frie­de­rich. Jetzt müss­ten Alter­na­ti­ven aus­ge­lo­tet wer­den.

Eine Absa­ge erteil­te die FFR-Spre­che­rin einem Park­haus-Neu­bau hin­ter der Dut­ten­ho­fer-Vil­la. Zuerst müs­se die Stadt­ver­wal­tung ein Ver­kehrs­kon­zept vor­le­gen, sag­te sie, um die benö­ti­gen Park­plät­ze über­haupt erst zu ken­nen.

Die ande­ren, grö­ße­ren Frak­tio­nen ver­zich­te­ten weit­ge­hend auf kri­ti­sche Anmer­kun­gen oder For­de­run­gen und beschränk­ten sich weit­ge­hend  auf eine Wür­di­gung des Haus­halts­plans mit posi­ti­ven Aus­sich­ten für 2018.

Schlüsselzahlen für dieses Jahr

Rekord-Ein­nah­men: 68 Mil­lio­nen Euro.
Gewer­be­steu­ern:  16 Mil­lio­nen Euro.
Grund­steu­ern: 14 Mil­lio­nen Euro.
Per­so­nal­kos­ten: 17,8 Mil­lio­nen Euro.
Kreis­um­la­ge:  10,8 Mil­lio­nen Euro.
Liqui­de Mit­tel: 17,3 Mil­lio­nen Euro.
Ver­schul­dung: laut Haus­halts­plan gleich null.
Groß­pro­jek­te: Erschlie­ßung Spi­tal­hö­he zwei Mil­lio­nen Euro, Teil-Neu­bau Dros­te-Hüls­hoff-Gym­na­si­um 1,5 Mil­lio­nen Euro, Gene­ral­sa­nie­rung Eichen­dorff-Schu­le 1,3 Mil­lio­nen Euro.