Ein­satz auf dem Ber­ner Feld: Die Rott­wei­ler Feu­er­wehr ist Diens­tag­abend zum Test­turm für Hoch­ge­schwin­dig­keits­auf­zü­ge aus­ge­rückt. Dort gab’s Ent­war­nung – ein Brand­mel­der im 14 Stock hat­te ver­rückt gespielt. Den­noch waren 33 Feu­er­wehr­leu­te in sie­ben Fahr­zeu­gen vor Ort. Zudem die Poli­zei und das Rote Kreuz. Alles wegen eines Fehl­alarms? Muss das sein? Und zahlt die Stadt etwa auch noch dafür? Die NRWZ hat nach­ge­fragt, Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler hat dazu kla­re Ant­wor­ten.

Der Rott­wei­ler Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler. Archiv-Foto: Moni Mar­cel

Sieben Fahrzeuge, 33 Feuerwehrleute

Alarm am Test­turm: Die Feu­er­wehr rückt aus. Und zwar inzwi­schen mit einem soge­nann­ten erwei­ter­ten Lösch­zug. Sie­ben Fahr­zeu­ge gehö­ren dem an, vier mehr als bei einem „nor­ma­len” Ein­satz an einem ande­ren sen­si­blen Objekt in der Stadt, an einer der Schu­len, bei­spiels­wei­se. Und war­um? „thyssenkrupp möch­te das so”, ant­wor­tet der Kom­man­dant der Rott­wei­ler Feu­er­wehr, Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler. Der Brand­schutz­be­auf­trag­te des Unter­neh­mens habe erklärt, dass die Feu­er­wehr da, wo er her­kom­me, in Essen, immer mit so einem gro­ßen Auf­ge­bot anrü­cke. Also wol­le er das auch in Rott­weil. Aus Sicher­heits­grün­den.

Ob die Rott­wei­ler frei­wil­li­ge Feu­er­wehr das leis­ten kön­ne, ob sie die Man­power habe – die­se Fra­gen beant­wor­tet Mül­ler mit einem kla­ren Ja. Ohne zu zögern. Der erwei­ter­te Lösch­zug besteht neben den Ein­satz­kräf­ten aus der Kern­stadt auch aus Kame­ra­den aus der Alt­stadt und Büh­lin­gen. Außer­dem sei der Ein­satz­leit­wa­gen mit drei Mann aus Gölls­dorf dabei – „die sind vor Ort eben­falls sehr hilf­reich für die Koor­di­na­ti­on und Doku­men­ta­ti­on”, erklärt Mül­ler, sie könn­ten viel­fäl­ti­ge Auf­ga­ben über­neh­men. Es sei gut, mit so vie­len Kame­ra­den anrü­cken zu kön­nen.

Und wer zahlt?

Aber die Kos­ten? Mül­lers Hin­weis, dass so ein umfang­rei­cher Lösch­zug deut­lich teu­rer sei als die Stan­dard­for­ma­ti­on, habe der thyssenkrupp-Mann sei­ner­zeit mit einem Lächeln zur Kennt­nis genom­men. Dann sei das eben so. Sei­nem Unter­neh­men sei es das wert. Und tat­säch­lich: Bei einem Fehl­alarm zahlt der Betrei­ber der Brand­mel­de­an­la­ge. Im Fal­le des Test­turms bekommt daher thyssenkrupp eine Rech­nung von der Rott­wei­ler Feu­er­wehr. „Die Stadt trägt kei­ne Kos­ten”, so Mül­ler zur NRWZ.

Und wie teu­er ist das? Das ist lan­des­weit inzwi­schen ein­heit­lich gere­gelt. So kos­te eine Dreh­lei­ter der Kate­go­rie 23/12 in Hei­del­berg so viel wie in Frei­burg und eben in Rott­weil, „264 Euro pro Stun­de”, so Mül­ler. Ein Lösch­grup­pen­fahr­zeug HLF 20 kos­te 184 Euro. Am güns­tigs­ten ist noch Mül­ler selbst: Sein Kom­man­do­wa­gen wird mit 16 Euro ver­an­schlagt. Und zwar jeweils für die vol­le Stun­de, die Feu­er­weh­ren sei­en gehal­ten halb­stünd­lich abzu­rech­nen. Dar­an hiel­te er sich bei der Rech­nungs­stel­lung, sagt Mül­ler. Am Test­turm sei aber schnell eine Stun­de ver­gan­gen, bis er und sei­ne Kame­ra­den wie­der ein­ge­rückt sei­en und die genutz­ten Gerä­te klar gemacht hät­ten.

 

 

Warum die Drehleiter zum Testturm ausrückt

War­um rückt eigent­lich immer auch die Dreh­lei­ter aus zum Test­turm? Macht die neben dem 246 Meter hohen Gebäu­de nicht eine beson­ders schlech­te Figur? Auch das klärt Mül­ler ger­ne. So gehe es bei der Dreh­lei­ter um zwei­er­lei – um das Belüf­tungs­ge­rät, das an ihr stan­dard­mä­ßig befes­tigt ist und das bei einem ver­rauch­ten Trep­pen­haus am Test­turm gute Diens­te leis­ten könn­te. Und es geht um die drei Mann Besat­zung der Dreh­lei­ter – ein Atem­schutz­trupp, der im Ein­satz­fall immer als ers­tes in den Turm muss. Die Lei­ter selbst – Neben­sa­che, in die­sem Fall.

Am Diens­tag hat­te der Brand­mel­der im 14 Stock ange­schla­gen. Etwa auf der Hälf­te der Turm­hö­he. Die Arbei­ter am Turm hät­ten sich schon übers Trep­pen­haus in Sicher­heit gebracht. Mül­ler erwar­tet  aller­dings erschöpf­te Besu­cher, wenn ab Okto­ber die Aus­sichts­platt­form geöff­net sein wird. Der Sprint von dort oben zur Erde – eine sport­li­che Stre­cke.

Es ist der bereits vier­te Fehl­alarm am Test­turm, zu dem die Rott­wei­ler Feu­er­wehr aus­ge­rückt ist. Drei davon gehen zu Las­ten thyssenkrupps, einer ist von Mit­ar­bei­tern der Fir­ma Bosch ver­ur­sacht wor­den, so Mül­ler gegen­über der NRWZ. Die­se hät­ten Ände­run­gen an der Brand­mel­de­an­la­ge vor­ge­nom­men, ohne die zuvor zu deak­ti­vie­ren.

Die Rech­nung habe er, sagt Mül­ler, aber eben­falls an thyssenkrupp geschickt. Und er lobt abschlie­ßend: „Das wird immer prompt bezahlt.