Wohnzimmeratmosphäre: Frame of Mind in der Markthalle. Foto: Jürgen Bögelspacher

ROTTWEIL – Nein, sie sind noch immer nicht im Main­stream ange­kom­men, die fünf Her­ren von Frame of Mind. Wer­den sie auch nie. Ihre Kon­zer­te haben Sel­ten­heits­wert und sind jedes­mal etwas ganz beson­de­res. So war es auch wie­der auf der klei­nen, aber fei­nen Büh­ne in Rott­weils schö­ner, denk­mal­ge­schütz­ter Markt­hal­le.

Viel­leicht soll­te man die fünf selbst ja auch unter Denk­mal­schutz stel­len? Lan­ge genug kennt man sie in der Regi­on, und genau so lan­ge machen sie ihr ganz eige­nes Ding, Musik, für die es immer noch kei­ne Schub­la­de gibt und auch ver­mut­lich nie geben wird. Aber für ein Denk­mal sind sie viel zu leben­dig, sprü­hend vor musi­ka­li­scher Lei­den­schaft.

Und über­las­sen am Sams­tag zunächst mal dem Nach­wuchs die Büh­ne, Joshua und Anja sind das dre­ad­lo­cki­ge „Hitch­hi­ke To Insi­de”, und sie rei­sen träu­me­risch und sphä­risch in ihr Inne­res und das ihrer Zuhö­rer, auch sie auf ihre ganz eige­ne und viel­sei­ti­ge Art. Träu­men sich in ande­re Wel­ten, in unver­bau­te Land­schaf­ten, wo Wöl­fe und Kojo­ten heu­len und die Men­schen noch im Ein­klang mit der Natur leb­ten, und das mit tol­len Stim­men und über­zeu­gen­dem Kön­nen.

Dann die fünf guten Onkels, die kei­ne Dre­ad­locks haben, statt­des­sen Geheim­rats­ecken oder gar kei­ne Haa­re mehr. Dafür umso mehr Lebens- und Büh­nen­er­fah­rung, die in die fast aus­schließ­lich selbst geschrie­be­nen Stü­cke gekonnt ein­fließt. Fast, denn den Auf­takt macht Gre­go­ry Por­ters „1960 what?”, eine jaz­zi­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit Ras­sen­un­ru­hen. Musik darf auch poli­tisch sein. Muss sie manch­mal sogar. Darf aber ein­fach nur schön sein, sehn­süch­tig und vol­ler Erin­ne­run­gen.

In fun­ki­ge Gitar­ren­rif­fe und sir­ren­de Ham­mond-Klän­ge gepackt, wie bei „Back­streets”, oder mit sanf­ten Saxo­phon-Klän­gen von der Milch­stra­ße träu­mend in „Second Wind”. Das kommt an, die etwa 100 Köp­fe zäh­len­de Fan-Gemein­de geht mit, freut sich über den ers­ten Auf­tritt der fünf Jungs um Front­mann Edi Büh­ler und Saxo­pho­nist Vol­ker Bas­ler seit fast zwei Jah­ren. Und schaut neben­bei amü­siert dem Künst­ler Kon­stan­tin Mül­ler zu, der son­nen­be­brillt sei­ne Ein­drü­cke der Songs auf die Lein­wand bannt.

Die Fan-Gemein­de ist ein­ge­fleischt, besteht teils aus Musi­ker­kol­le­gen, man kennt sich seit Jahr­zehn­ten, kommt teil­wei­se von weit­her, um Frame of Mind mal wie­der zu hören, einer sogar von den Kana­ren. „Das moti­viert dann ganz beson­ders!”, freut sich Key­boar­der Jo Hengst­ler. Was man spü­ren konn­te, die Spiel­freu­de. der Spaß an der Sache schwapp­te schnell ins Publi­kum und sorg­te für einen tol­len Abend, der, wie meist, mehr Gäs­te ver­dient hät­te. Aber immer­hin: Frame of Mind trotz­ten mit dem Markt­hal­len-Team der feucht-kal­ten Rott­wei­ler Par­ty­nacht – kei­ne ganz ein­fa­che Kon­kur­renz. Doch so blieb in der Wohn­zim­mer­at­mo­sphä­re der Markt­hal­le genug Platz, um sich aus­zu­to­ben. (Auch für Schlag­zeu­ger Har­ry Rapp und Bas­sist Steff Hengst­ler, die nicht nur am Ran­de erwähnt blei­ben sol­len. Das am Ran­de.) Und zuletzt noch als Zuga­ben Bob Segers „Turn The Page” und Stings Fla­schen­post. Wer mehr davon haben will: Das gibt´s auf www.frame-of-mind.eu.