Fünf gute Onkels ohne Dreadlocks

ROTTWEIL – Nein, sie sind noch immer nicht im Mainstream angekommen, die fünf Herren von Frame of Mind. Werden sie auch nie. Ihre Konzerte haben Seltenheitswert und sind jedesmal etwas ganz besonderes. So war es auch wieder auf der kleinen, aber feinen Bühne in Rottweils schöner, denkmalgeschützter Markthalle.

Vielleicht sollte man die fünf selbst ja auch unter Denkmalschutz stellen? Lange genug kennt man sie in der Region, und genau so lange machen sie ihr ganz eigenes Ding, Musik, für die es immer noch keine Schublade gibt und auch vermutlich nie geben wird. Aber für ein Denkmal sind sie viel zu lebendig, sprühend vor musikalischer Leidenschaft.

Und überlassen am Samstag zunächst mal dem Nachwuchs die Bühne, Joshua und Anja sind das dreadlockige „Hitchhike To Inside“, und sie reisen träumerisch und sphärisch in ihr Inneres und das ihrer Zuhörer, auch sie auf ihre ganz eigene und vielseitige Art. Träumen sich in andere Welten, in unverbaute Landschaften, wo Wölfe und Kojoten heulen und die Menschen noch im Einklang mit der Natur lebten, und das mit tollen Stimmen und überzeugendem Können.

Dann die fünf guten Onkels, die keine Dreadlocks haben, stattdessen Geheimratsecken oder gar keine Haare mehr. Dafür umso mehr Lebens- und Bühnenerfahrung, die in die fast ausschließlich selbst geschriebenen Stücke gekonnt einfließt. Fast, denn den Auftakt macht Gregory Porters „1960 what?“, eine jazzige Auseinandersetzung mit Rassenunruhen. Musik darf auch politisch sein. Muss sie manchmal sogar. Darf aber einfach nur schön sein, sehnsüchtig und voller Erinnerungen.

In funkige Gitarrenriffe und sirrende Hammond-Klänge gepackt, wie bei „Backstreets“, oder mit sanften Saxophon-Klängen von der Milchstraße träumend in „Second Wind“. Das kommt an, die etwa 100 Köpfe zählende Fan-Gemeinde geht mit, freut sich über den ersten Auftritt der fünf Jungs um Frontmann Edi Bühler und Saxophonist Volker Basler seit fast zwei Jahren. Und schaut nebenbei amüsiert dem Künstler Konstantin Müller zu, der sonnenbebrillt seine Eindrücke der Songs auf die Leinwand bannt.

Die Fan-Gemeinde ist eingefleischt, besteht teils aus Musikerkollegen, man kennt sich seit Jahrzehnten, kommt teilweise von weither, um Frame of Mind mal wieder zu hören, einer sogar von den Kanaren. „Das motiviert dann ganz besonders!“, freut sich Keyboarder Jo Hengstler. Was man spüren konnte, die Spielfreude. der Spaß an der Sache schwappte schnell ins Publikum und sorgte für einen tollen Abend, der, wie meist, mehr Gäste verdient hätte. Aber immerhin: Frame of Mind trotzten mit dem Markthallen-Team der feucht-kalten Rottweiler Partynacht – keine ganz einfache Konkurrenz. Doch so blieb in der Wohnzimmeratmosphäre der Markthalle genug Platz, um sich auszutoben. (Auch für Schlagzeuger Harry Rapp und Bassist Steff Hengstler, die nicht nur am Rande erwähnt bleiben sollen. Das am Rande.) Und zuletzt noch als Zugaben Bob Segers „Turn The Page“ und Stings Flaschenpost. Wer mehr davon haben will: Das gibt´s auf www.frame-of-mind.eu.

 

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