Gefängnis in Corona-Zeiten: Fernsehen statt arbeiten

Gefängnis in Corona-Zeiten: Fernsehen statt arbeiten

ROTTWEIL – Wer eigentlich eine Gefängnisstrafe absitzen müsste, könnte derzeit Glück haben: In Corona-Zeiten werden nämlich manche Strafen ausgesetzt – allerdings nur vorübergehend.

“Neben der Unterbrechung der Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen und Erzwingungshaft, kann die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen, Erzwingungshaft und Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Monaten aufgeschoben werden”, schreibt Rottweils JVA-Chefin Jennifer-Catrin Rietschler. “Von Ladungen zum Strafantritt, Vollstreckungshaftbefehlen und Fahndungen wird abgesehen. Ausgenommen hiervon sind jedoch derzeit Jugendstrafen.”

Für die Gefängnisse im Land gibt es eine Pandemieplanung, die von Hygienefachleuten, Ärzten und anderen Fachleuten erarbeitet wurde. Die gibt vor, dass die Kontakte möglichst verringert werden, Besuche bei Gefangenen sind derzeit beispielsweise nicht erlaubt, Dienstpläne wurden umgestellt, “um mögliche kontaktbedingte Personalausfälle zu reduzieren.”, so Rietschler. “Diese und weitere Maßnahmen erlauben es daher bisher in unserem Bereich den Dienst ohne besondere Covid-19- Schutzausrüstung zu verrichten.”

Teilweise wurden in den Gefängnisse die Arbeitsbetriebe geschlossen, “zur Kompensation wird den Gefangenen kostenloses Fernsehen gewährt. Mittellos gewordene Untersuchungsgefangene erhalten eine finanzielle Unterstützung. Um den Kontakt der Gefangenen zu ihren Angehörigen aufrecht zu erhalten, werden in großem Umfang Telefonate für die Gefangenen ermöglicht. Zusätzlich wird derzeit daran gearbeitet, den Gefangenenbesuch im Wege der Videotelefonie zu gewährleisten”, so die JVA-Chefin. Die Gemeinschaftsräume dürfen die Gefangenen weiter nutzen, und sie dürfen auch ihre tägliche Stunde im Hof verbringen.

Den wöchentlichen Trost durch Gespräche mit den beiden Gefängnisseelsorgern Esther Kuhn-Luz und Michael Leibrecht gibt es derzeit nicht. “Wir sind im Standby-Modus”, so Michael Leibrecht.

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Quelle: NRWZ.de – veröffentlicht am 5. April 2020 von Moni Marcel (mm). Erschienen unter https://www.nrwz.de/rottweil/gefaengnis-in-corona-zeiten-fernsehen-statt-arbeiten/260103