Kommt das Großgefängnis nach Rottweil, dann am ehesten dorthin: das Esch. Foto: gg
Kommt das Großgefängnis nach Rottweil, dann am ehesten dorthin: das Esch. Foto: gg

Moder­ner Voll­zug ent­fer­ne den Gefan­ge­nen und sei­ne Fami­lie nicht zu weit von­ein­an­der. Und ein Groß­ge­fäng­nis in Meß­stet­ten bedeu­te eine Steu­er­geld­ver­schwen­dung, die einen schwin­deln machen kön­ne. Das sind die Kern­the­sen, mit denen Dr. Albrecht Foth, ehe­ma­li­ger Chef der Rott­wei­ler Staats­an­walt­schaft, den Stand­ort Meß­stet­ten madig macht. Er sieht eine gewal­ti­ge Umwelt­be­las­tung. Aber eine ande­re, als Natur­schüt­zer beim mög­li­chen Stand­ort Esch aus­ma­chen.

Rott­weil (gg). Dr. Albrecht Foth, gewich­ti­ger Mann in Rott­weil auch fünf­ein­halb Jah­re nach sei­ner Pen­sio­nie­rung, warb nach eige­nen Anga­ben zunächst im pri­va­ten Bekann­ten­kreis für sei­ne Argu­men­te. Jetzt, da sich die Dis­kus­si­on zuspitzt auf die wahr­schein­lichs­ten mög­li­chen Gefäng­nis­stand­or­te Meß­stet­ten und Rott­weil (Esch), möch­te der Ex-Behör­den­lei­ter in die Öffent­lich­keit gehen. Und er möch­te Meß­stet­ten schlecht­re­den.

Foth geht es um die wei­ten Wege, die in Meß­stet­ten im Ver­gleich zu Rott­weil anfal­len, wie er argu­men­tiert. „Sie wie­gen in dop­pel­ter Hin­sicht schwer”, so Foth. Zum einen ent­spre­che es moder­nem Voll­zug, die Bezie­hun­gen zwi­schen Gefan­ge­nem und Fami­lie wäh­rend des Frei­heits­ent­zug tun­lichst nicht abbre­chen zu las­sen. Lan­des­stif­tung und Land finan­zier­ten des­we­gen zu Recht das Eltern-Kind-Pro­jekt, erklärt Foth wei­ter. Sein Urteil: „Für sol­che Kon­tak­te liegt Meß­stet­ten gänz­lich abseits und erschwert sie sehr, beson­ders, wenn auf öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel zurück­ge­grif­fen wer­den muss. Das ist gera­de­zu ein Grund­rechts­ver­stoß.”

Zum ande­ren gehe es um raus­ge­schmis­se­nes Geld. Steu­er­geld. Denn es lie­ge Meß­stet­ten vom Land­ge­richt Hechin­gen, dem neben Walds­hut-Tien­gen kleins­ten der Land­ge­rich­te im Bezirk der neu­en Voll­zugs­an­stalt, min­des­tens eine drei­vier­tel Stun­de Fahr­zeit wei­ter ent­fernt als Rott­weil von den Land­ge­rich­ten Rott­weil, Kon­stanz, Walds­hut-Tien­gen sowie den zuge­hö­ri­gen Amts­ge­rich­ten. „Das bedeu­tet”, rech­net Foth vor, „dass jeder Gefan­ge­nen­trans­port auf dem Hin- und Rück­weg ein­ein­halb Stun­den län­ger dau­ert und damit zwei Beam­te ent­spre­chend län­ger brau­chen, was bei geschätz­ten 250 Trans­por­ten zu Gerichts­ver­hand­lun­gen pro Jahr schon 750 Stun­den, also bei einer Arbeits­wo­che von 40 Stun­den 18,75 Wochen ent­spricht, die – min­des­tens – unnütz ver­fah­ren wer­den.”

