Feuerwehr-Fahrdienst für Rottweiler Schmotzigen-Gruppen weckt ein wenig Neid und Missgunst

Anonyme E-Mail an Stadtverwaltung, Stadträte und Presse / "Der Crème de la Crème die Gruppen direkt zugeführt"

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Am „Schmot­zi­gen Don­ners­tag” hat es einen Fahr­dienst der Rott­wei­ler Feu­er­wehr gege­ben. Schmot­zi­gen-Grup­pen sind gra­tis vom Gast­haus „El Gre­co” zur neu­en Feu­er­wa­che chauf­fiert wor­den. Und wie­der zurück. Damit die 125 inzwi­schen dort fei­ern­den Feu­er­wehr­leu­te auch etwas von der Fas­net mit­be­kom­men. Ein Bür­ger regt sich dar­über auf und hat sich an die Stadt­ver­wal­tung, die Stadt­rä­te und die Pres­se gewandt. Neben Geld­ver­schwen­dung und Ver­si­che­rungs­pro­ble­men wit­tert er auch Günst­lings­wirt­schaft. „Der Crè­me de la Crè­me” sei­en „die Grup­pen direkt zuge­führt” wor­den, schimpft der Anony­mus. Die NRWZ kann ihn beru­hi­gen.

Es stimmt: Es hat eine Art Sam­mel­ta­xi gege­ben für die Schmot­zi­gen-Grup­pen an jenem Don­ners­tag vor der Fast­nacht. Die Grup­pen hat­ten vor­ab eine Han­dy­num­mer bekom­men – wie sich her­aus­stellt die von Feu­er­wehr-Abtei­lungs­kom­man­dant Volk­mar Caduff – und konn­ten sich für den Trans­fer anmel­den. Caduff hol­te sie dann umge­hend per­sön­lich ab – mit einem MTW der Rott­wei­ler Feu­er­wehr, einem Mann­schafts­trans­port­wa­gen.

Caduff kut­schier­te auf die­se Wei­se zehn Grup­pen vom „El Gre­co” zur neu­en Feu­er­wa­che. Nach deren Auf­tritt dort, fuhr er sie auf Wunsch zurück zum „Wald­horn” oder in die Innen­stadt, etwa zum „Spi­tal”. So schil­dert der Mann, der im Haupt­be­ruf Geschäfts­füh­rer eines Unter­neh­mens ist, den Abend auf Nach­fra­ge der NRWZ. „Die Grup­pen haben toll mit­ge­macht, die meis­ten haben im Auto schon musi­ziert”, erin­nert sich Caduff. Er selbst blieb  an dem Abend nüch­tern, um jeder­zeit fahr­be­reit zu sein. Das war ihm der Ser­vice für die Kame­ra­den wert.

Die Akti­on war lan­ge vor­aus geplant, so Caduff zur NRWZ wei­ter. „Zwei Jah­re lang haben wir das den Schmot­zi­gen-Grup­pen gegen­über kom­mu­ni­ziert”, sagt er. Und zwar dies: Die gro­ße Fei­er der Feu­er­wehr­ka­me­ra­din­nen und -kame­ra­den und ihrer Ange­hö­ri­gen in der Alten Feu­er­wa­che, die wür­de in der neu­en, außer­halb der Innen­stadt lie­gen­den nicht mehr so statt­fin­den kön­nen, wenn Caduff und Co. nicht nach­hel­fen. Denn den Weg in die Schram­ber­ger Stra­ße, an der Tank­stel­le „Heim­bur­ger” vor­bei, den hät­te wohl kaum eine Grup­pe zu Fuß ange­tre­ten. Also habe er sie gefah­ren.

Die­se Belus­ti­gungs­fahr­ten im Feu­er­wehr-Mann­schafts­wa­gen kri­ti­siert der anony­me Brief­schrei­ber – übri­gens ein Mensch, den die NRWZ nicht nament­lich kennt, mit dem sie aber immer wie­der im Aus­tausch ist über spe­zi­fi­sche Rott­wei­ler The­men. Er nennt sich „Rott­wei­ler Adler”, des Über­blicks übers Lokal­ge­sche­hen wegen.

Die Ange­hö­ri­gen der Feu­er­wehr und deren Mit­glie­der (woll­ten schließ­lich) gut unter­hal­ten wer­den”, kon­sta­tiert der E-Mail-Schrei­ber. „Ist halt doof wenn die Wache so weit von der Innen­stadt ent­fernt ist.”

Es sei aller­dings „unfair gegen­über all den ande­ren in der Stadt … aber es gab frü­her ja die Crè­me de la Crè­me im Spi­tal, die nie hat anste­hen müs­sen, und nun gibt es die zwei­te Crè­me de la Crè­me, denen man noch die Grup­pen direkt zuführt. Wie im wah­ren Leben. Es gibt die da oben und die da unten.”

Des­halb wol­le er, der „Rott­wei­ler Adler”, von Ver­wal­tung und Stadt­rä­ten wis­sen:

  • Erfolg­ten die­se Trans­fers der Fas­net­grup­pen mit der Zustim­mung der Stadt­ver­wal­tung Rott­weil?
  • Wie sind die Fahr­ten ver­si­che­rungs­recht­lich abge­si­chert? Und zwar bezüg­lich Fahr­zeug sowie Fahr­zeug­füh­rer und bezüg­lich Fas­net­grup­pen, die im all­ge­mei­nen kei­ne Mit­glie­der der Feu­er­wehr Rott­weil sind.
  • Sind die­se Kos­ten in den Mehr­kos­ten des Feu­er­wehr­haus­baus berück­sich­tigt wor­den?

