Festtage und ihre Bedeutung im Mittelalter

Johannes der Täufer in der Sammlung Dursch. Foto: pm

ROTTWEIL – Die Samm­lung Dursch im Domi­ni­ka­ner­mu­se­um Rott­weil – eine der bedeu­tends­ten Samm­lun­gen spät­mit­tel­al­ter­li­cher Skulp­tu­ren – nimmt den Betrach­ter mit in die dama­li­ge Zeit. Bei der Sonn­tags­füh­rung am 18. Juni um 15 Uhr berich­tet Cor­ne­lia Vot­te­ler nicht nur von der aus­ge­präg­ten Fröm­mig­keit des spät­mit­tel­al­ter­li­chen Men­schen, son­dern gewährt auch Ein­bli­cke in die Fes­te der Hei­li­gen die­ser Zeit, deren Bedeu­tung und dazu­ge­hö­ri­gen Bräu­chen.

Die Gedenk­ta­ge vie­ler Hei­li­ger, die den Men­schen des spä­ten Mit­tel­al­ters Hel­fer und Trös­ter waren, waren auch oft Anlass, die­se Tage gebüh­rend zu fei­ern und mit Bräu­chen zu bele­gen. Johan­nes der Täu­fer ist ein ganz beson­de­rer Hei­li­ger: nicht nur sein Geburts­tag (24. Juni), auch das Fest der Ent­haup­tung am 29. August sowie Johan­nis Emp­fäng­nis am 24. Sep­tem­ber sind Gedächt­nis­ta­ge.

Johan­nes ist der ein­zi­ge Hei­li­gen, des­sen Geburts­tag im Kir­chen­jahr gefei­ert wird – abge­se­hen von Maria – und steht somit als Gegen­pol zur Geburt Jesu an Weih­nach­ten. Gleich­zei­tig wer­den dadurch auch die bei­den Wen­de­punk­te des Jah­res mar­kiert: Nach Johan­ni wer­den die Tage wie­der kür­zer. Die Kir­che in Rott­weils Johan­ni­ter­kom­men­de war Johan­nes dem Täu­fer geweiht und die Lit­ur­gie war an den drei Fest­ta­gen des Ordens­hei­li­gen beson­ders fei­er­lich.

Peter und Paul (29. Juni) wur­de im Mit­tel­al­ter als Fei­er­tag began­gen. Beson­ders in Städ­ten an Küs­ten, See- und Fluss­ufern genoss Petrus als Patron der Fischer beson­de­re Ver­eh­rung. Die Domi­ni­ka­ner­kir­che in Rott­weil ist im Grun­de eine Peter und Paul-Kir­che, doch ist sie in und über Rott­weil hin­aus als Pre­di­ger­kir­che bekannt. In frü­he­ren Zei­ten brann­te am Rhein, vom Boden­see bis zu den Nie­der­lan­den, das Peters­feu­er als Wie­der­ho­lung des Johan­nis­feu­ers. Der Tag des Hl. Jako­bus (25. Juli) war Ern­te­be­ginn, die ers­ten Kar­tof­feln hie­ßen dar­um auch „Jakobs­kar­tof­feln“. In der Schweiz begann die Ern­te mit der Jakobs­fei­er, bei der sich die Mäg­de und Knech­te erst ein­mal die „Jakobs­stär­ke“ antran­ken, damit sie beim Mähen nicht „in den Hal­men ste­cken blie­ben“.

Die in der Samm­lung Dursch der­zeit auf­ge­stell­ten Zunft­la­ter­nen geben Anlass, sich auch ganz beson­ders mit Fron­leich­nam zu beschäf­ti­gen. Die Anre­gung zu die­sem Fest ent­stammt einer Visi­on der hei­li­gen Julia­na von Lüt­tich (+5.4.1258) und fand im Bis­tum Lüt­tich sei­ne Ein­füh­rung. 1264 wur­de Fron­leich­nam durch Papst Urban als „Fest des Lei­bes Chris­ti“ zum all­ge­mei­nen kirch­li­chen Fest erho­ben.

INFO: Treff­punkt für die­se Füh­rung ist um 15 Uhr im Foy­er des Domi­ni­ka­ner­mu­se­ums. Kos­ten: Zwei Euro zuzüg­lich Ein­tritt (bis 18 Jah­re kos­ten­frei). Es besteht zudem die Mög­lich­keit, sich über die Neu­ge­stal­tung der Abtei­lung sowie die Über­nah­me einer Objekt­pa­ten­schaft zu infor­mie­ren.