Berech­ne man außer­dem die unnütz – Hin- und Rück­weg – zurück­ge­leg­ten Kilo­me­ter mit etwa 50, ergä­ben sich pro Jahr 12.500 Kilo­me­ter – zu viel, wohl­ge­merkt. „All das ist dann noch mit der geschätz­ten Lebens­dau­er des Gefäng­nis­ses von 80 Jah­ren zu mul­ti­pli­zie­ren”, so Foth, der hier mit einem Aus­ru­fe­zei­chen schließt, denn er kam auf eine glat­te Mil­li­on Kilo­me­ter an über­flüs­si­ger Weg­stre­cke und 78.000 mit unnö­ti­gen Fahr­ten ver­ta­ne Wochen­stun­den.

Foth: „Da ergibt sich eine Umwelt­be­las­tung und eine Ver­schleu­de­rung von Lan­des­ver­mö­gen, die einen schwin­deln machen kann. (Frei­lich den nicht, der bei rekord­ho­hen Steu­er­ein­nah­men unge­rührt jedes Jahr in ein Mil­li­ar­den- min­des­tens Hun­der­te von Mil­lio­nen­loch blickt).”

Apro­pos Umwelt­be­las­tung: Auch Natur­schüt­zer mel­den sich zu Wort, nament­lich die Umwelt­schutz­grup­pe Vil­lin­gen­dorf. In deren Namen erin­nert Spre­che­rin Utre Ram­baum an die Argu­men­te, die bereits 2009 zur Ableh­nung des Stand­ort­kan­di­da­ten Esch durch den Gemein­de­rat geführt hat­ten. Es sei „ganz unver­ständ­lich, dass in einem völ­lig intak­ten land­wirt­schaft­lich genutz­ten Gebiet, das zudem noch direkt an ein Natur­schutz­ge­biet grenzt, ein der­art zer­stö­re­ri­scher Ein­griff vor­ge­nom­men wer­den soll”, schreibt Ram­baum. Sie fragt: „Kön­nen wir es als Gesell­schaft ver­ant­wor­ten, in unse­rer nähe­ren Umge­bung ein Klein­od durch den Bau eines rie­sen­haf­ten Gebäu­des zu ver­nich­ten?” Man sol­le sich nichts vor­ma­chen, „soll­te das Groß­ge­fäng­nis an die­ser expo­nier­ten Stel­le wirk­lich gebaut wer­den, wür­de auch das angren­zen­de Natur­schutz­ge­biet dar­un­ter lei­den. Flä­chen­ver­sie­ge­lung, Dau­er­be­leuch­tung, und so wei­ter, all dies hät­te nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auch auf Flo­ra und Fau­na des Natur­schutz­ge­bie­tes und die wei­te­re Umge­bung”, so die Spre­che­rin der Umwelt­schutz­grup­pe.

Sie erklärt auch: „Rott­wei­ler, Vil­lin­gen­dor­fer und vie­le ande­re Erho­lungs­su­chen­de hät­ten ein ganz­jäh­rig nutz­ba­res Aus­flugs- und Wan­der­ge­biet in einer ein­zig­ar­tig schö­nen Land­schaft weni­ger”, wenn die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ins Esch, dem Gebiet zwi­schen Rott­weil und Vil­lin­gen­dorf, nahe der Neckar­burg käme.

Die Vil­lin­gen­dor­fer Natur­schüt­zer ver­wei­sen auf die ehe­ma­li­ge Kaser­ne in Meß­tet­ten als idea­len Stand­ort, weil Kon­ver­si­ons­flä­che.

Das sieht Ex-Staats­an­walt Foth anders: „Nicht umsonst hat man … Meß­stet­ten nicht in den ursprüng­li­chen Such­um­kreis ein­ge­schlos­sen, denn der genann­te Mehr­auf­wand wird durch kei­ne Kon­ver­si­on aus­ge­gli­chen! Es soll­te jetzt ein Minis­ter­prä­si­dent Kret­sch­mann in der Lage sein, Abstand zu neh­men vom Wahl­kämp­fer Kret­sch­mann im Bitz­wäld­le.”