Gemeinderat bringt Rottweiler Stadtfest auf den Prüfstand

Vereine nur für die Getränke? Die Trendfactory als Veranstalter? Eintrittsgelder von Besuchern?

Das Stadtfest 2017. Foto: Ralf Graner

Da hat das Turm­fest zur Ein­wei­hung des Auf­zug­test­turms von Thys­sen-Krupp in Rott­weil offen­bar Begehr­lich­kei­ten geweckt. Der Rott­wei­ler Gemein­de­rat jeden­falls hat das Stadt­fest, das alle zwei Jah­re statt­fin­det, auf den Prüf­stand geschickt. Spä­tes­tens in einem Jahr soll die Stadt­ver­wal­tung einen Vor­schlag zu ent­spre­chen­den Ver­än­de­run­gen und Erwei­te­run­gen machen. Die Dis­kus­si­on vor die­sem Beschluss ist in zum Teil har­schem Ton geführt wor­den.

Zwei Stadt­rä­te kri­ti­sier­ten das bestehen­de Rott­wei­ler Stadt­fest scharf. Ralf Ban­hol­zer (CDU) erklär­te, er sei gar kein Besu­cher die­ser Ver­an­stal­tung mehr. Es bie­te ihm kein Erleb­nis – im Gegen­satz zum Turm­fest – bei dem er, wie er sag­te, auf der Fress­mei­le Din­ge geges­sen habe, die habe er nicht gekannt. Das Stadt­fest brau­che unbe­dingt ein The­ma. Einen the­ma­ti­schen Über­bau, ein Mot­to. Und Jörg Stauss (Freie Wäh­ler) erklär­te, das Rott­wei­ler Stadt­fest müs­se auf­pas­sen, dass ihm umlie­gen­de Hecken­fes­te nicht den Rang ablie­fen. „Wir müs­sen zei­gen, was wir kön­nen”, for­der­te er. Und dazu die Betei­li­gung von Pro­fis wie der Trend­fac­to­ry, die bekannt­lich das Turm­fest geschmis­sen hat. Ein­tritt kön­ne von den Besu­chern gefor­dert wer­den, um die Mehr­kos­ten zu finan­zie­ren.

Für Hans-Peter Alf, CDU, war klar, dass das Stadt­fest Inter­na­tio­na­li­tät bekom­men müs­se. Turm und Hän­ge­brü­cke sei­en 2019, beim nächs­ten Ter­min zu inte­grie­ren. Um das Stadt­fest umfang­reich umzu­pla­nen, müs­se früh eine Dis­kus­si­on begin­nen.

Moni­ka Hug­ger (CDU) zeig­te sich von der Ver­wal­tung ent­täuscht. Sie hat­te nach einem Antrag ihrer Frak­ti­on erwar­tet, dass die Stadt­ver­wal­tung bis zum heu­ti­gen datum prüft, ob Ele­men­te des Turm­fests ins Stadt­fest über­nom­men wer­den kön­nen. Die „Zeit­rei­se” etwa, mit Stän­den von Römern, ist der CDU noch in guter Erin­ne­rung. Hug­ger und die ihren fän­den es nicht gut, wenn der CDU-Antrag als nicht mach­bar in einer städ­ti­schen Schub­la­de ver­schwin­de. „Wir wol­len, dass unter Ein­be­zie­hung der Ver­ei­ne rich­tig dis­ku­tiert wird.” Und die Stadt­rä­tin schlug vor, etwa auch das Rott­wei­ler Volks­fest, das vor sich hin düm­pe­le, ins Stadt­fest ein­zu­be­zie­hen. Wir erin­nern uns: Die CDU war auch die Frak­ti­on, die das Turm­fest und das Stadt­fest zusam­men­le­gen woll­ten. Da mach­ten die Ver­ei­ne aber nicht mit. Die Frak­ti­on ver­klärt das heu­te mit der Ein­schät­zung, mit dem Vor­schlag zu spät fürs ver­gan­ge­ne Stadt­fest gekom­men zu sein. Die Ver­ei­ne hät­ten schon mit den Vor­be­rei­tun­gen begon­nen gehabt. Tat­säch­lich setz­te es für den Zusam­men­le­gungs­an­trag eine dicke Klat­sche

Ich weiß gar nicht, wie jetzt plötz­lich die Schär­fe hier rein­kommt”, erwi­der­te Ober­bür­ger­meis­ter Ralf Broß, der zurück­wies, die Ver­wal­tung wol­le etwas in einer Schub­la­de ver­schwin­den las­sen. Reih­um aber pflich­te­ten die Stadt­rä­te Hug­ger bei: Das Stadt­fest gehö­re auf den Prüf­stand.

Bis auf Inge­borg Gek­le-Mai­er von den Grü­nen. „Habe ich eine ande­re Bril­le auf als die Übri­gen hier”, frag­te sie rhe­to­risch. Sie sehe nicht, „dass wir das Stadt­fest auf Bie­gen und Bre­chen umge­stal­ten soll­ten.” Da gebe es ande­re Bau­stel­len, etwa eine ein­heit­li­che Bestuh­lung in der Stadt, die den Bür­gern und Gäs­ten das gan­ze Jahr zur Ver­fü­gung ste­he. Das Stadt­fest sei zudem ein Fest der Ver­ei­ne. Die­se gestal­te­ten es.

Die Ver­wal­tung zeig­te indes Geschlos­sen­heit. Die fürs Stadt­fest Zustän­di­ge, Eva Moos­mann vom Kul­tur- und Sport­amt, bekam Rücken­de­ckung vom OB und von Kul­tur-Fach­be­reichs­lei­ter Mar­co Schaf­fert. Moos­mann habe die ver­gan­ge­nen drei Stadt­fes­te 2013, 2015 und 2017 geplant und immer wie­der Ver­bes­se­run­gen erwirkt. Sie habe zudem ein enges finan­zi­el­les Kor­sett.

Das ist auch Moos­manns Argu­men­ta­ti­on: Ände­run­gen kos­ten Geld. Eine Sper­rung der Hoch­brück­tor­stra­ße und des Fried­richs­plat­zes, wie beim Turm­fest, etwa allein 15.000 Euro. Ihr Gesamt­bud­get inklu­si­ve Spon­so­ren­gel­dern zuletzt: 75.000 Euro. Das Jahr der Tür­me mit sei­ner ein­zi­gen Groß­ver­an­stal­tung Turm­fest hat­te aller­dings 200.000 Euro zur Ver­fü­gung und unklar ist, ob die­se Sum­me reicht.

Die Ver­wal­tung hat nun ver­spro­chen, die Abrech­nung des Turm­fests abwar­ten zu wol­len, um zu sehen, wie viel die ein­zel­nen Attrak­tio­nen gekos­tet haben. Und dann zu berech­nen, was es kos­te­te, sie ins Stadt­fest zu inte­grie­ren. Und einen Roh­ent­wurf vor­zu­le­gen, spä­tes­tens im Herbst 2018.

Die CDU hat aber noch wei­te­re Ide­en. Etwa wie­der eine Fress­mei­le auf­bau­en zu las­sen, mit Pro­fis. Den Ein­wand der Ver­wal­tung, dass die Ver­ei­ne beim Stadt­fest doch das Essen berei­te­ten und das Betrei­ben der Food-Trucks nicht leis­ten könn­ten, wisch­te die CDU vom Tisch – die Ver­ei­ne könn­ten ja Geträn­ke aus­schen­ken.