Noch in den 50er Jah­ren und Anfangs der 60er gal­ten die Feder­han­nes als wil­de Gesel­len, die nicht nur den Leu­ten die Hüte vom Kopf stie­ßen oder mit par­fü­mier­ten Ste­cken­en­den betupf­ten, son­dern den hüb­schen Frau­en mit ihrem Ste­cken zwi­schen die Bei­ne fuh­ren, ein ein­deu­tig obszö­nes Vor­ha­ben, damals aller­dings noch mög­lich durch die Beklei­dungs­mo­de mit Röcken.

In Akti­on: ein Rott­wei­ler Feder­a­han­nes. Foto: pri­vat

Von Dr. med. Dans­jörg Heck, Fach­arzt für Gynä­ko­lo­gie i.R. in Rott­weil

Ver­fas­ser erin­nert sich, dass sei­ne (damals noch hüb­sche) Mut­ter extra für die Feder­han­nes einen Rock anzog. Durch die Hosen­mo­de kam die­ser vita­le Brauch, mög­li­cher­wei­se auch unter Ein­fluss würt­tem­ber­gisch-pie­tis­ti­scher Krei­se in Ver­ges­sen­heit.

Schon Prof. Wer­ner Mez­ger hat­te in sei­ner Habi­li­ta­ti­ons­chrift Mühe einen rea­len Feder­han­nes in genann­ter Akti­on zu fin­den, sodass er auf ein gestell­tes Bild ange­wie­sen war.

Ange­fan­gen hat der Nie­der­gang aller­dings bereits im 19. Jahr­hun­dert, als die blut­vol­len alten Ori­gi­nal-Schant­le, die „obszö­nen Ver­mum­mer“ unter­drückt wur­den. Heu­te sieht man nur noch geh­be­hin­der­te seni­le Schant­le ohne den gerings­ten ero­ti­schen Touch. Nicht zu spre­chen von den vor­mals wil­den Röss­le, die auf Frau­en­per­so­nen los­stürm­ten, sie mit dem Zügel­seil ein­fin­gen, wo es dann zur Sache ging. Man erin­ne­re sich nur an den legen­dä­ren „Röss­le­griff“.

Erst heu­te wie­der, wenn auch nur im „show busi­ness“ und geho­be­nen Poli­ti­ker­krei­sen, scheint wie­der etwas Leben in die klös­ter­li­che Ruhe zu kom­men: Es sei an die „Me too“ – Aktio­nen erin­nert, die selbst von höchs­ten prä­si­dia­len Krei­sen, beson­ders in USA, befeu­ert wer­den.

Die Rott­wei­ler Fas­net soll­te hier Bei­spiel gebend wie­der vor­an­ge­hen. Ich erin­ne­re an die alten Faxen des Gul­lers, der nach­weis­lich his­to­risch als Para­de­bei­spiel für Geil­heit gegol­ten hat. „Die tritt i au no“ war sein Aus­ruf bei Anblick eines hüb­schen Mäd­chens. Heu­te schleicht er wie zu einer Beer­di­gung im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „lust­los“ die Stra­ße ent­lang.

Dabei wäre die Weib­lich­keit für jede Zuwen­dung dank­bar. Es sei erin­nert an das alte Gedicht das von Metz­ger­meis­ter Franz Fischin­ger (1877–1966) über­lie­fert wur­de, wonach frü­her der Gul­ler die „net­te Maid­le“ auf sei­nem Säbel rei­ten ließ, „die alten Wei­ber loht er stau“. Dass ähn­li­ches schon im 17. Jahr­hun­dert üblich war, zeigt die Stuhl­wan­ge mit dem Gul­ler in der Hei­lig Kreuz Kir­che. Damals war es sogar ein Spieß statt eines Säbels. Don­ner­wet­ter!

Elzach scheint hier noch Bei­spiel gebend geblie­ben zu sein. Die ero­ti­schen Eska­pa­den der Schuttig mit ent­spre­chen­den Fol­gen wer­den von der Tou­ris­tik­wer­bung weid­lich aus­ge­beu­tet.

Um dem wie­der auf­zu­hel­fen und dem Gul­ler wie­der sein her­ge­brach­tes Werk­zeug zu ver­schaf­fen, sieht sich der Ver­fas­ser ver­an­lasst, in Form einer Stif­tung der Nar­ren­zunft, der Besit­ze­rin des Gul­lers, einen Säbel zu ver­ma­chen. Natür­lich aus Holz.

Mögen die alten obszö­nen Zei­ten wie­der­kom­men. Frau­en, zieht Röcke an