NRWZ.de, 1. Februar 2021, Autor/Quelle: Pressemitteilung (pm)

Für die Zukunft gerettet

ROTTWEIl – Das Stadtarchiv Rottweil hat in enger Zusammenarbeit mit der Werkstatt für Buch- und Papierrestaurierung Raum aus Römerstein besonders wertvolle Archivalien restaurieren lassen. Das Projekt wurde dabei durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg wohlwollend gefördert. Die Arbeiten zogen sich über mehrere Monate hin und konnten im Dezember 2020 erfolgreich abgeschlossen werden.

Bei den geretteten Archivalien handelt es sich um mehrere mittelalterliche Verzeichnisse, sogenannte Urbare von 1512, 1523 sowie 1527 bis 1545, um Zinsbücher des Spitals (1536 bis 1577) und um das sogenannte „Rote Buch“ (15. Jahrhundert), in dem die damalige Verfassung der Reichsstadt Rottweil niedergeschrieben ist. An diesen Archivalien hatte sprichwörtlich der Zahn der Zeit genagt: Käfer-, Mäuse-und Tintenfraß, Fehlstellen, Risse, feuchte Stellen und Schimmel hatten den Dokumenten im Laufe der Jahrhunderte deutlich zugesetzt.

Das Stadtarchiv Rottweil hat wertvolle Dokumente restauriert und für die Zukunft gesichert. Gefördert wurde das Projekt von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg. Das Bild zeigt das Urbar der Kapellenkirche (1523) nach der Restaurierung. Foto: Stadtarchiv Rottweil

„Die restaurierten Quellen stellen allesamt Unikate dar und besitzen einen sehr hohen Quellenwert für die Geschichte der Reichsstadt Rottweil im 16. Jahrhundert, vor allem für das Zeitalter der Reformation“, so Rottweils Stadtarchivar Dr. Mathias Kunz. Die Dokumente geben einen sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Einblick in die Besitz- und Abhängigkeitsverhältnisse der damaligen Zeit. Darüber hinaus sind die Quellen aus rechtsgeschichtlicher Sicht ebenfalls sehr bedeutend, weil sie das damals geltende reichsstädtische Recht kodifizieren. Das „Rote Buch“ wird zum Beispiel ab November 2021 in der Ausstellung „1250 Jahre Rottweil“ im Original für alle Bürger zu sehen sein.

Es handelt sich bei allen Quellen um Pergamenthandschriften, die in wertvollem und edlem Leder eingebunden waren. Der Beschreibstoff Pergament und der Ledereinband waren sehr teuer und wurden nur für besonders wertvolle Unterlagen verwendet. Somit unterstreicht auch die äußere Form die Einmaligkeit dieser Quellen.

Stadtarchivar Dr. Mathias Kunz freut sich, dass die Archivalien für die Zukunft gerettet werden konnten. Die Archivalien stehen nun jedem Bürger nach Maßgabe des Landesarchivgesetzes Baden-Württemberg zur Nutzung im Lesesaal des Stadtarchivs Rottweil zur Verfügung. 2021 soll das Projekt fortgesetzt werden.

Für die Zukunft gerettet