Geschichtsuntericht der außergewöhlichen Art

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Zeitzeugin Ursula Kublik. Foto: Friederichs

ROTTWEIL – Hoch­kon­zen­triert hör­ten an die 140 Schü­ler der Erich-Hau­ser-Gewer­be­schu­le dem Bericht aus dem KZ Ausch­witz der 83-jäh­ri­gen Zeit­zeu­gin Ursu­la Kublik-Koper­s­ka aus Polen zu. Orga­ni­siert hat­ten die­sen Besuch die Gedenk­stät­te Ecker­wald im Zusam­men­hang mit der dies­jäh­ri­gen Gedenk­fei­er im Ecker­wald und Chris­ti­na Neff von der Erich-Hau­ser-Gewer­be­schu­le.

Frei über­setzt wur­de der Zeit­zeu­gen­be­richt von Ewa Kozi­ol, gebür­ti­ge Polin aus Rott­weil. Die Zeit­zeu­gin war mit ihrem Sohn Arek ange­reist und mit dabei war Krzy­sztof Maty­si­ak, Sohn von Jad­wi­ga Matysiak,geborene Stan­ka, und Enkel ihres Vaters Valen­tin Stan­ka, der Weih­nach­ten 1944 in Schöm­berg ver­stor­ben ist. Des­sen bei­de Söh­ne Hen­rik und Jer­zy Stan­ka über­leb­ten den Todes­marsch im April 1945. Alle sind inzwi­schen Freun­de der Initia­ti­ve Ecker­wald.

Am 12. August 1944 kam die damals acht­jäh­ri­ge Ursu­la mit ihrer gan­zen Fami­lie – als Betei­lig­te des War­schau­er Auf­stan­des gegen die NS- Besat­zung – auf der berüch­tig­ten Ram­pe im KZ Ausch­witz-Bir­ken­au an. Sie wur­de von ihrer Fami­lie getrennt und erhielt die Num­mer 84475, damit galt sie im Lager nicht mehr als Mensch, son­dern als Num­mer. „Das waren die letz­ten Minu­ten, in wel­chen ich mei­nen Vater gese­hen habe.” Ihr Vater war in das Außen­la­ger von Natz­wei­ler ‑Strut­hoff Daut­mer­gen gekom­men und ist im Janu­ar 1945 im KZ-Kran­ken­la­ger Vahin­gen-Enz gestor­ben. Das erfuhr sie aber erst nach der Befrei­ung der KZ’s und ihrer Rück­kehr in das von den Nazi’s dem Erd­bo­den gleich­ge­mach­te War­schau. Zum Glück hat­te sich ihre Fami­lie – wenn auch ohne Vater – in War­schau wiedergefunden.Erst nach 44 Jah­ren hat­te sie das Grab ihres Vaters in Vai­hin­gen-Enz gefun­den.

In sehr ruhi­ger aber kla­rer Hal­tung berich­te­te die Zeit­zeu­gin von ihrer Zeit im KZ Ausch­witz im Kin­der­block Nr. 13. „Bis heu­te erin­ne­re ich mich genau an mei­ne Ver­zweif­lung, mei­nen Hun­ger, an die Käl­te, an mei­ne Angst, an die Sehn­sucht nach mei­nen Eltern und mei­nem Bru­der, an mei­nen rasier­ten Kopf und den schwar­zen Rauch aus den Schorn­stei­nen der Kre­ma­to­ri­en.”
Nach der Liqui­die­rung des KZ’s Ausch­witz im Janu­ar 1945 kam sie zusam­men mit ihrer Mut­ter und ihrem Bru­der nach Sach­sen­hau­sen und wur­de am 24. April 1945 dort befreit. In Polen fand die Fami­lie das zer­stör­te War­schau vor, ” eine Stadt der Toten …,eine Stadt ohne Vater” und muß­te sich wie vie­le Zurück­ge­kehr­ten irgend­wie zurecht­fin­den. Ihr Sohn Arek wur­de in einem klei­nen, nas­sen Sou­ter­rain gebo­ren, das der Fami­lie zur not­dürf­ti­gen Behau­sung gedient hat­te.

Ihr Sohn Arek Koper­s­ka beleg­te ihren Bericht mit Bil­dern aus Ausch­witz und War­schau, so konn­ten sich die Schü­ler ein genaue­res Bild der furcht­ba­ren Zustän­de, ” der Höl­le auf Erden”, wie Ursu­la Kublik-Koper­s­ka ihre Zeit im KZ bezeich­ne­te, machen. Vie­le Fra­gen und lan­ger Bei­fall für ihren bewe­gen­den Bericht been­de­te die­sen Geschichts­un­tericht der außer­ge­wöh­li­chen Art.

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