Die Rottweiler Abendgruppe „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ freut sich über neue Mitglieder. Bisher gehören auch Elke Reichenbach, Bettina Rutz, Angelika Grudke und Kerstin Harnacker (von links) dazu. Foto: privat

ROTTWEIL – Die Erfah­rung einer Krebs­er­kran­kung eint sie: Seit einem hal­ben Jahr tref­fen sich eine gute Hand­voll Frau­en zwi­schen 45 und 60 Jah­ren ein­mal im Monat zum Gedan­ken- und Erfah­rungs­aus­tausch. Die Rott­wei­ler „Frau­en­selbst­hil­fe­grup­pe nach Krebs“ will Betrof­fe­ne infor­mie­ren, beglei­ten und auf­fan­gen. Und sie will bekann­ter wer­den.

Es gibt ange­neh­me­re Orte, jeman­den ken­nen zu ler­nen, als das gelb­ge­stri­che­ne Behand­lungs­zim­mer in der Helio­skli­nik, in dem Elke Rei­chen­bach und Bet­ti­na Rutz vor gut einem Jahr auf­ein­an­der tra­fen. Eine ähn­li­che Krebs­dia­gno­se hat­te sie für die Che­mo­the­ra­pie zusam­men­ge­führt. Und gemein­sam, das merk­ten sie rasch, las­sen sich man­che Beschwer­den bes­ser ver­ste­hen und ertra­gen. Der Schritt in die Selbst­hil­fe­grup­pe war da nicht weit.

„Mir hat es sehr gehol­fen, zu sehen, dass ande­re die glei­che Dia­gno­se haben, zu hören, wie sie damit umge­hen und den All­tag meis­tern“, erläu­tert Bet­ti­na Rutz ihre Moti­va­ti­on, sich in der Rott­wei­ler Selbst­hil­fe­grup­pe zu enga­gie­ren. „Ich möch­te einer­seits mei­ne Erfah­run­gen wei­ter­ge­ben, ande­rer­seits auch Rat holen, wenn ich sel­ber nicht mehr wei­ter weiß.“ Rutz nahm Kon­takt auf zu Ange­li­ka Grud­ke, die bereits seit zwei Jahr­zehn­ten eine Selbst­hil­fe­grup­pe für Krebs­er­krank­te in Rott­weil lei­tet.

Schnell war klar: Die Damen, die sich unter ihrer Lei­tung ein­mal monat­lich nach­mit­tags tref­fen, sind zumeist älter, ihre Krebs­er­kran­kung liegt schon lan­ge zurück. „Der Krebs spielt dann kei­ne solch gro­ße Rol­le mehr“, sagt Grud­ke. Das sei bei jün­ge­ren, kürz­lich erst erkrank­ten Frau­en anders. Die Bewäl­ti­gung der Krank­heit und die Fol­gen von Ope­ra­tio­nen, Che­mo­the­ra­pie oder Bestrah­lung und die Angst vor dem, was noch kom­men kön­ne, stün­den bei ihnen im Vor­der­grund.

„In die­ser Pha­se wol­len wir den Betrof­fe­nen bei­ste­hen, sei es durch Gesprä­che in der Grup­pe oder ein­zeln. Wir reden ganz unge­zwun­gen über The­men wie Reha, Wie­der­ein­glie­de­rung ins Berufs­le­ben, Gewinn von Lebens­qua­li­tät“ erklärt Grud­ke ihre ehren­amt­li­che Arbeit. „Uns liegt dar­an, das Gefühl der Ohn­macht und Hilf­lo­sig­keit, das vie­le Krebs­kran­ke erfasst, zu über­win­den.“ Da vie­le Frau­en in die­ser Lebens­pha­se noch arbei­ten, ent­schlos­sen sich Grud­ke und Rutz, eine neue Grup­pe zu grün­den die abends zusam­men­kommt.

Neben den regel­mä­ßi­gen Tref­fen an jedem drit­ten Mitt­woch im Monat pla­nen die Frau­en gemein­sa­me Akti­vi­tä­ten und wol­len Refe­ren­ten zu unter­schied­li­chen The­men ein­la­den. Das fällt aller­dings leich­ter, wenn die Grup­pe grö­ßer ist, weiß Grud­ke aus per­sön­li­cher Erfah­rung. „Wenn auch der Schwer­punkt bei uns bei Frau­en mit Brust­krebs­er­kran­kung liegt, so sind wir doch offen für alle, die noch in der Krebs­be­hand­lung ste­hen, die­se gera­de abge­schlos­sen haben oder Ange­hö­ri­ge von Krebs­kran­ken sind. Alter und Art der Krebs­er­kran­kung spie­len kei­ne Rol­le.“ Im Übri­gen sei­en auch Män­ner will­kom­men. „Wir freu­en uns über jeden, der zu uns fin­det.“

INFO: Die Rott­wei­ler „Frau­en­selbst­hil­fe nach Krebs“ trifft sich an jedem drit­ten Mitt­woch im Monat in Rott­weil im Kut­schen­haus beim Kapu­zi­ner. Das nächs­te Tref­fen ist am 20. Sep­tem­ber, um 19 Uhr. Dabei könn­te über­legt wer­den, wel­che The­men in Zukunft wich­tig sind.