Frauen, zieht Röcke an, oder: Make Fasnet great again!

Ein Beitrag über den betrüblichen Verlust an Obszönität in der Rottweiler Fastnacht

Früher ein Paradebeispiel für Geilheit, heute eher "lustlos": der Rottweiler Guller. Archiv-Foto: Landreas Insenmann

Noch in den 50er Jahren und Anfangs der 60er gal­ten die Federhannes als wil­de Gesellen, die nicht nur den Leuten die Hüte vom Kopf stie­ßen oder mit par­fü­mier­ten Steckenenden betupf­ten, son­dern den hüb­schen Frauen mit ihrem Stecken zwi­schen die Beine fuh­ren, ein ein­deu­tig obszö­nes Vorhaben, damals aller­dings noch mög­lich durch die Bekleidungsmode mit Röcken.

In Aktion: ein Rottweiler Federahannes. Foto: pri­vat

Von Dr. med. Dansjörg Heck, Facharzt für Gynäkologie i.R. in Rottweil

Verfasser erin­nert sich, dass sei­ne (damals noch hüb­sche) Mutter extra für die Federhannes einen Rock anzog. Durch die Hosenmode kam die­ser vita­le Brauch, mög­li­cher­wei­se auch unter Einfluss württembergisch-pietistischer Kreise in Vergessenheit.

Schon Prof. Werner Mezger hat­te in sei­ner Habilitationschrift Mühe einen rea­len Federhannes in genann­ter Aktion zu fin­den, sodass er auf ein gestell­tes Bild ange­wie­sen war.

Angefangen hat der Niedergang aller­dings bereits im 19. Jahrhundert, als die blut­vol­len alten Original-Schantle, die „obszö­nen Vermummer“ unter­drückt wur­den. Heute sieht man nur noch geh­be­hin­der­te seni­le Schantle ohne den gerings­ten ero­ti­schen Touch. Nicht zu spre­chen von den vor­mals wil­den Rössle, die auf Frauenpersonen los­stürm­ten, sie mit dem Zügelseil ein­fin­gen, wo es dann zur Sache ging. Man erin­ne­re sich nur an den legen­dä­ren „Rösslegriff“.

Erst heu­te wie­der, wenn auch nur im „show busi­ness“ und geho­be­nen Politikerkreisen, scheint wie­der etwas Leben in die klös­ter­li­che Ruhe zu kom­men: Es sei an die „Me too“ – Aktionen erin­nert, die selbst von höchs­ten prä­si­dia­len Kreisen, beson­ders in USA, befeu­ert wer­den.

Die Rottweiler Fasnet soll­te hier Beispiel gebend wie­der vor­an­ge­hen. Ich erin­ne­re an die alten Faxen des Gullers, der nach­weis­lich his­to­risch als Paradebeispiel für Geilheit gegol­ten hat. „Die tritt i au no“ war sein Ausruf bei Anblick eines hüb­schen Mädchens. Heute schleicht er wie zu einer Beerdigung im wahrs­ten Sinne des Wortes „lust­los“ die Straße ent­lang.

Dabei wäre die Weiblichkeit für jede Zuwendung dank­bar. Es sei erin­nert an das alte Gedicht das von Metzgermeister Franz Fischinger (1877–1966) über­lie­fert wur­de, wonach frü­her der Guller die „net­te Maidle“ auf sei­nem Säbel rei­ten ließ, „die alten Weiber loht er stau“. Dass ähn­li­ches schon im 17. Jahrhundert üblich war, zeigt die Stuhlwange mit dem Guller in der Heilig Kreuz Kirche. Damals war es sogar ein Spieß statt eines Säbels. Donnerwetter!

Elzach scheint hier noch Beispiel gebend geblie­ben zu sein. Die ero­ti­schen Eskapaden der Schuttig mit ent­spre­chen­den Folgen wer­den von der Touristikwerbung weid­lich aus­ge­beu­tet.

Um dem wie­der auf­zu­hel­fen und dem Guller wie­der sein her­ge­brach­tes Werkzeug zu ver­schaf­fen, sieht sich der Verfasser ver­an­lasst, in Form einer Stiftung der Narrenzunft, der Besitzerin des Gullers, einen Säbel zu ver­ma­chen. Natürlich aus Holz.

Mögen die alten obszö­nen Zeiten wie­der­kom­men. Frauen, zieht Röcke an