Die NRWZ hat die Fra­gen an den Gesamt-Ver­ant­wort­li­chen wei­ter gelei­tet. An Rott­weils Feu­er­wehr­kom­man­dant, Stadt­brand­meis­ter Frank Mül­ler. Er war übri­gens kein Nutz­nie­ßer der Fahr­dienst-Akti­on, er war mit der Lei­te­rin des städ­ti­schen Ord­nungs­am­tes an dem Abend unter­wegs, um die Besen­wirt­schaf­ten zu kon­trol­lie­ren, etwa dar­auf­hin, dass sie die vor­ge­ge­be­ne Zahl an Besu­chern nicht über­schrei­ten.

Mül­ler sagt klar: Die Fahr­dienst-Akti­on „war völ­lig in Ord­nung.” Es habe sich, und dar­um geht’s, um eine kame­rad­schaft­li­che Ver­an­stal­tung der Feu­er­wehr gehan­delt. Und er habe die Fahr­ten im Vor­feld schrift­lich geneh­migt. Sie sei­en ver­gleich­bar mit den Fahr­ten für Kin­der etwa bei einem Tag der offe­nen Tür. Natür­lich dürf­ten Pri­vat­leu­te auch mit einem Feu­er­wehr­fahr­zeug mit­fah­ren. 

Der Mann­schafts-Trans­port­wa­gen der Rott­wei­ler Feu­er­wehr sei schließ­lich genau dafür da: Men­schen zu trans­por­tie­ren. So sei der Wagen wäh­rend der Nar­ren­sprün­ge etwa in der Innen­stadt bereit­ge­stellt gewe­sen. Im Ein­satz­fall hät­te er die frei­wil­li­gen (also: ehren­amt­li­chen) Feu­er­wehr­leu­te ein­ge­sam­melt und zur neu­en Wache trans­por­tiert. Auch die im Nar­ren­kleid oder im Musi­ker­kos­tüm. „Gott­sei­dank gab es aber kei­nen Ein­satz”, so Mül­ler wei­ter zur NRWZ.

Die Ein­satz­ab­tei­lung Rott­weil mit Caduff an der Spit­ze habe den Fahr­dienst in Eigen­re­gie, aber mit Wis­sen und Geneh­mi­gung des Kom­man­dan­ten geplant. Damit sei das in Ord­nung. „Der Kom­man­dant muss das vor­ab abseg­nen”, dann sei alles ok.

Zu den Ver­si­che­rungs­fra­gen: Die Feu­er­wehr­leu­te sei­en, bei vor­ab schrift­lich geneh­mig­ten Fahr­ten, also bei „ange­ord­ne­ten Ver­an­stal­tun­gen”, über die Unfall­kas­se Baden-Würt­tem­berg abge­si­chert. Und die mit­fah­ren­den Pri­vat­leu­te sei­en ohne­hin über die Insas­sen-Unfall­ver­si­che­rung des Fahr­zeugs ver­si­chert.

Und zur Kos­ten­sei­te, da gibt wie­der­um Orga­ni­sa­tor Volk­mar Caduff Aus­kunft: Er habe mit dem Trans­port­wa­gen rund 80 Kilo­me­ter zurück­ge­legt in der Schmot­zi­gen­nacht. „Macht Die­sel für 80 Kilo­me­ter”, so Caduff. Zur­zeit gibt es den Liter Die­sel für 1,10 Euro in Rott­weil. Caduff meint, man kön­ne sicher noch die Abnut­zung des Fahr­zeugs hin­zu­rech­nen, lässt das aber, nach­dem die NRWZ lächelnd dar­auf ver­zich­tet. Er selbst hat die Fahr­ten ehren­amt­lich gemacht, Geld von Grup­pen hat er kei­nes genom­men.

Ich den­ke, dass es jedem klar war, dass im Feu­er­wehr­haus durch die Ver­la­ge­rung kei­ne so präch­ti­gen Schmot­zi­gen mehr gefei­ert wer­den kön­nen”, so der anony­me „Rott­wei­ler Adler”. Dass die Feu­er­wehr nun nach­ge­hol­fen hat, scheint ihn ein wenig nei­disch zu machen. Er meint auch: „Die dies­jäh­ri­ge Pra­xis war zudem äußerst unfair gegen­über den ande­ren Loka­li­tä­ten.”

Er wol­le „dabei aber auch klar­stel­len, dass es kei­ne Kri­tik gegen­über den Grup­pen sein soll, denn die­se soll­ten frei ent­schei­den, wel­che Loka­li­tä­ten sie besu­chen.” Es gehe ihm ledig­lich um dem „Feu­er­wehr­trans­fer”.

Von der NRWZ mit dem Recher­che­er­geb­nis – die Fahr­ten waren ok – kon­fron­tiert, meint der „Rott­wei­ler Adler”, dass er an Stel­le der Feu­er­wehr auch so geant­wor­tet hät­te. Und ob das bedeu­te, dass er sich nun den „Anruf-Sam­mel­bus Feu­er­wehr” auch tele­fo­nisch bestel­len kön­ne? Nein, das ja nun nicht.

Rücken­de­ckung erhält die Feu­er­wehr der­weil von der Stadt­spit­ze. Bür­ger­meis­ter Dr. Chris­ti­an Ruf erklärt auf Nach­fra­ge der NRWZ, dass „zur Feu­er­wehr auch Kame­rad­schafts­pfle­ge” gehö­re. Sol­che Fahr­ten sei­en völ­lig unpro­ble­ma­tisch und bei Ver­an­stal­tun­gen üblich. „Außer­dem”, so Ruf, „fin­de ich es eine schö­ne Sache, wenn die Feu­er­wehr auf die­se Wei­se den Schmot­zi­gen fei­ern kann.”